Kunden von Bitvavo können seit Dienstag eine Web3-Wallet direkt in der App einrichten. Sie liegt neben dem Börsenkonto, gehorcht aber anderen Regeln: Den Schlüssel hält der Nutzer selbst, die Geschäfte laufen auf der Blockchain statt über die Börse, und rückgängig machen lässt sich dort nichts.
Die niederländische Börse hat die Funktion am 22. September in ihrem Newsbereich angekündigt. Wer sie nutzt, kommt nach Angaben des Unternehmens an mehr als 15.000 Kryptowährungen heran, darunter neue Projekte und Memecoins, die es auf der regulierten Handelsplattform nicht gibt.
Eingerichtet wird die Wallet im Profil der App: Zugangsdaten samt Zwei-Faktor-Bestätigung eingeben, dann Guthaben vom Bitvavo-Konto oder aus einer anderen Wallet übertragen. Eine zweite App braucht es nicht.
Sieben Netzwerke stehen zur Wahl
Tauschen lässt sich nach Unternehmensangaben über Ethereum, Solana, Base, Binance Smart Chain, Optimism, Robinhood Chain und Arc Mainnet. Die anfallenden Gebühren zeigt die App an, bevor der Nutzer eine Transaktion bestätigt.
Das ist der Punkt, an dem sich Handelsplätze derzeit unterscheiden: Wer nur die Börse betreibt, verliert Kunden an die On-Chain-Welt. Wer beides anbietet, hält sie in der eigenen App.
Zwei Konten in einer App, zwei verschiedene Haftungen
Der Unterschied ist kein Detail, sondern der Kern der Sache. Auf dem Börsenkonto verwahrt Bitvavo die Coins und verwaltet die dazugehörigen Schlüssel. Geht etwas schief, ist die Börse der Ansprechpartner.
In der Web3-Wallet liegt der private Schlüssel beim Nutzer. Bitvavo schreibt dazu selbst: “Das bedeutet auch, dass du bei der Nutzung der Web3-Wallet mehr Eigenverantwortung trägst. On-Chain-Transaktionen können in der Regel nicht rückgängig gemacht werden.” Eine falsche Adresse, ein bösartiger Vertrag, ein verlorener Schlüssel: Es gibt keine Stelle, die das zurückholt.
Wer den Unterschied zwischen Verwahrung durch den Anbieter und Selbstverwahrung grundsätzlich verstehen will, findet die Einordnung in unserem Wallet-Vergleich.
Was Anleger davon haben und was sie sich einhandeln
Der praktische Gewinn liegt im Zugang. Tausende Token sind auf keiner regulierten Börse handelbar, weil die Zulassung Aufwand kostet und Haftung erzeugt. Über eine selbstverwahrte Wallet entfällt diese Hürde, mitsamt dem Schutz, den sie bedeutet.
Für den Anbieter ist die Rechnung einfacher: Die Wallet steht außerhalb der Börse, das Listing-Risiko trägt der Kunde.
Dass eine Börse ihr eigenes Angebot laufend umbaut, zeigte Bitvavo im selben Monat von der anderen Seite: Anfang September kündigte das Unternehmen an, KAVA, XNO und RVN aus dem Handel zu nehmen. Was die Börse nicht mehr führt, bleibt über die Web3-Wallet erreichbar, allerdings ohne Auffangnetz.
Wie viele Kunden die Funktion bereits eingerichtet haben, teilt Bitvavo nicht mit.
Wer mehr über den Anbieter wissen will, findet die Einzelheiten in unserem Bitvavo-Test: Gebühren, Coin-Auswahl, Verwahrung und Regulierung im Überblick.


























