Die Lightning-Software Eclair enthielt drei Schwachstellen. Die schwerwiegendste erlaubte es einem böswilligen Gegenüber, beim einvernehmlichen Schließen eines Zahlungskanals eine Gebühr durchzusetzen, die das gesamte Guthaben des Betreibers aufzehrt. Das Geld wäre als Transaktionsgebühr bei den Minern gelandet. Der Hersteller ACINQ hat die Lücken am 14. September mit Version 0.14.3 geschlossen. Lightning ist die Zahlungsschicht oberhalb der Bitcoin-Blockchain. Zwei Beteiligte sperren dafür Guthaben in einem gemeinsamen Kanal und verrechnen Zahlungen untereinander, ohne jede einzelne auf die Blockchain zu schreiben. Erst beim Schließen des Kanals wird der Endstand als reguläre Bitcoin-Transaktion gebucht, und dafür fällt eine Gebühr an. Genau an dieser Stelle setzte die Schwachstelle an. Beim einvernehmlichen Schließen schlägt eine Seite die Gebühr vor. Eclair prüfte nicht ausreichend, ob dieser Vorschlag plausibel ist: Ein Angreifer konnte einen Betrag nennen, der das lokale Guthaben des Gegenübers überstieg, und die Software akzeptierte ihn. Das Ergebnis wäre ein Kanalabschluss gewesen, bei dem das gesamte Guthaben als Gebühr abfließt. Nutznießer wären nicht die Angreifer selbst gewesen, sondern die Miner, die den Block bauen. Die beiden anderen Lücken wogen weniger schwer, hätten aber ebenfalls Geld gebunden oder gekostet. Bei einem sogenannten Splice, also der Änderung der Kanalgröße im laufenden Betrieb, konnte ein Gegenüber seine Signatur zurückhalten und die Mittel damit in einem unfertigen Zustand einfrieren. Bei der Finanzierung während des Betriebs ließen sich Verfallszeitpunkte von Zahlungen so verschieben, dass ausgehende Zahlungen eingezogen wurden, während die zugehörigen eingehenden verfielen.
Was der Patch ändert und warum die Gebührenobergrenze der Kern ist
ACINQ hat die Fehler selbst gefunden und mit Eclair 0.14.3 behoben. Der Hersteller empfiehlt Betreibern dringend die Aktualisierung, weil böswillige Knoten die Lücken ausnutzen könnten. Die Korrektur besteht aus drei Teilen: Die Software weist Schließungsgebühren oberhalb eines eingestellten Höchstwerts nun zurück, sie erzwingt den Abschluss mit dem neuesten vollständig signierten Transaktionsstand, und sie bringt eine Voreinstellung mit, die die Gebühr auf 50 Satoshi je virtuellem Byte begrenzt. Der letzte Punkt ist der eigentliche Schutz. Eine Obergrenze kostet im Normalbetrieb nichts, weil übliche Gebühren deutlich darunter liegen. Sie verhindert aber, dass ein einzelner manipulierter Vorschlag eine Größenordnung erreicht, die den Kanalinhalt aufbraucht. Der Zeitpunkt fällt in eine Phase erhöhter Aufmerksamkeit für Lightning-Infrastruktur. Der Zahlungsdienst BTCPay Server berichtete parallel von automatisierten Angriffen auf ungeschützt erreichbare Knoten der konkurrierenden Implementierung LND. Wie Zahlungen auf der Basisschicht funktionieren und warum sie Zeit und Gebühren kosten, erklärt unser Ratgeber zur Dauer von Bitcoin-Transaktionen.
Wen das betrifft und wen nicht
Die Unterscheidung ist für die Einordnung entscheidend:
- Betroffen sind Betreiber eigener Lightning-Knoten mit Eclair in einer Version vor 0.14.3. Für sie ist die Aktualisierung die einzige wirksame Maßnahme; sie liegt seit dem 14. September bereit.
- Nicht betroffen sind Bitcoin-Bestände auf der Blockchain. Die Lücke liegt in einer Software der Zahlungsschicht, nicht im Bitcoin-Protokoll. Wer keine Kanäle betreibt, ist nicht berührt.
- Kunden von Wallets und Diensten, die Lightning im Hintergrund nutzen, sind vom Verhalten ihres Anbieters abhängig. Wer Guthaben in einer verwalteten Lightning-Wallet hält, kann nicht selbst aktualisieren.
- Das Muster wiederholt sich. Die schwerwiegendste der drei Lücken war keine Krypto-Schwäche, sondern eine fehlende Plausibilitätsprüfung eines Zahlenwerts. Solche Fehler finden sich regelmäßig erst dort, wo Geld an einen Parameter geknüpft ist.
Was die Sicherheit des Netzwerks selbst ausmacht, steht in unserem Ratgeber dazu, wie sicher Bitcoin ist, die Grundlagen zur Schlüsselverwaltung im Beitrag zum privaten Schlüssel. Die technischen Einzelheiten hat CryptoSlate aufbereitet.
Bitcoin lässt sich unter anderem bei Bitpanda handeln. Weitere Handelsplätze stehen im Krypto-Börsen Vergleich.


























