Ratgeber 7 Min. Lesezeit

Slippage: Bedeutung, Beispiel und Slippage-Toleranz erklärt

Was Slippage bedeutet, woher sie kommt und wie du sie berechnest. Dazu Market-, Limit- und Stop-Orders, Slippage-Toleranz und Sandwich-Angriffe an dezentralen Börsen sowie eine Checkliste.

Slippage: Bedeutung, Beispiel und Slippage-Toleranz erklärt

Das Wichtigste in Kürze

  • Slippage ist die Differenz zwischen dem Preis, den du beim Absenden einer Order erwartest, und dem Preis, zu dem sie tatsächlich ausgeführt wird.
  • Sie kann gegen dich laufen (negative Slippage) oder zu deinen Gunsten (positive Slippage).
  • Ursachen sind schnelle Kursbewegungen, wenig Liquidität im Orderbuch, große Orders, Verzögerungen bei der Ausführung und Kurslücken.
  • Market- und Stop-Orders sind besonders betroffen. Eine Limit-Order wird nie schlechter als zum Limit ausgeführt, dafür vielleicht gar nicht.
  • An dezentralen Börsen begrenzt die Slippage-Toleranz die Abweichung. Ist sie zu großzügig, können Bots deinen Tausch per Sandwich-Angriff ausnutzen.

Slippage bezeichnet die Abweichung zwischen dem erwarteten Preis einer Order und dem Preis, zu dem sie tatsächlich ausgeführt wird. Sie entsteht, wenn sich der Kurs zwischen Absenden und Ausführung bewegt oder das Angebot zum angezeigten Preis nicht reicht. Im Trading ist sie ein Kostenfaktor, den du vorher nicht genau kennst.

Was ist Slippage? Bedeutung und Definition

Das englische Wort „slippage“ heißt so viel wie Abrutschen. Gemeint ist, dass der Ausführungspreis vom gewünschten Preis wegrutscht. Der Broker IG beschreibt sie als Fall, in dem der Kurs, zu dem deine Order ausgeführt wird, nicht dem Kurs entspricht, zu dem sie angefordert wurde.

Solche Abweichungen gibt es an Aktienbörsen, im Devisen- und CFD-Handel und an Kryptobörsen. Sie betrifft vor allem Aufträge, die ohne Preisgrenze ausgeführt werden. Wie die einzelnen Ordertypen funktionieren, erklärt der Ratgeber Orderarten.

Negative und positive Slippage

  • Negative Slippage: Du kaufst teurer oder verkaufst billiger als erwartet. Das ist der häufig gemeinte Fall.
  • Positive Slippage: Der Kurs bewegt sich in der kurzen Zeit bis zur Ausführung zu deinen Gunsten, und du bekommst einen besseren Preis.

Ursachen: Wie entsteht Slippage?

  • Volatilität: In schnellen Märkten, etwa nach Nachrichten oder Zinsentscheidungen, ändert sich der Kurs in Sekundenbruchteilen.
  • Liquidität und Markttiefe: Liegen zum besten Preis nur wenige Angebote im Orderbuch, wird der Rest deiner Order zu schlechteren Preisen ausgeführt.
  • Ordergröße: Je größer der Auftrag im Verhältnis zum Angebot, desto mehr Preisstufen frisst er.
  • Latenz: Zwischen Klick und Ausführung vergeht Zeit, an dezentralen Börsen bis zur Aufnahme in einen Block. In dieser Zeit können andere den Markt verändern.
  • Kurslücken: Springt der Kurs ohne Handel dazwischen, etwa bei Aktien über Nacht, gibt es zum gewünschten Preis keinen Abschluss.

Slippage berechnen: ein Beispiel

Alle Werte sind erfunden. Ein Coin wird zu 100,00 € angeboten. Du willst per Market-Order 50 Stück kaufen und rechnest mit 5.000 €. Im Orderbuch liegen auf der Verkaufsseite:

Preisstufe Angebot Davon für dich Betrag
100,00 € 20 Stück 20 Stück 2.000 €
100,40 € 15 Stück 15 Stück 1.506 €
101,00 € 30 Stück 15 Stück 1.515 €
Summe 50 Stück 5.021 €

Dein Durchschnittspreis liegt bei 5.021 € ÷ 50 = 100,42 €. In Prozent rechnest du so: (Ausführungspreis − erwarteter Preis) ÷ erwarteter Preis × 100. Hier also 0,42 ÷ 100 × 100 = 0,42 %, in Euro 21 €. Hinzu kommen Handelsgebühr und, beim Verkauf, der Spread.

Hättest du nur 20 Stück gekauft, hättest du genau 100,00 € je Stück gezahlt. Die Kosten wachsen also nicht gleichmäßig mit der Ordergröße, sondern springen, sobald eine Preisstufe aufgebraucht ist.

Slippage im Trading: Market-, Limit- und Stop-Orders

Ordertyp Abweichung möglich? Was du dafür in Kauf nimmst
Market-Order ja, in beide Richtungen sofortige Ausführung, Preis offen
Limit-Order keine negative: Ausführung zum Limit oder besser Order wird eventuell nicht oder nur teilweise ausgeführt
Stop-Market ja, nach dem Auslösen Ausstieg sicher, Preis offen
Stop-Limit begrenzt durch das Limit bei schnellem Kursverfall unter Umständen kein Verkauf

Slippage bei Stop-Orders

Ein Stop-Loss wird beim Erreichen der Stop-Marke zu einer Market-Order. Verkauft wird dann zum nächsten verfügbaren Preis. Ein Beispiel mit erfundenen Zahlen: Dein Stop liegt bei 90 €, nach schlechten Nachrichten eröffnet der Wert bei 86 €. Der Verkauf läuft zu etwa 86 €, also 4 € je Stück unter der Marke. Mehr dazu im Ratgeber Stop-Loss. Dasselbe gilt für eine nachgezogene Marke, wie sie der Ratgeber Trailing Stop beschreibt.

Manche CFD-Anbieter bieten garantierte Stops gegen eine Prämie an, die genau zur Marke schließen. CFDs sind gehebelte Produkte: Laut Pflichthinweis der Anbieter verliert der Großteil der Kleinanlegerkonten damit Geld. Was ein Hebel bewirkt, erklärt der Ratgeber Hebel-Trading.

Slippage bei Krypto: zentrale Börsen

Kryptomärkte handeln rund um die Uhr und reagieren oft heftig. An zentralen Börsen mit Orderbuch gelten dieselben Regeln wie oben. Entscheidend ist, wie viele Aufträge nahe am aktuellen Kurs liegen. Bei kleinen Coins mit dünnem Orderbuch können schon mittlere Beträge mehrere Preisstufen verbrauchen.

Gerade bei größeren Beträgen oder kleinen Coins bietet sich deshalb eine Limit-Order im Orderbuch-Handel an. Börsen mit Orderbuch und Zulassung findest du im Krypto-Börsen-Vergleich.

Slippage-Toleranz bei dezentralen Börsen

An dezentralen Börsen wie Uniswap tauschst du nicht gegen ein Orderbuch, sondern gegen einen Liquiditätspool. Bis dein Tausch in einem Block landet, können andere Nutzer den Pool verändern. Wie Pools ihre Preise bilden, erklärt der Ratgeber zum Liquidity Pool.

Deshalb stellst du eine Slippage-Toleranz ein, bei Uniswap „Max slippage“ genannt. Sie legt fest, wie stark der Preis höchstens zu deinen Ungunsten abweichen darf. Wird sie überschritten, bricht der Tausch ab.

Ein Beispiel mit erfundenen Zahlen: Die Oberfläche zeigt dir für deinen Tausch 500 Token an, die Toleranz beträgt 1 %. Dann muss der Tausch mindestens 495 Token bringen, sonst wird er rückgängig gemacht. Die Netzwerkgebühr zahlst du auf Ethereum trotzdem, denn sie fällt laut ethereum.org unabhängig davon an, ob eine Transaktion gelingt. Mehr dazu im Ratgeber zur Gas Fee.

Preis-Impact vs. Slippage

Uniswap trennt zwei Begriffe, die oft vermischt werden:

  • Preis-Impact: die Preisänderung, die dein eigener Tausch im Pool auslöst. Je größer der Tausch im Verhältnis zur Liquidität, desto größer. Die Oberfläche zeigt ihn vor dem Bestätigen an.
  • Slippage: die Änderung, die durch andere Transaktionen zwischen Absenden und Ausführung entsteht. Sie lässt sich nur über die Toleranz begrenzen.

An Börsen mit Orderbuch wird beides meist zusammen als Slippage bezeichnet, wie im Rechenbeispiel oben.

Front-Running und Sandwich-Angriffe (MEV)

Auf Ethereum warten Transaktionen vor der Aufnahme in einen Block öffentlich sichtbar im Mempool. Das nutzen Bots aus. Den Wert, der sich bei der Blockerstellung über Blockbelohnung und Gebühren hinaus abschöpfen lässt, etwa durch geschicktes Einreihen von Transaktionen, nennt ethereum.org Maximal Extractable Value, kurz MEV. Früher hieß er Miner Extractable Value, die Umbenennung folgte dem Wechsel zu Proof of Stake.

Ein Sandwich-Angriff läuft laut ethereum.org so ab:

  1. Ein Bot entdeckt im Mempool einen großen Tausch.
  2. Er kauft denselben Token kurz davor und treibt so den Preis.
  3. Dein Tausch wird zum schlechteren Preis ausgeführt, solange er noch innerhalb deiner Toleranz liegt.
  4. Direkt danach verkauft der Bot zum höheren Preis.

Deine Slippage-Toleranz ist damit der Spielraum des Angreifers. Forscher der University of California, Santa Barbara, beschrieben die Einstellung 2024 als zweischneidig: Großzügige Werte lassen sich für Sandwich-Angriffe ausnutzen, strenge führen zu unnötig fehlgeschlagenen Tauschen. Sie untersuchten, wie Uniswap seinen früher festen Standardwert von 0,5 % durch einen je Transaktion berechneten Wert ersetzte. Die Verluste der Uniswap-Nutzer sanken danach nach ihrer Messung um rund 55 %.

Schutz bieten private Übertragungswege. Auf Ethereum leiten Dienste wie Flashbots Protect Transaktionen über einen privaten Mempool, sodass Sandwich-Bots sie nicht vorab sehen. Gescheiterte Transaktionen kosten dort nach Angaben des Anbieters keine Gebühr.

Slippage vermeiden: Checkliste

  • Limit statt Market: Bei größeren Beträgen und dünnen Märkten setzt du eine Preisgrenze.
  • Markttiefe prüfen: Schau ins Orderbuch oder auf die Pool-Größe, bevor du handelst.
  • Große Orders teilen: Mehrere kleine Aufträge verbrauchen weniger Preisstufen. Uniswap empfiehlt das ausdrücklich.
  • Ruhige Zeiten wählen: Meide die Minuten nach wichtigen Nachrichten und Phasen mit überlasteten Netzwerken.
  • Toleranz eng halten: An DEX nur so hoch wie nötig. Bei tiefen Pools aus zwei Stablecoins genügt meist wenig, bei kleinen, schwankenden Token brauchst du mehr.
  • Preis-Impact lesen: Zeigt die Oberfläche einen hohen Wert an, verkleinere den Tausch.
  • Kosten gesamt rechnen: Gebühr, Spread und Preisabweichung zusammen entscheiden über das Ergebnis.

Besonders wichtig ist das für kurzfristige Stile. Beim Scalping entscheiden schon kleine Preisabweichungen oft über Gewinn oder Verlust, auch im Daytrading summieren sie sich über viele Trades.

Slippage und Spread: der Unterschied

Merkmal Spread Slippage
Was es ist Abstand zwischen bestem Kauf- und Verkaufspreis Abweichung zwischen erwartetem und tatsächlichem Preis
Wann bekannt vor der Order sichtbar erst nach der Ausführung
Richtung immer ein Kostenpunkt negativ oder positiv
Vermeidbar durch liquide Märkte, Limit im Spread Limit-Order, kleinere Orders, ruhige Zeiten

Häufige Fragen zu Slippage

Was ist Slippage einfach erklärt?

Es ist der Unterschied zwischen dem Preis, den du beim Absenden einer Order siehst, und dem Preis, zu dem sie ausgeführt wird.

Was bedeutet Slippage-Toleranz?

Die höchste Abweichung, die du an einer dezentralen Börse akzeptierst. Wird sie überschritten, bricht der Tausch ab, die Netzwerkgebühr kann trotzdem anfallen.

Welche Slippage-Toleranz sollte ich einstellen?

Einen Wert, der für alle Paare passt, gibt es nicht. Je liquider das Paar, desto enger kannst du sie setzen. Ein zu hoher Wert lädt zu Sandwich-Angriffen ein, ein zu niedriger lässt Tausche scheitern.

Ist Slippage immer schlecht?

Nein. Bewegt sich der Kurs bis zur Ausführung zu deinen Gunsten, bekommst du einen besseren Preis. Das heißt positive Slippage.

Kann man Slippage bei einer Limit-Order haben?

Eine negative Abweichung nicht, weil die Order nur zum Limit oder besser ausgeführt wird. Dafür kann es passieren, dass sie nicht oder nur zum Teil ausgeführt wird.

Was ist der Unterschied zwischen Slippage und Spread?

Den Spread siehst du vor der Order im Orderbuch. Die Abweichung zeigt sich erst bei der Ausführung und kann in beide Richtungen gehen.

Kryptowährungen sind sehr schwankungsanfällig. Dieser Artikel ist keine Anlageberatung.

Kevin van der Linden

Über Kevin van der Linden

Als Autor & Gründer von Krypto-Boersen.com liegt es mir am Herzen, meine Expertise in den Bereichen Kryptowährungen und Blockchain-Technologien zu teilen, um Ihnen eine seriöse Anlaufstelle für aktuelle Informationen zu bieten. Durch mein Studium der Medien- und Kommunikationsinformatik und meinem hohen Interesse an neuen Technologien und Finanzen, konnte ich über die letzten Jahre tiefe Einblicke in diese Themenfelder erlangen. Als leidenschaftlicher Krypto-Enthusiast und Investor weiß ich, wie wichtig es ist, auf dem neuesten Stand zu bleiben und die richtigen Entscheidungen zu treffen. Mein Ziel ist es, Ihnen dabei zu helfen, das nötige Verständnis für die Chancen und Risiken des Marktes aufzubauen.

Alle Artikel von Kevin van der Linden

Der Krypto-Newsletter

Die wichtigsten Nachrichten, neue Angebote der Börsen und unsere Marktdaten – kostenlos per E-Mail. Abmeldung jederzeit.

Suche wird geladen …

Tipp: Mit Strg + K oder „/“ öffnest du die Suche auf jeder Seite.