Der Internationale Währungsfonds hat am Donnerstag die nächste Kredittranche für El Salvador freigegeben, obwohl das Land eine Bedingung zum Bitcoin-Bestand verfehlt hat. Der Fonds erteilte dafür eine Ausnahme. Im Gegenzug soll der Staat über dokumentierte Spenden hinaus keine Bitcoin mehr anhäufen.
Das Exekutivdirektorium des IWF schloss am 1. Oktober die zweite und dritte Überprüfung des Kreditprogramms ab. Damit fließen sofort 101,96 Millionen Sonderziehungsrechte an die Regierung in San Salvador, umgerechnet rund 138 Millionen US-Dollar. Das Programm läuft seit Februar 2025 über 40 Monate und hat einen Gesamtrahmen von rund 1,4 Milliarden Dollar.
In der Mitteilung des IWF steht der Verstoß ausdrücklich: Mehrere Leistungskriterien seien nicht erfüllt worden, “including on the Bitcoin accumulation front”. Die Ausnahmen beruhten auf “strong corrective measures and renewed commitments”, also auf Korrekturen und erneuerten Zusagen der Regierung.
Bitcoin bleibt Teil des Programms, nur unter engeren Grenzen.
Der Fonds will den Staat aus dem Bitcoin-Geschäft herauslösen
Dan Katz, Erster Stellvertretender Geschäftsführender Direktor des IWF, sagte nach der Sitzung: “The state’s involvement in Bitcoin-related activities is being unwound while related regulations are enhanced.” Die Beteiligung des Staates werde also abgebaut, die Regulierung zugleich verschärft. Die Übergabe der staatlichen Wallet Chivo an einen privaten Betreiber nannte Katz einen begrüßenswerten Schritt; der verbliebene Anteil der öffentlichen Hand solle vollständig abgegeben werden.
Für die Bestände selbst verlangt der Fonds mehr Offenheit. Die Regierung soll offenlegen, welche Kryptowerte der öffentliche Sektor hält, und das Gesetz über die Ausgabe digitaler Vermögenswerte ändern.
Schon bei der Einigung auf Arbeitsebene am 3. September hatte der IWF erklärt, für den Kauf von Bitcoin seien keine öffentlichen Mittel verwendet worden. Nach Angaben von Crypto.news stammten die Coins, die seit der ersten Überprüfung in staatliche Wallets kamen, laut Unterlagen der Regierung aus privaten Spenden. Wer gespendet hat und wie viel, ist nicht veröffentlicht.
El Salvador bekommt Lob für Wachstum und Haushalt
Abseits von Bitcoin fällt das Urteil des Fonds freundlich aus. Die Wirtschaft habe die Erwartungen übertroffen, getragen von mehr Sicherheit im Land und wachsendem Vertrauen der Investoren. Für 2026 rechnet der IWF mit 4,5 Prozent Wachstum nach 3,9 Prozent im Vorjahr. Die Ziele für Reserven und Liquidität seien “comfortably met” worden.
Bitcoin kostete am Freitag um 12:05 Uhr MESZ 86.386 US-Dollar (76.782 Euro), 3,5 Prozent mehr als 24 Stunden zuvor. Quelle: CoinGecko
Anleger in Deutschland, Österreich und der Schweiz betrifft das nur mittelbar: El Salvador verkauft keine Bitcoin, der Staat fällt lediglich als Käufer aus. Wie das Netzwerk funktioniert, auf dem El Salvador seine Wette aufgebaut hat, erklärt unser Ratgeber Was ist Bitcoin?. Für Zahlungen setzt das Land inzwischen auch auf Stablecoins, etwa mit der Sivar-App für Überweisungen in Digital-Dollar.
Ob die Regierung von Präsident Nayib Bukele die Zusage hält, wird der IWF bei der nächsten Überprüfung des Programms an den staatlichen Wallets messen können.
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