Bei der Kryptobörse Bitget sind am Donnerstagabend nach eigenen Angaben Kryptowerte über 351,6 Millionen US-Dollar unbefugt aus Hot Wallets abgeflossen. Auszahlungen sind seitdem ausgesetzt, Handel und Einzahlungen laufen weiter; den Verlust will Bitget aus einem Schutzfonds mit mehr als 464 Millionen US-Dollar decken.
Um 18:31 Uhr UTC, also 20:31 Uhr MESZ, schlugen nach der Sicherheitsmitteilung der Börse die eigenen Überwachungssysteme an. Sie meldeten Überweisungen aus einem Teil der Hot Wallets, die niemand freigegeben hatte. Nach Daten von Arkham Intelligence, auf die sich The Block stützt, gingen innerhalb von rund einer Stunde mehr als 170 Millionen US-Dollar an eine einzige, bis dahin unbekannte Adresse, unter anderem in Ether, USDT, USDC, AVAX und BNB. Noch am Abend setzte Bitget die Auszahlungen aus.
Die Cold Wallets, also die vom Netz getrennten Speicher, seien nicht betroffen, schreibt die Börse: Sie arbeite mit drei Stufen von Wallets, und der Angriff habe nur einen Teil der Hot- und Warm-Wallet-Schicht erreicht. Die Kontostände der Kunden seien korrekt, der Schaden falle vollständig unter den User Protection Fund.
Bitget-Chefin Gracy Chen schließt gestohlene Schlüssel aus
Am Freitag schilderte Vorstandschefin Gracy Chen den Hergang genauer. “The attacker compromised a critical backend system within our wallet infrastructure, used it to spoof transaction data, and triggered our authorization process to move funds out”, zitiert CoinDesk sie. Die Angreifer drangen demnach in ein internes System der Wallet-Verwaltung ein, fälschten dort Überweisungsdaten und ließen die Börse die Abflüsse selbst freigeben. Die privaten Schlüssel seien nicht in fremde Hände gelangt, weitere unbefugte Überweisungen nach ihren Worten nicht mehr möglich.
Wer hinter dem Angriff steht, ist nicht geklärt.
Chen sagte laut Cointelegraph, einige der verwendeten IP-Adressen passten zu VPN-Diensten, die eine nordkoreanische Gruppe nutze, und das Muster ähnle früheren Angriffen aus Nordkorea. Ein Teil der Mittel sei bereits zurückgeholt worden; eine Summe nannte sie nicht. Wie genau die Angreifer in das System gelangten, wird nach Angaben der Börse noch untersucht, ein vollständiger Bericht soll folgen.
Kunden von Bitget können handeln, aber vorerst nichts abziehen
Einen Termin für die Wiederaufnahme der Auszahlungen nennt Bitget nicht; sie sollen nach Abschluss der Sicherheitsprüfung wieder freigegeben werden. Bis dahin lassen sich Guthaben, auch nach dem Vorfall eingezahlte, auf der Plattform handeln, aber nicht auf eine eigene Wallet oder eine andere Börse übertragen.
Ob der Schutzfonds den Schaden tatsächlich vollständig auffängt, lässt sich von außen nicht prüfen. Bitget beziffert ihn auf mehr als 464 Millionen US-Dollar, rund 112 Millionen mehr als die betroffene Summe. Die Börse schreibt dazu: “We will not run from this. Every dollar and every decision will be accounted for, transparently and in full.” Übersetzt: Man werde sich nicht davonstehlen und über jeden Dollar und jede Entscheidung vollständig Rechenschaft ablegen.
Der Token der Börse, BGB, kostete am Freitagmorgen 1,97 US-Dollar, 2,7 Prozent weniger als 24 Stunden zuvor (Quelle: CoinGecko, Stand 25.09.2026, 07:34 Uhr MESZ). Wie die Börse aufgestellt ist, beschreibt unser Bitget-Test.
Erst vor wenigen Tagen hatte ein anderer Angriff Folgen für Anleger, als der Cosmos Hub nach einem Angriff auf Neutron stillstand.
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