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Trailing Stop: So zieht dein Stop Loss automatisch mit

Wie ein Trailing Stop Gewinne nachzieht, wann er auslöst, worin er sich vom festen Stop Loss unterscheidet und worauf du bei Krypto-Börsen und Aktienbrokern achtest.

Trailing Stop: So zieht dein Stop Loss automatisch mit

Das Wichtigste in Kürze

  • Ein Trailing Stop ist eine Stop-Order, deren Auslösemarke mit steigenden Kursen automatisch nachzieht und bei fallenden Kursen stehen bleibt.
  • Den Abstand legst du absolut (zum Beispiel 4 €) oder prozentual (zum Beispiel 8 %) zum bisherigen Höchstkurs fest.
  • Wird die Marke erreicht, entsteht meist eine Market-Order. Bei Kurslücken kann der Verkaufspreis deutlich darunter liegen.
  • Die Kaufvariante folgt fallenden Kursen nach unten und kauft erst, wenn der Kurs wieder um den Abstand steigt.
  • Einen allgemein richtigen Abstand gibt es nicht. Orientierung geben die übliche Schwankung, ein Vielfaches der ATR oder Chartmarken.

Ein Trailing Stop ist ein Stop-Auftrag mit beweglicher Auslösemarke: Sie folgt dem Kurs in festem Abstand nach oben, bleibt bei Rückgängen aber stehen. Fällt der Kurs um diesen Abstand vom Höchststand zurück, wird verkauft. So sicherst du aufgelaufene Gewinne ab, ohne die Order ständig von Hand anzupassen.

Was ist ein Trailing Stop?

„Trailing“ heißt nachlaufend. Ein normaler Stop-Loss liegt fest an einer Marke, bis du ihn änderst. Der nachgezogene Stop rechnet seine Marke dagegen laufend aus dem besten Kurs seit Auftragserteilung neu. Die Deutsche Börse beschreibt die Trailing Stop Order für Xetra als Stop-Market-Order mit variablem Stop-Limit, das das Handelssystem selbst anpasst.

Beim Einrichten gibst du im Kern nur Stückzahl und Abstand an. Manche Anbieter ergänzen ein Limit für die Ausführung oder einen Kurs, ab dem der Auftrag erst aktiv wird.

So funktioniert der Trailing Stop Loss: Beispiel

Ein Beispiel mit erfundenen Zahlen: Du kaufst zu 50 € und setzt 8 % Abstand.

Schritt Kurs Höchstkurs bisher Stop-Marke (8 %) Was passiert
1 50,00 € 50,00 € 46,00 € Kauf, Stop wird gesetzt
2 54,00 € 54,00 € 49,68 € Marke zieht nach
3 60,00 € 60,00 € 55,20 € Marke zieht nach
4 57,00 € 60,00 € 55,20 € Rücksetzer, Marke bleibt
5 63,00 € 63,00 € 57,96 € neues Hoch, Marke zieht nach
6 59,00 € 63,00 € 57,96 € Marke bleibt
7 57,90 € 63,00 € 57,96 € Marke unterschritten, Verkauf

In Schritt 7 wird zum nächsten verfügbaren Preis verkauft, hier etwa 57,90 €. Vor Kosten bleiben knapp 8 € Gewinn je Stück. Der Rücksetzer in Schritt 4 hat nichts ausgelöst, weil der Abstand groß genug war. Ein fester Stop bei 46 € hätte die Position offen gelassen, und ein weiterer Rückgang hätte den Gewinn aufgezehrt.

Absoluter oder prozentualer Abstand

Im Beispiel entsprechen 8 % am Anfang genau 4 €. Danach laufen beide Varianten auseinander:

  • Prozentual: Der Abstand wächst mit dem Kurs. Bei 63 € beträgt er 5,04 €. Das passt zu Werten, deren Schwankung in Euro mitwächst.
  • Absolut: Der Abstand bleibt 4 €. Bei 63 € läge die Marke bei 59 € und hätte schon in Schritt 6 ausgelöst. Relativ zum Kurs wird der Stop immer enger.

Trailing Stop vs. fester Stop Loss

Merkmal Fester Stop Loss Nachgezogener Stop
Auslösemarke bleibt, bis du sie änderst steigt mit dem Höchstkurs automatisch
Hauptzweck Verlust begrenzen Verlust begrenzen und Gewinne sichern
Pflege Nachziehen von Hand, bei manchen Banken als kostenpflichtige Orderänderung läuft ohne Eingriff
Nach einem Anstieg Abstand zum Kurs wird größer Abstand zum Höchstkurs bleibt gleich

Viele Trader kombinieren beides: Zuerst sichert ein fester Stop die Einstiegsidee, nach einem ersten Anstieg übernimmt die mitlaufende Marke.

Trailing Stop Buy: nachgezogener Einstieg

Der Trailing Stop Buy dreht das Prinzip um. Die Kaufmarke liegt über dem Kurs und folgt fallenden Kursen nach unten, bei steigenden bleibt sie stehen.

Beispiel mit erfundenen Zahlen: Ein Wert steht bei 40 €, du wählst 5 % Abstand, die Kaufmarke liegt bei 42 €. Der Kurs fällt auf 34 €, die Marke wandert auf 35,70 €. Steigt der Kurs danach auf 35,70 €, wird gekauft, günstiger als bei 40 €, aber erst nach Einsetzen der Gegenbewegung. An Kryptobörsen schließt du mit dieser Variante auch Short-Positionen und sicherst so deren Gewinn.

Ausführung: Market oder Limit

Was nach dem Auslösen passiert, ist so wichtig wie der Abstand. Die Grundlagen erklärt der Ratgeber Orderarten.

  • Market: Die ausgelöste Order wird zum nächsten verfügbaren Preis ausgeführt. Die Ausführung ist praktisch sicher, der Preis nicht. In dünnen Orderbüchern entsteht Slippage, nach Nachrichten eine Kurslücke.
  • Limit: Nach dem Auslösen entsteht eine Limit-Order in festgelegtem Abstand zur Marke. Du verkaufst nie unter dem Limit, die Order bleibt aber offen, wenn der Kurs durchfällt.

Die Aktionärsvereinigung DSW weist darauf hin, dass ein ausgelöster Stop nach einem Kurssturz deutlich unter der gesetzten Grenze verkauft werden kann.

Den Abstand wählen

Zu eng, und normales Kursrauschen wirft dich aus einer guten Position. Zu weit, und du gibst viel Gewinn zurück. Einen Wert, der immer passt, gibt es nicht, aber drei nachvollziehbare Ansätze:

  • Übliche Schwankung: Der Abstand sollte größer sein als die normalen Rücksetzer im Trend. Bei Kryptowährungen ist er deshalb meist deutlich größer als bei großen Standardaktien.
  • Vielfaches der ATR: Die Average True Range misst die durchschnittliche Schwankungsbreite je Kerze. Beispiel mit erfundenen Werten: ATR auf Tagesbasis 1,50 €, Faktor 3, also 4,50 € Abstand. Ändert sich die ATR, musst du den Abstand selbst neu setzen.
  • Chartmarken: Du ziehst die Marke von Hand knapp unter das jeweils letzte markante Tief. Wie du solche Zonen findest, zeigt der Ratgeber Chartanalyse.

Auch der Handelsstil zählt: Im Daytrading arbeitest du mit kleinen Zeiteinheiten und engeren Marken, beim Swing-Trading mit Tageskerzen und mehr Spielraum. Wie Ein- und Ausstieg zusammenpassen, zeigt der Ratgeber Trading-Strategien.

Trailing Stop bei Krypto

Kryptomärkte handeln rund um die Uhr. Die Order arbeitet also auch nachts und am Wochenende, wenn starke Bewegungen häufig sind. In den Ordermasken vieler Kryptobörsen findest du zwei Begriffe:

  • Callback-Rate: der Rückgang vom Höchststand (Verkauf) oder Anstieg vom Tiefststand (Kauf) in Prozent, ab dem ausgelöst wird.
  • Aktivierungspreis: ein optionaler Kurs, ab dem die Marke erst mitläuft. Ohne ihn startet sie sofort.

Achte auch auf den Referenzpreis: Je nach Börse steuert der letzte Handelspreis, ein Mark Price oder ein Indexpreis aus mehreren Märkten die Marke. Index- und Mark-Preise reagieren weniger auf kurze Ausreißer im Orderbuch einer einzelnen Börse. Nicht jede Börse bietet den Ordertyp für jeden Markt an. Prüfe das im Börsenvergleich und in der Hilfe deines Anbieters.

Bei Aktien und ETFs

Bei Aktien und ETFs läuft die Marke nur während der Handelszeiten des gewählten Handelsplatzes mit. Auf Xetra passt das Handelssystem sie anhand des Referenzpreises an. Ob und an welchen Handelsplätzen dein Broker den Ordertyp anbietet, siehst du in seiner Ordermaske.

Das größte Risiko sind Kurslücken: Eröffnet eine Aktie nach schlechten Nachrichten deutlich tiefer, wird zur Eröffnung weit unter der Marke verkauft. Bei Krypto gibt es keine Wochenend-Lücke, dafür abrupte Einbrüche zu jeder Uhrzeit.

Typische Fehler

  • Zu enger Abstand: Alltägliche Schwankungen lösen aus, oft kurz vor dem nächsten Anstieg.
  • Ein Abstand für alles: Was bei einem ETF passt, ist für einen kleinen Altcoin viel zu eng.
  • Limit ohne Puffer: Liegt das Limit direkt an der Marke, wird in schnellen Märkten oft nicht ausgeführt.
  • Abstand nachträglich vergrößern: Wer die Marke kurz vor dem Auslösen wegschiebt, hebelt die eigene Verlustgrenze aus.

Häufige Fragen zum Trailing Stop

Was ist ein Trailing Stop Loss?

Eine Verkaufs-Stop-Order, deren Marke mit steigenden Kursen in festem Abstand nachzieht und bei fallenden Kursen stehen bleibt. Fällt der Kurs um den Abstand vom Höchststand zurück, wird verkauft.

Wie viel Prozent Abstand sind sinnvoll?

Das hängt von der Schwankung des Werts und deinem Zeithorizont ab. Der Abstand sollte größer sein als normale Rücksetzer im Trend. Hilfreich sind ein Vielfaches der ATR oder der Abstand zum letzten markanten Tief.

Was ist eine Trailing Stop Buy Order?

Eine Kauforder, deren Marke fallenden Kursen nach unten folgt. Sie kauft, wenn der Kurs um den gewählten Abstand vom Tiefststand wieder steigt.

Was bedeutet Callback-Rate?

So nennen viele Kryptobörsen den prozentualen Abstand. Bei 5 % wird verkauft, sobald der Kurs 5 % unter seinen Höchststand seit Aktivierung fällt.

Kostet ein Trailing Stop extra?

Bei vielen Anbietern zahlst du nur die normale Handelsgebühr bei der Ausführung. Ob das Anlegen etwas kostet, steht im Preisverzeichnis deines Brokers.

Kryptowährungen sind sehr schwankungsanfällig. Dieser Artikel ist keine Anlageberatung.

Kevin van der Linden

Über Kevin van der Linden

Als Autor & Gründer von Krypto-Boersen.com liegt es mir am Herzen, meine Expertise in den Bereichen Kryptowährungen und Blockchain-Technologien zu teilen, um Ihnen eine seriöse Anlaufstelle für aktuelle Informationen zu bieten. Durch mein Studium der Medien- und Kommunikationsinformatik und meinem hohen Interesse an neuen Technologien und Finanzen, konnte ich über die letzten Jahre tiefe Einblicke in diese Themenfelder erlangen. Als leidenschaftlicher Krypto-Enthusiast und Investor weiß ich, wie wichtig es ist, auf dem neuesten Stand zu bleiben und die richtigen Entscheidungen zu treffen. Mein Ziel ist es, Ihnen dabei zu helfen, das nötige Verständnis für die Chancen und Risiken des Marktes aufzubauen.

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