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MACD-Indikator erklärt: Berechnung, Signale und Einstellungen

Wie der MACD aus zwei EMAs entsteht, was Signallinie, Nulllinie und Histogramm verraten und wo der Indikator an seine Grenzen stößt, mit Rechenbeispiel und Einstellungen für Krypto.

Titelbild „MACD-Indikator“ – Ratgeber von Krypto-Boersen.com

Das Wichtigste in Kürze

  • Der MACD ist die Differenz zweier exponentieller Durchschnitte, standardmäßig über 12 und 26 Perioden.
  • Dazu kommen eine Signallinie (9-Perioden-Durchschnitt) und ein Histogramm, das den Abstand der beiden Linien zeigt.
  • Entwickelt hat ihn Gerald Appel Ende der 1970er-Jahre, das Histogramm ergänzte Thomas Aspray 1986.
  • Wichtige Signale sind Kreuzungen mit der Signallinie, der Nulllinie und Divergenzen zum Kurs.
  • Der Indikator läuft dem Kurs hinterher und liefert in Seitwärtsphasen viele Fehlsignale.

Der MACD ist ein Indikator der technischen Analyse, der Trend und Momentum in einem Bild zeigt. Er zieht einen langsamen exponentiellen Durchschnitt des Kurses von einem schnellen ab. Steigt der Abstand, gewinnt die Bewegung an Kraft, schrumpft er, lässt sie nach. Eine Signallinie und ein Histogramm machen Wendepunkte sichtbar.

Was ist der MACD? Bedeutung und Herkunft

Die Abkürzung steht für „Moving Average Convergence Divergence“, also das Zusammen- und Auseinanderlaufen gleitender Durchschnitte. Genau das misst der Indikator: Laufen der schnelle und der langsame Durchschnitt auseinander, beschleunigt sich ein Trend. Nähern sie sich an, verliert er Schwung.

Entwickelt hat ihn der US-Analyst Gerald Appel Ende der 1970er-Jahre. Das Histogramm kam erst 1986 hinzu, ergänzt vom Analysten Thomas Aspray. Die Standardwerte 12, 26 und 9 stammen aus einer Zeit, in der an der Börse sechs Tage pro Woche gehandelt wurde. Sie entsprachen damals etwa zwei Wochen, einem Monat und anderthalb Wochen.

Aufbau des MACD-Indikators: drei Bestandteile

Bestandteil Berechnung Was er zeigt
MACD-Linie (Hauptlinie) EMA 12 minus EMA 26 Richtung und Stärke des Momentums
Signallinie EMA 9 dieser Linie geglätteter Vergleichswert für Kreuzungen
Histogramm Differenz der beiden Linien ob das Momentum zu- oder abnimmt
Nulllinie Wert 0 Punkt, an dem beide EMAs gleich hoch sind

EMA steht für exponentiellen gleitenden Durchschnitt. Er gewichtet neue Kurse stärker als alte und reagiert dadurch schneller als ein einfacher Durchschnitt. Anders als der RSI hat der Indikator keine festen Ober- und Untergrenzen. Seine Werte hängen vom Preisniveau ab: Bei Bitcoin sind sie in Dollar viel größer als bei einem Coin, der wenige Cent kostet.

MACD berechnen: Formel und Beispiel

Ein EMA wird Schritt für Schritt fortgeschrieben:

  1. Faktor bestimmen: 2 / (Perioden + 1). Für 12 Perioden ergibt das 0,1538, für 26 Perioden 0,0741 und für die Signallinie mit 9 Perioden 0,2.
  2. Startwert: Als ersten EMA nimmst du den einfachen Durchschnitt der ersten Perioden.
  3. Fortschreiben: neuer EMA = alter EMA + (Schlusskurs − alter EMA) × Faktor.
  4. Linien bilden: MACD-Linie = EMA 12 − EMA 26, Signallinie = EMA 9 dieser Werte, Histogramm = Differenz beider Linien.

Rechenbeispiel mit erfundenen Werten

Angenommen, ein Coin hat gestern einen EMA 12 von 102,00 €, einen EMA 26 von 100,00 € und eine Signallinie von 1,50. Danach schließt er drei Tage bei 108 €, 98 € und 95 €. Alle Zahlen sind frei erfunden.

Tag Schluss EMA 12 EMA 26 Hauptlinie Signallinie Histogramm
1 108 € 102,92 100,59 2,33 1,67 +0,66
2 98 € 102,17 100,40 1,77 1,69 +0,08
3 95 € 101,06 100,00 1,06 1,56 −0,50

Am ersten Tag zieht der schnelle Durchschnitt davon, das Histogramm ist deutlich positiv. Schon am zweiten Tag schrumpft es fast auf null, obwohl die Linie noch über der Signallinie liegt. Am dritten Tag fällt sie darunter: ein bärisches Kreuzungssignal. Die Linie bleibt aber über null, der übergeordnete Aufwärtstrend ist also noch nicht gebrochen.

MACD-Signale richtig lesen

Kreuzung mit der Signallinie

Steigt die MACD-Linie über ihre Signallinie, gilt das als Kaufsignal, fällt sie darunter, als Verkaufssignal. Es ist das häufigste Signal, aber auch das mit den meisten Fehlstarts. Aussagekräftiger ist eine Kreuzung in Trendrichtung: Ein Kaufsignal unter der Nulllinie nach einem Rücksetzer im Aufwärtstrend wiegt mehr als eines mitten im Abwärtstrend.

Kreuzung der Nulllinie

Über null liegt der 12er-EMA über dem 26er-EMA, darunter liegt er tiefer. Ein Wechsel über die Nulllinie entspricht damit einem Kreuzen der beiden Durchschnitte und bestätigt einen Trendwechsel. Dieses Signal kommt später als die Kreuzung mit der Signallinie, ist dafür aber stabiler.

Das Histogramm

Das Histogramm zeigt die Lücke zwischen den beiden Linien als Balken. Werden die Balken kürzer, nähern sich die Linien an, und eine Kreuzung rückt näher. Viele Trader achten deshalb weniger auf die Kreuzung selbst als auf den Moment, in dem die Balken zu schrumpfen beginnen. Das liefert früher einen Hinweis, aber auch mehr Fehlalarme.

Divergenzen zwischen Kurs und Indikator

  • Bullische Divergenz: Der Kurs bildet ein tieferes Tief, der Indikator ein höheres Tief. Der Verkaufsdruck lässt nach.
  • Bärische Divergenz: Der Kurs steigt auf ein höheres Hoch, die Linie erreicht nur ein tieferes Hoch. Der Anstieg verliert an Kraft.

Daneben gibt es versteckte Divergenzen: Im Aufwärtstrend macht der Kurs ein höheres Tief, der Indikator aber ein tieferes. Laut TradingView spricht das eher für eine Fortsetzung des Trends als für eine Wende. Solche Muster helfen, Rücksetzer von echten Trendbrüchen zu unterscheiden.

StockCharts rät, Divergenzen mit Vorsicht zu behandeln. In starken Trends können mehrere hintereinander auftreten, bevor sich der Kurs wirklich dreht. Laut Fidelity sind sie stärker, wenn eine Kreuzung sie bestätigt.

Fehlsignale filtern

Weil Kreuzungen oft schnell wieder rückgängig gemacht werden, setzen manche Trader einen Filter. Sie handeln ein Signal erst, wenn die Linien zum Beispiel drei Kerzen lang auf derselben Seite bleiben, oder nur in Richtung des Trends im nächsthöheren Zeitrahmen. Das spart viele Fehlstarts, kostet aber einen Teil der Bewegung, weil der Einstieg später kommt.

MACD-Einstellungen für Krypto und Zeiteinheiten

Die meisten Plattformen und Trader nutzen 12, 26 und 9. Das hat einen Vorteil: Wenn viele dieselben Werte beobachten, treten die Signale häufiger gleichzeitig auf. Kürzere Werte machen den Indikator schneller, aber nervöser. Verbreitete Ausgangspunkte für eigene Tests:

Stil Kerzen Einstellung Hinweis
Kurzfristig 15 Minuten bis 1 Stunde 12 / 26 / 9 oder kürzer, etwa 5 / 35 / 5 viele Signale, viel Rauschen
Swingtrading 4 Stunden bis 1 Tag 12 / 26 / 9 bewährter Standard
Langfristig 1 Woche 12 / 26 / 9 wenige, dafür träge Signale

Bei Kryptowährungen ist eine Tageskerze ein echter Kalendertag, weil der Markt nie schließt. Zwölf Perioden sind daher wirklich zwölf Tage, nicht zweieinhalb Handelswochen wie bei Aktien. Achte zudem darauf, dass Börsen ihre Tageskerze zu unterschiedlichen Uhrzeiten schließen. Vergleiche Werte nur auf derselben Plattform und optimiere die Einstellungen nicht so lange, bis sie perfekt auf alte Kurse passen.

MACD und RSI kombinieren

Dieser Indikator misst Trend und Momentum, eignet sich laut StockCharts aber kaum, um überkaufte oder überverkaufte Märkte zu erkennen. Genau das kann der RSI-Indikator mit seinen Marken 70 und 30. Beide ergänzen sich, wenn du jedem eine eigene Aufgabe gibst:

  • Trendfilter: Die Linie liegt über null, du suchst nur Long-Einstiege.
  • Zeitpunkt: Der RSI fällt bei einem Rücksetzer in Richtung 40 und dreht wieder nach oben.
  • Auslöser: Die Hauptlinie kreuzt ihre Signallinie von unten nach oben.
  • Kursmarke: Der Rücksetzer endet an einer Unterstützungslinie, darunter liegt dein Stop-Loss.

Weitere sinnvolle Partner sind die Bollinger Bands für die Schwankungsbreite und das Volumen als Bestätigung. Dieses Regelwerk ist ein Lernbeispiel, keine Empfehlung. Teste es im Demokonto und plane die Positionsgröße nach dem Ratgeber Risikomanagement beim Krypto-Trading.

Grenzen des MACD-Indikators

  • Nachlaufend: Er rechnet nur mit vergangenen Kursen. Bis ein Signal erscheint, ist ein Teil der Bewegung schon vorbei.
  • Seitwärtsphasen: In einer Handelsspanne kreuzen sich die Linien ständig hin und her. Fidelity rät, in solchen Phasen auf Trades nach diesen Signalen zu verzichten.
  • Keine Extremzonen: Weil der Indikator nach oben und unten offen ist, kann er bei heftigen Bewegungen über frühere Höchstwerte hinausschießen. Ein „hoher“ Wert ist daher kein Verkaufssignal.
  • Nicht vergleichbar: Die Werte hängen vom Kurs ab. Für Vergleiche zwischen Coins eignet sich die prozentuale Variante PPO (Percentage Price Oscillator) besser.
  • Kein Schutz vor Nachrichten: Ein Hack oder eine Entscheidung der Aufsicht bewegt den Kurs, bevor jeder Indikator reagiert.

Einblenden kannst du den Indikator in fast jedem Chartprogramm, bei TradingView etwa unter „Indikatoren“. Zum Üben eignet sich der Bitcoin-Chart der letzten zwölf Monate: Suche die großen Wendepunkte und prüfe, wann der Indikator sie angezeigt hätte.

Bitcoin BTC

80.485 $

 

Tagesschlusskurse (7 Tage: 5-Minuten-Werte), Quelle: eigene Kursdatenbank.

Wer kurzfristig handeln will, sollte vorher den Leitfaden Daytrading lesen. Die Grundlagen zu Orderarten, Kosten und Lernplan stehen unter Trading lernen.

Häufige Fragen zum MACD

Was zeigt der MACD an?

Er zeigt, wie weit ein schneller und ein langsamer exponentieller Durchschnitt des Kurses auseinanderliegen. Daraus liest du Richtung und Stärke des Trends ab und erkennst, wann er an Schwung verliert.

Was ist ein MACD-Signal?

Meist ist damit die Kreuzung der Hauptlinie mit der Signallinie gemeint. Kreuzt sie von unten nach oben, gilt das als Kaufsignal, von oben nach unten als Verkaufssignal. Weitere Signale sind die Nulllinie und Divergenzen.

Was bedeutet das Histogramm?

Die Balken zeigen den Abstand zwischen MACD-Linie und Signallinie. Wachsende Balken bedeuten zunehmendes Momentum, schrumpfende Balken kündigen eine mögliche Kreuzung an.

Welche MACD-Einstellungen sind die besten?

Eine beste Einstellung gibt es nicht. Der Standard 12, 26, 9 ist am weitesten verbreitet und eignet sich für Tages- und 4-Stunden-Charts. Kürzere Werte liefern mehr, aber unzuverlässigere Signale.

Ist der MACD ein Trend- oder ein Momentum-Indikator?

Beides. Er beruht auf gleitenden Durchschnitten und folgt damit dem Trend, misst über den Abstand der Linien aber auch das Momentum.

Was ist der Unterschied zum RSI?

Der RSI schwankt zwischen 0 und 100 und zeigt überkaufte oder überverkaufte Phasen. Die Differenz der beiden Durchschnitte ist dagegen nach oben und unten offen und zeigt eher Trendrichtung und nachlassenden Schwung.

Funktioniert der MACD bei Kryptowährungen?

Die Berechnung ist dieselbe wie bei Aktien. Bei großen Coins wie Bitcoin liefert er ein brauchbares Bild, bei kleinen Coins mit wenig Handel und starken Sprüngen häufiger Fehlsignale.

Kryptowährungen sind sehr schwankungsanfällig. Dieser Artikel ist keine Anlageberatung.

Kevin van der Linden

Über Kevin van der Linden

Als Autor & Gründer von Krypto-Boersen.com liegt es mir am Herzen, meine Expertise in den Bereichen Kryptowährungen und Blockchain-Technologien zu teilen, um Ihnen eine seriöse Anlaufstelle für aktuelle Informationen zu bieten. Durch mein Studium der Medien- und Kommunikationsinformatik und meinem hohen Interesse an neuen Technologien und Finanzen, konnte ich über die letzten Jahre tiefe Einblicke in diese Themenfelder erlangen. Als leidenschaftlicher Krypto-Enthusiast und Investor weiß ich, wie wichtig es ist, auf dem neuesten Stand zu bleiben und die richtigen Entscheidungen zu treffen. Mein Ziel ist es, Ihnen dabei zu helfen, das nötige Verständnis für die Chancen und Risiken des Marktes aufzubauen.

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