Das Eurosystem hat am Montag die Plattform Pontes gestartet. Banken können damit tokenisierte Wertpapiere gegen Zentralbankgeld abwickeln, ohne auf Stablecoins oder tokenisierte Bankguthaben auszuweichen. Dreizehn Finanzinstitute sind von Beginn an dabei, darunter sechs aus Deutschland. Zugleich kündigt die EZB an, selbst einen Teil ihrer eigenen Mittel in tokenisierte Wertpapiere anzulegen. Pontes verbindet die TARGET-Dienste des Eurosystems mit Marktinfrastrukturen auf Distributed-Ledger-Technologie. Der praktische Zweck ist eng umrissen: Wenn eine Anleihe als Token auf einer Blockchain liegt, muss die Gegenleistung ebenfalls digital fließen, damit Lieferung und Zahlung Zug um Zug funktionieren. Bisher blieb dafür nur privates Geld. Pontes stellt an dieser Stelle Zentralbankgeld bereit. Zum Start sind dreizehn Finanzinstitute angebunden: ABANCA, BayernLB, Caisse des Dépôts, Cecabank, Deka Bank, Deutsche Bank, DZ Bank, die Europäische Investitionsbank, die KfW, die Memo Bank, die NRW.BANK, Santander und die Société Générale. Dazu kommen vier Betreiber von DLT-Plattformen: Axiology, Cashlink, Clearstream und SWIAT. Die Deutsche Bundesbank ist als Marktteilnehmerin angebunden. Die Kernfunktionen stehen sofort zur Verfügung. Den vollen Ausbau mit erweiterten Funktionen und längeren Betriebszeiten plant das Eurosystem für 2028. Parallel läuft unter dem Namen Appia ein zweites Vorhaben, das ein übergreifendes DLT-Ökosystem entwerfen soll, ebenfalls mit Zielmarke 2028.
Warum die EZB dem Großhandel Zentralbankgeld anbietet und nicht den Verbrauchern
Pontes ist kein digitaler Euro für die Ladenkasse. EZB-Präsidentin Christine Lagarde beschrieb die Plattform als “einen digitalen Euro, der Banken zur Verfügung gestellt wird, damit sie untereinander mit tokenisierten Vermögenswerten handeln können”. Direktoriumsmitglied Piero Cipollone ergänzte, Pontes bringe “die Stabilität und das Vertrauen von Zentralbankgeld in das europäische Tokenisierungs-Ökosystem”. Dahinter steht eine geldpolitische Überlegung. Je mehr Wertpapiergeschäfte auf Blockchains wandern, desto mehr Abwicklung liefe über privat ausgegebenes Geld, überwiegend über dollargedeckte Stablecoins wie USDT und USDC. Für die Euro-Geldordnung wäre das ein Kontrollverlust an einer Stelle, an der sonst die Zentralbank steht. Pontes soll diesen Platz besetzen, bevor er anders gefüllt wird. Welche Rolle Stablecoins in der Abwicklung spielen, erklärt unser Ratgeber dazu, was Stablecoins sind. Der zweite Teil der Ankündigung betrifft die EZB als Anlegerin. Sie will einen kleinen Teil ihrer eigenen Mittel in tokenisierte Wertpapiere investieren und über Pontes abwickeln lassen. Im Blick hat sie auf Euro lautende Papiere von Zentral- und Regionalregierungen, Agenturen und europäischen Institutionen. Begründung: praktische Erfahrung als Investorin sammeln und Fachwissen zur Technologie aufbauen. Einen Betrag und einen Starttermin nennt die EZB nicht; das Direktorium legt die operativen Einzelheiten später fest.
Was der Start für Anlegerinnen und Anleger im Euroraum konkret ändert
Unmittelbar ändert sich für private Bestände nichts. Pontes ist ausschließlich für zugelassene Finanzinstitute und Marktinfrastrukturen zugänglich, es gibt weder ein Konto noch einen Token für Privatkunden. Mittelbar sind drei Punkte von Bedeutung:
- Der digitale Euro für Verbraucher ist eine andere Baustelle. Dessen Pilotbetrieb ist für die zweite Hälfte 2027 über zwölf Monate angesetzt, eine mögliche Ausgabe frühestens 2029. Wie weit die Vorbereitungen dort sind, zeigt die Suche der EZB nach Online-Händlern.
- Der Euro-Stablecoin bekommt Konkurrenz an einer bestimmten Stelle. Für die Abwicklung zwischen Banken bietet Pontes eine Alternative, die kein Ausfallrisiko eines privaten Emittenten trägt. Das verkleinert einen Markt, auf den mehrere Anbieter zielen.
- Deutsche Institute sind früh dabei. Mit BayernLB, Deka Bank, Deutsche Bank, DZ Bank, KfW und NRW.BANK sowie den Plattformbetreibern Cashlink, Clearstream und SWIAT stellt Deutschland den größten Länderblock. Die Deutsche Bank baut parallel ihr eigenes Angebot aus, wie unser Bericht zur Krypto-Verwahrung der Deutschen Bank zeigt.
Wer die regulatorische Linie dahinter nachvollziehen will, findet die Grundlagen in unserem Bericht dazu, wie das Europäische Parlament der MiCA-Verordnung zugestimmt hat. Die beiden Mitteilungen vom Montag stehen im Pressebereich der EZB.
Wer breit in den europäischen Kapitalmarkt investieren will, findet unter anderem bei Scalable Capital ein Angebot. Weitere Anbieter stehen im Krypto-Börsen Vergleich.


























