Angebot: Halving 2028 rückt näher
Von den maximal 21 Millionen Bitcoin sind 20.087.546 im Umlauf, also 95,7 Prozent. Je Block entstehen derzeit 3,125 BTC neu, das sind bei 140 bis 145 Blöcken am Tag rund 440 bis 455 BTC oder gut 38 Millionen US-Dollar täglich. Das nächste Halving bei Block 1.050.000 halbiert die Belohnung auf 1,5625 BTC; bei Blockhöhe 968.030 und der aktuellen Blockzeit von 615 Sekunden fällt es voraussichtlich in den April 2028. Die Angebotsseite ist damit berechenbar und ändert sich in den nächsten 18 Monaten nicht. Kursrelevant ist sie nur im Vergleich zur Nachfrage.
Nachfrage: ETF-Flüsse drehen zum Wochenende ins Plus
Die US-Spot-ETFs sind seit ihrem Start im Januar 2024 auf kumulierte Nettozuflüsse von 55,2 Milliarden US-Dollar gekommen (Farside Investors, Stand 21.09.2026). Die Handelswoche vom 14. bis 18. September endete mit einem Plus von 6 Millionen US-Dollar, also praktisch ausgeglichen, aber mit einem klaren Richtungswechsel in ihrem Verlauf: Auf Abflüsse von 450 Millionen US-Dollar am 15. und 296 Millionen am 16. September folgten Zuflüsse von 160 Millionen am 17. und 433 Millionen am 18. September. Der Freitagswert ist der höchste Tageszufluss seit dem 3. September. Für den 21. September lagen zum Redaktionsschluss noch keine Zahlen vor.
Bei den Unternehmensbeständen ist der größte Halter zuletzt untätig geblieben: Strategy hält 845.050 BTC zu Anschaffungskosten von 63,7 Milliarden US-Dollar, im Schnitt 75.412 US-Dollar je Coin, und hat in den zwei Wochen bis zum 13. September weder gekauft noch verkauft (The Block, 14.09.2026). Mit dem Kurssprung liegt der Bestand des größten Unternehmenskäufers erstmals seit Wochen wieder rund 14 Prozent über dem Einstandspreis. Kleinere Käufer bleiben aktiv: Strive meldete am 15. September einen Bestand von 25.000 BTC (Decrypt).
Netzwerk: Difficulty auf neuem Hoch, Hashrate stabil
Die Rechenleistung im Netzwerk liegt im 30-Tage-Schnitt bei 927 Exahash pro Sekunde, aktuell bei 936; die Difficulty ist mit der Anpassung vom 19. September um 4,2 Prozent auf 132,76 Billionen gestiegen. Die nächste Anpassung um Block 969.696 wird sie voraussichtlich um 0,6 Prozent senken (mempool.space, 21.09.2026). Gleichzeitig verlagern börsennotierte Miner Kapazität in Rechenzentren für künstliche Intelligenz. CoinShares beziffert in seinem Bericht zum zweiten Quartal 2026 mindestens 35 Exahash, die dauerhaft aus dem Bitcoin-Mining abwandern, weil ein Megawatt im KI-Betrieb rund 1,5 Millionen US-Dollar Umsatz bringt gegenüber 0,5 Millionen im Mining (The Block, 15.09.2026). Für den Kurs ist das kurzfristig neutral: Die Difficulty gleicht abwandernde Rechenleistung aus. Langfristig sinkt der Verkaufsdruck der Miner, wenn weniger Unternehmen ihre Stromrechnung mit frisch geschürften Coins bezahlen müssen. Mehr zur Funktionsweise steht im Ratgeber Was ist Krypto-Mining.
Makro: Fed bei 4 Prozent, zehnjährige Rendite über 5 Prozent
Am 16. September hat die US-Notenbank den Leitzins um 25 Basispunkte auf 3,75 bis 4,00 Prozent angehoben, einstimmig mit 12 zu 0 Stimmen und zum ersten Mal seit Juli 2023 (FOMC-Erklärung vom 16.09.2026). Sechzehn von 18 Mitgliedern des Offenmarktausschusses rechnen mit mindestens einer weiteren Erhöhung in diesem Jahr; die Projektionen sehen den Satz bis Ende 2027 bei 4,1 Prozent. An den Terminmärkten sind für die kommenden zwölf Monate drei weitere Schritte eingepreist (BTC-ECHO, 16.09.2026).
Am Anleihemarkt ist die Erhöhung angekommen: Die Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen stand am 18. September bei 5,01 Prozent, nach 4,97 Prozent am 14. September; zweijährige Papiere rentieren mit 4,76 Prozent (US-Finanzministerium, tägliche Zinsstrukturkurve, Stand 18.09.2026, letzter veröffentlichter Wert). Fünf Prozent risikolose Rendite sind die Messlatte, an der sich jede Anlage ohne laufenden Ertrag messen lassen muss. Dass Bitcoin in derselben Woche um 9 Prozent gestiegen ist, zeigt, dass der Markt die Zinsseite derzeit nicht zum wichtigsten Kurstreiber macht.
Für die Prognose zählt weniger der einzelne Schritt als die Richtung: Steigende Zinsen verteuern Fremdkapital für Käufer auf Kredit, machen Anleihen als Alternative attraktiver und haben Bitcoin in der Vergangenheit belastet, zuletzt 2022. Die Gegenthese, die Bernstein am 26. August formuliert hat, lautet: Höhere Zinsen treiben die Staatsverschuldung, und eine Politik, die Entwertung der Währung dem Sparzwang vorzieht, stützt knappe Vermögenswerte. Welche der beiden Lesarten sich durchsetzt, entscheidet über das Szenario für 2027.
Regulierung: USA ohne Gesetz, EU mit MiCA
Der Digital Asset Market Clarity Act, das erste umfassende US-Marktstrukturgesetz für Kryptowerte, hat am 15. September im Senat die nötigen 60 Stimmen verfehlt (49 zu 50). SEC-Chef Paul Atkins und CFTC-Chef Mike Selig haben am Folgetag angekündigt, die Regeln ohne Gesetz auf Basis ihrer bestehenden Befugnisse zu erlassen (The Block, 16.09.2026); am selben Tag brachte der Steuerausschuss des Repräsentantenhauses ein eigenes Krypto-Steuergesetz auf den Weg. Eine Neuauflage des CLARITY Act in der Sitzungsperiode nach der Wahl gilt als möglich, aber offen. Kurzfristig bleibt damit die Rechtsunsicherheit, die der Markt am 15. September mit dem größten ETF-Abfluss seit Juni quittiert hat.
In der EU ist die Lage seit dem 1. Juli 2026 klarer: An diesem Tag endete die Übergangsfrist der Kryptomärkte-Verordnung MiCA, seither dürfen nur noch zugelassene Anbieter EU-Kunden bedienen (ESMA, Public Statement). Für Anleger in Deutschland heißt das: Der Handelsplatz ist beaufsichtigt, die Steuerregeln bleiben unverändert (dazu der Ratgeber Ab wann muss man Krypto versteuern).
Stimmung: Gier, getragen von Liquidationen
Der Fear-and-Greed-Index steht am 21. September bei 70 und damit im Bereich “Gier”, nach 51 (neutral) in der Vorwoche. Der Wert bildet den Tagesbeginn 00:00 UTC ab und hinkt Kursbewegungen einen Tag hinterher.
Wichtiger als die Stimmungszahl ist in dieser Woche, woher der Kursanstieg kommt. In den 24 Stunden bis zum 21. September, 21:15 Uhr, wurden an den Terminbörsen Positionen über 930 Millionen US-Dollar zwangsgeschlossen, davon 770 Millionen auf der Short-Seite, verteilt auf rund 129.600 Konten; das offene Interesse stieg im selben Zeitraum um 7,9 Prozent auf 158,7 Milliarden US-Dollar (Coinglass, Gesamtmarkt, Stand 21.09.2026, 21:15 Uhr). Eine Bewegung, die überwiegend aus Zwangsschließungen gespeist wird, hat einen eingebauten Endpunkt: Sind die Positionen geschlossen, fällt dieser Nachfrageblock weg. Ob aus dem Sprung ein Trend wird, entscheidet sich daran, ob die ETF-Zuflüsse des 18. September in der neuen Woche Bestand haben.