Stop Loss: So funktioniert die Stop-Loss-Order
Wie eine Stop-Loss-Order Verluste begrenzt, warum sie keinen Verkaufspreis garantiert und wann Stop-Limit, Trailing Stop oder gar kein Stopp die bessere Wahl ist.
Das Wichtigste in Kürze
- Ein Stop-Loss ist ein Verkaufsauftrag, der erst aktiv wird, wenn der Kurs eine von dir festgelegte Marke erreicht.
- Als Stop-Market wird danach zum nächsten verfügbaren Preis verkauft, als Stop-Limit nur bis zu einem Mindestpreis.
- Ein Trailing Stop zieht die Marke automatisch mit steigenden Kursen nach.
- Bei Kurslücken und Flash-Crashs kann der Verkaufspreis deutlich unter dem Stop-Kurs liegen.
- Für langfristige Sparpläne ist eine feste Verlustgrenze meist wenig sinnvoll.
Ein Stop Loss ist ein bedingter Verkaufsauftrag: Fällt der Kurs auf oder unter eine von dir gewählte Marke, wird automatisch eine Verkaufsorder ausgelöst. So begrenzt du Verluste, ohne den Markt ständig beobachten zu müssen. Einen bestimmten Verkaufspreis garantiert die Order allerdings nicht.
Was ist ein Stop Loss?
Der englische Begriff bedeutet wörtlich „Verlust stoppen“. Das Börsenlexikon der Deutschen Börse beschreibt die Stop-Loss-Order als Verkaufsorder, die erst beim Unterschreiten eines bestimmten Kurses ausgeführt wird. Bis dahin ruht der Auftrag, du musst den Kurs also nicht selbst verfolgen.
Wichtig ist die Unterscheidung von zwei Preisen: Der Stop-Kurs ist nur der Auslöser. Der tatsächliche Verkaufspreis ergibt sich erst danach aus dem Markt. Diese Lücke zwischen Auslöser und Ausführung ist der Kern fast aller Missverständnisse.
So funktioniert eine Stop-Loss-Order
Ein Beispiel mit erfundenen Werten: Du kaufst einen Coin zu 100 Euro und willst höchstens 10 Prozent verlieren. Du legst den Auslöser auf 90 Euro.
- Der Kurs schwankt zwischen 95 und 110 Euro. Nichts passiert, die Order wartet.
- Der Kurs fällt auf 90 Euro. Die Order wird aktiv und als Verkaufsauftrag an den Markt gegeben.
- Bei ruhigem Markt wird zu etwa 90 Euro verkauft, bei hektischem Markt vielleicht zu 88 oder 87 Euro.
Ohne Absicherung hättest du im gleichen Fall entweder rechtzeitig reagieren müssen oder einen weiteren Absturz mitgemacht. Genau dafür ist die Verlustbremse gedacht.
Stop-Market vs. Stop-Limit: der Unterschied
Nach dem Auslösen kann deine Order zwei Wege nehmen. Welchen, legst du vorher fest.
| Merkmal | Stop-Market (klassischer Stopp) | Stop-Limit |
|---|---|---|
| Was nach dem Auslösen passiert | Verkauf als Marktorder zum nächsten verfügbaren Preis | Verkauf als Limit-Order, nur zum Limit oder besser |
| Preise, die du festlegst | nur den Stop-Kurs | Stop-Kurs und Limit |
| Ausführung | praktisch sicher, solange es Käufer gibt | nicht garantiert |
| Verkaufspreis | nicht garantiert | nie schlechter als das Limit |
| Risiko | Verkauf weit unter dem Stop-Kurs | kein Verkauf, wenn der Kurs durch das Limit fällt |
Ein Stop Loss Limit schützt dich also vor einem Ausverkauf zu Schleuderpreisen, kann dich aber im schlimmsten Moment ungeschützt lassen. Bitvavo beschreibt in seiner Hilfe genau diesen Fall: Fällt der Kurs schneller unter das Limit, als die Order gefüllt wird, bleibt sie offen, weil zu diesem Preis keine Käufer mehr da sind.
Eine gängige Lösung ist ein Puffer zwischen Stop-Kurs und Limit, etwa Auslöser bei 90 Euro und Limit bei 87 Euro. Das erhöht die Chance auf Ausführung, ohne den Preis völlig offenzulassen.
Trailing Stop: den Stopp automatisch nachziehen
Ein Trailing Stop hält einen festen Abstand zum bisherigen Höchstkurs, in Prozent oder als Betrag. Steigt der Kurs, wandert die Auslösemarke mit. Fällt er, bleibt sie stehen. Kraken beschreibt den Ordertyp so, dass eine Marktorder ausgelöst wird, sobald der Kurs um einen festgelegten Abstand vom Höchststand zurückfällt.
Beispiel mit erfundenen Werten: Kauf zu 100 Euro, Abstand 10 Prozent. Der Stopp liegt zunächst bei 90 Euro. Steigt der Kurs auf 140 Euro, liegt er bei 126 Euro. Fällt der Kurs danach auf 126 Euro, wird verkauft, und ein Teil des Gewinns ist gesichert.
Der Nachteil: In starken Trends mit tiefen Rücksetzern wirft dich ein zu enger Abstand früh aus einer Position, die danach weiterläuft. Den Abstand passt du deshalb an die übliche Schwankung des Werts an.
Stop-Buy und Stop Order im Überblick
Stop Order ist der Oberbegriff für alle Aufträge, die erst ab einer Kursmarke aktiv werden. Neben dem Verkaufsstopp gibt es die Stop-Buy-Order: Sie kauft erst, wenn der Kurs über eine Marke steigt. Trader nutzen sie zum Beispiel, um erst nach dem Ausbruch über einen Widerstand einzusteigen.
Verwandt ist die Take-Profit-Order, die bei einem höheren Kurs Gewinne mitnimmt. Manche Börsen bündeln beides zu einer Bracket- oder OCO-Order: Wird eine Seite ausgeführt, verfällt die andere.
Stop Loss setzen: Wo liegt der richtige Stop-Kurs?
Eine allgemeingültige Marke gibt es nicht. Drei verbreitete Ansätze helfen, eine nachvollziehbare Grenze zu finden.
Prozentualer Abstand
Am einfachsten ist ein fester Prozentsatz unter dem Kaufkurs. Die Aktionärsvereinigung DSW nennt für Aktien eine übliche Spanne von 5 bis 25 Prozent, abhängig von der Schwankungsbreite. Kryptowerte schwanken meist deutlich stärker als große Aktien, ein zu enger Abstand wird dort schnell zufällig ausgelöst.
Unter Unterstützung oder Tief
Viele Trader platzieren den Auslöser knapp unter einer Unterstützung oder dem letzten markanten Tief. Bricht der Kurs dort durch, gilt die ursprüngliche Annahme als widerlegt. Wie du solche Zonen findest, erklärt unser Ratgeber zu Support- und Resistance-Linien. Setze die Marke nicht genau auf runde Zahlen, dort sammeln sich viele Aufträge.
Volatilität und ATR-Prinzip
Die Average True Range (ATR) misst die durchschnittliche Schwankung je Kerze. Der Abstand wird dann als Vielfaches davon gewählt, etwa zwei ATR unter dem Einstieg. So passt sich der Stopp automatisch an ruhige und hektische Phasen an. Ähnlich lässt sich die Breite der Bollinger Bands als Maß für die aktuelle Unruhe lesen.
Entscheidend ist die Verbindung zur Positionsgröße: Erst der Abstand bis zum Stopp zeigt, wie viel du im Ernstfall verlierst. Wie du daraus die passende Positionsgröße ableitest, steht im Ratgeber zum Risikomanagement beim Krypto-Trading.
Kurslücken und Slippage: die Grenzen der Absicherung
Ein klassischer Stopp wird zum nächsten handelbaren Preis ausgeführt, nicht zum Stop-Kurs. Die DSW weist darauf hin, dass dieser Preis nach einem scharfen Einbruch deutlich unter der gesetzten Marke liegen kann.
- Kurslücke: Bei Aktien entstehen sie vor allem über Nacht oder am Wochenende. Eröffnet der Kurs unter deiner Marke, wird direkt dort verkauft.
- Slippage: In dünnen Orderbüchern frisst ein größerer Verkauf mehrere Preisstufen. Der Durchschnittspreis liegt dann unter dem erwarteten Wert.
- Kettenreaktion: Viele Aufträge auf ähnlichen Marken verstärken einen Absturz, weil jede ausgelöste Order neuen Verkaufsdruck erzeugt.
Stop Loss bei Krypto: was anders ist
Kryptomärkte schließen nie. Das klingt nach einem Vorteil, weil es keine Wochenend-Lücken wie bei Aktien gibt. Dafür kann ein Einbruch nachts um drei Uhr passieren, und dein Auftrag reagiert, während du schläfst.
Ein bekanntes Beispiel ist der Flash-Crash von Ether auf der Börse GDAX (heute Coinbase) am 21. Juni 2017. Eine große Marktorder löste laut Coinbase eine Kaskade von rund 800 Stop-Orders und Margin-Liquidationen aus, kurzzeitig handelte Ether bei 0,10 US-Dollar. Die Börse entschädigte betroffene Kunden später freiwillig, darauf verlassen kannst du dich aber nicht.
Weitere Besonderheiten:
- Ordertypen unterscheiden sich: Nicht jede Börse bietet jeden Typ, manche nur in der Profi-Ansicht. Bitvavo etwa führt Stop-Limit in der Pro-Oberfläche. Prüfe vor der Kontoeröffnung im Börsenvergleich, was dein Anbieter kann.
- Referenzpreis: Kraken lässt wählen, ob der letzte Preis im eigenen Orderbuch oder ein Indexpreis aus mehreren Märkten den Auftrag auslöst. Ein Indexpreis kann verhindern, dass ein kurzer Ausreißer im Orderbuch einer einzelnen Börse deinen Auftrag auslöst.
- Hebel: Bei Hebel-Trading ist der Stopp Pflicht, weil sonst die Liquidation früher zuschlägt als gedacht.
Im Daytrading gehört die Verlustgrenze zu jedem Trade. Wer gerade anfängt, findet die Grundlagen im Ratgeber Krypto-Trading lernen.
Stop Loss im Sparplan: meist nicht sinnvoll
Wer über einen Krypto-Sparplan jeden Monat kleine Beträge investiert, verfolgt ein anderes Ziel als ein Trader. Ein fester Verkaufsstopp passt dazu aus mehreren Gründen schlecht:
- Der Sparplan lebt davon, in schwachen Phasen günstiger nachzukaufen. Ein Stopp verkauft genau dann.
- Bei stark schwankenden Werten wird eine Marke im Lauf der Jahre fast sicher einmal ausgelöst, oft knapp vor einer Erholung.
- Nach dem Verkauf stellt sich die Frage, wann du wieder einsteigst. Diese Entscheidung soll der Sparplan gerade ersparen.
- Ein Verkauf beendet die Haltefrist der verkauften Coins. Was das steuerlich bedeutet, erklärt unsere Seite zur Krypto-Haltefrist.
Für langfristige Anleger ist eine Begrenzung des Risikos über die Höhe der Sparrate und die Streuung meist der passendere Weg.
Häufige Fragen zum Stop Loss
Wie setze ich einen Stop Loss?
In der Ordermaske deiner Börse oder deines Brokers wählst du den Ordertyp Stop-Loss oder Stop-Limit, gibst die Menge und den Stop-Kurs ein, bei Stop-Limit zusätzlich das Limit. Danach liegt der Auftrag im Orderbuch deines Anbieters und wartet auf den Auslöser.
Was ist der Unterschied zwischen Stop Loss und Stop Limit?
Beim Stop-Market wird nach dem Auslösen zum nächsten verfügbaren Preis verkauft. Beim Stop-Limit entsteht eine Limit-Order, die nur zum festgelegten Mindestpreis oder besser ausgeführt wird. Das eine sichert den Ausstieg, das andere den Preis.
Kann ein Stop Loss nicht ausgeführt werden?
Ein Stop-Market wird in liquiden Märkten fast immer ausgeführt, nur der Preis kann schlechter sein. Ein Stop-Limit bleibt dagegen offen, wenn der Kurs unter das Limit fällt, bevor sich Käufer finden.
Wie weit sollte der Stop Loss entfernt sein?
Das hängt von der Schwankungsbreite ab. Zu enge Marken werden durch normales Rauschen ausgelöst, zu weite begrenzen kaum. Orientierung geben markante Tiefs, Unterstützungen oder ein Vielfaches der durchschnittlichen Schwankung.
Kostet ein Stop Loss Gebühren?
Das Einstellen ist bei vielen Anbietern kostenlos, gezahlt wird bei der Ausführung die übliche Handelsgebühr. Manche Banken berechnen jede Änderung der Marke wie eine neue Order, darauf weist auch die DSW hin.
Lohnt sich ein Trailing Stop?
Ein Trailing Stop eignet sich, um Gewinne in einem Aufwärtstrend abzusichern, ohne den Stopp ständig von Hand anzupassen. In sehr volatilen Märkten braucht er einen ausreichend großen Abstand, sonst endet die Position zu früh.
Kryptowährungen sind sehr schwankungsanfällig. Dieser Artikel ist keine Anlageberatung.




