Marktstellung: 62 Prozent des Orakelmarkts
Chainlink liefert Kursdaten und andere Außenweltdaten an Verträge auf Blockchains. Ohne solche Daten kann ein Vertrag weder eine Sicherheit bewerten noch eine Auszahlung auslösen. Wie groß diese Rolle ist, lässt sich messen: DefiLlama beziffert den über Chainlink abgesicherten Wert auf 40,38 Milliarden US-Dollar in 533 Protokollen (Abruf 21.09.2026). Das sind 5,8 Prozent mehr als in der Vorwoche, bei einem Kursplus von 11,4 Prozent im selben Zeitraum.
Der Abstand zum Rest des Feldes ist der eigentliche Befund. Auf Platz zwei stehen mit 8,25 Milliarden US-Dollar die Anwendungen, die ihre Daten selbst erzeugen und gar keinen externen Anbieter nutzen. Der größte echte Wettbewerber ist Chronicle mit 5,10 Milliarden, dahinter RedStone mit 4,54 und Pyth mit 3,47 Milliarden. Chainlink kommt damit auf 62 Prozent des gesamten gemessenen Marktes, achtmal so viel wie der nächste Anbieter. Das Verhältnis hat sich seit der Vorwoche nicht verschoben: Der gesamte Markt ist gewachsen, die Anteile sind gleich geblieben.
Einnahmen: die Reserve als sichtbarer Zähler
Anders als bei den meisten Kryptowährungen lässt sich bei LINK beobachten, ob das Geschäft Geld verdient. Seit dem 7. August 2025 fließt ein Teil der Einnahmen in die Chainlink Reserve, einen Vertrag auf Ethereum, der LINK ansammelt. Gespeist wird er aus vier Quellen: Zahlungen großer Kunden außerhalb der Chain, Gebühren der Dienste auf der Blockchain, Erlösbeteiligungen von Protokollen wie Aave und GMX sowie der Hälfte der Gebühren aus dem Dienst Smart Value Recapture. Auszahlungen sind laut Projekt für mehrere Jahre nicht vorgesehen.
Der Stand am 21. September 2026: 5,96 Millionen LINK im Wert von rund 77 Millionen US-Dollar, bei einem durchschnittlichen Einstandspreis von 11,15 US-Dollar (metrics.chain.link, Abruf 21.09.2026). Die Zuflüsse kommen wöchentlich: 97.459 LINK am 17. September, 91.116 am 10. September, 97.111 am 3. September und 91.989 am 27. August, zusammen 377.674 LINK in 30 Tagen. Gemessen an einer Marktkapitalisierung von 9,75 Milliarden US-Dollar ist das wenig, aber es ist ein laufender, öffentlich nachzählbarer Kaufdruck. Bemerkenswert am Rande: Mit dem Kursanstieg liegt die Reserve erstmals deutlich über ihrem Einstandspreis.
Angebot: 252 Millionen LINK sind nicht im Umlauf
Von einer Milliarde LINK sind 748,1 Millionen im Umlauf (CoinGecko, 21.09.2026). Die Verteilung stammt aus dem Verkauf von 2017: 35 Prozent gingen an die Öffentlichkeit, 35 Prozent sind für Anreize an Knotenbetreiber vorgesehen, 30 Prozent hält das Unternehmen. Die rund 252 Millionen noch nicht umlaufenden LINK verteilen sich auf diese beiden letzten Töpfe.
Anders als bei Ripple, das seine Treuhandfreigaben monatlich und im Voraus bekannt macht, gibt es für diese Menge keinen veröffentlichten Freigabeplan. Das ist die unangenehmste Lücke im Zahlenwerk: Ein Viertel des möglichen Angebots kann den Markt zu einem Zeitpunkt erreichen, den Anleger nicht kennen. Wer die Reserve als Kaufdruck liest, muss diesen Posten dagegenhalten.
Gestakt sind 45 Millionen LINK, die Obergrenze der seit dem 28. November 2023 laufenden Fassung 0.2 des Staking-Programms, davon 40,875 Millionen aus der Gemeinschaft und 4,125 Millionen von Knotenbetreibern. Der Topf ist voll, mehr geht nicht hinein. Gemessen am Umlauf sind das 6 Prozent. Zum Vergleich: Bei Cardano sind 58 Prozent delegiert. Als Angebotsbremse spielt Staking bei LINK also praktisch keine Rolle.
Institutionelle Anbindung: von der Ankündigung zum Betrieb
Die Liste der Namen ist lang, und sie ist bei Chainlink seit Jahren lang. Interessanter ist, was davon in Betrieb gegangen ist.
- Bottomline hat am 4. September 2026 Global Pay Connect gestartet, eine Plattform, die über 600 Banken über das Cross-Chain-Protokoll CCIP an Blockchain-Zahlungswege anbindet.
- Amundi, mit 2,3 Billionen Euro verwaltetem Vermögen einer der größten Vermögensverwalter Europas, hat mit Spiko einen tokenisierten Fonds aufgelegt, der binnen drei Wochen über 400 Millionen US-Dollar einsammelte.
- BitGo nutzt Chainlink als alleinigen Anbieter für den Cross-Chain-Transfer seines Wrapped-Bitcoin-Bestands.
- Der US-Bundesstaat Wyoming setzt für seinen staatlichen Stablecoin Chainlinks Reservenachweis und CCIP ein.
- Aave, das größte Kreditprotokoll, nutzt Datenfeeds, Smart Value Recapture, die Laufzeitumgebung CRE und CCIP über 18 Chains hinweg.
Die Zahlen dazu aus dem Quartalsbericht des Projekts für das erste Quartal 2026: Das über CCIP bewegte Volumen stieg gegenüber dem Vorjahr um 319 Prozent, die CCIP-Gebühren gegenüber dem Vorquartal um 213 Prozent. Diese Angaben stammen vom Anbieter selbst und sind nicht unabhängig geprüft; der abgesicherte Wert bei DefiLlama ist die unabhängig messbare Gegenprobe.
Regulierung: der Rückenwind ist neu und passt zum Geschäft
Am 17. September 2026 hat die US-Börsenaufsicht eine befristete Ausnahme erlassen, die den Handel tokenisierter US-Aktien auf neuen Handelsplätzen erlaubt. Der Schritt kam, nachdem der CLARITY Act zwei Tage zuvor im Senat die nötigen 60 Stimmen verfehlt hatte und SEC und CFTC angekündigt hatten, die Regeln selbst zu schreiben. Für Chainlink ist das unmittelbar relevant: Jede tokenisierte Aktie braucht einen Kurs, einen Reservenachweis und einen Weg zwischen den Blockchains, und genau das sind die drei Produkte des Unternehmens.
Am 23. März 2026 ist zudem eine gemeinsame Auslegung von SEC und CFTC in Kraft getreten, die Krypto-Vermögenswerte in Kategorien einteilt; digitale Rohstoffe gelten darin nicht als Wertpapiere. Chainlink selbst rechnet LINK dieser Kategorie zu. Eine unabhängige Bestätigung, die LINK ausdrücklich benennt, liegt dieser Redaktion nicht vor; belastbar sind stattdessen die zugelassenen Fonds und Terminkontrakte, die es ohne regulatorische Klarheit nicht gäbe.
Zugang: zwei Spot-ETFs und Terminkontrakte an der CME
Grayscale hat seinen Chainlink-Trust in einen Spot-ETF umgewandelt, der unter dem Kürzel GLNK an der NYSE Arca handelt. Bitwise erhielt am 14. Januar 2026 die Zulassung für einen zweiten Fonds unter dem Kürzel CLNK, ebenfalls an der NYSE Arca. Damit gehört LINK zu den ersten Kryptowährungen jenseits von Bitcoin und Ether mit einem regulierten US-Produkt auf den Kassakurs. Dazu kommen LINK-Terminkontrakte an der CME.
Die Größenordnung ist allerdings bescheiden. Das Nettovermögen beider Fonds lag Mitte September bei rund 181,8 Millionen US-Dollar, davon 136,4 Millionen bei Grayscale und 45,4 Millionen bei Bitwise; seit dem Start summieren sich die Nettozuflüsse auf 147,5 Millionen US-Dollar (Stand 18.09.2026; eine wöchentlich fortschreibbare Tagesreihe führt Farside für diese Fonds nicht). Die Bitcoin-ETFs kommen auf 55,2 Milliarden, die auf Ether auf 13,3 Milliarden US-Dollar (Farside Investors, 21.09.2026). Der Kanal existiert also, aber er trägt den Kurs bislang nicht.
Makro und Marktumfeld
Am 16. September beschloss die US-Notenbank mit 12 zu 0 Stimmen eine Anhebung um 25 Basispunkte auf 3,75 bis 4,00 Prozent, die erste seit Juli 2023 (FOMC-Erklärung vom 16.09.2026). Zehnjährige US-Staatsanleihen rentierten am 18. September mit 5,01 Prozent (US-Finanzministerium, tägliche Zinsstrukturkurve, letzter veröffentlichter Wert). In der Woche bis zum 21. September hat LINK mit 11,4 Prozent stärker zugelegt als Bitcoin mit 9,0 Prozent. LINK profitiert von solchen Rotationen, und der Kurssprung von 36 Prozent im August fällt zu einem guten Teil in diese Kategorie. Die Erholung ist also nicht allein mit dem Geschäft zu erklären.