Zwei Tage nach dem Angriff auf ihre Hot Wallets hat die Kryptobörse Bitget einen Zeitplan für die Wiederaufnahme der Auszahlungen veröffentlicht: Am Montag soll Bitcoin den Anfang machen, am 2. Oktober sollen die übrigen Token, Euro-Auszahlungen und der P2P-Handel folgen. Den Schaden beziffert die Börse inzwischen auf rund 387,5 Millionen US-Dollar statt 351,6 Millionen.
Nach der Mitteilung der Börse ist die Lücke gefunden und geschlossen. Die Techniker prüften die Auszahlungsinfrastruktur derzeit ein weiteres Mal, unterstützt von den Sicherheitsfirmen Mandiant und SlowMist. Die Pause sei eine Schutzmaßnahme und habe nichts mit der Verfügbarkeit der Kundenguthaben zu tun, schreibt Bitget.
Freigegeben wird nach Coin und Netzwerk, jeweils um 10:00 Uhr MESZ:
| Termin | Coin | Netzwerke |
|---|---|---|
| Montag, 28. September | Bitcoin (BTC) | Bitcoin |
| Dienstag, 29. September | Ether (ETH) | Ethereum, BSC, Arbitrum, Base, Optimism |
| Mittwoch, 30. September | Tether (USDT) | Ethereum, BSC, Solana, Tron |
| Freitag, 2. Oktober | alle übrigen Token, Fiat, P2P | alle übrigen |
Die Reihenfolge gilt nach Angaben der Börse für alle Kunden gleich. “The same approach applies consistently across users without preference”, heißt es in der Mitteilung, also ohne Vorrang für einzelne Nutzergruppen.
Bitget korrigiert den Schaden um knapp 36 Millionen Dollar nach oben
Die höhere Summe stammt aus einer zweiten Mitteilung vom Freitag. Nach vollständigerer Zählung seien Kryptowerte über rund 387,5 Millionen US-Dollar an Adressen der Angreifer geflossen, darunter bisher nicht erfasste Überweisungen in Zcash und TRON. Betroffen waren demnach XRP, Ether, USDT, ZEC, USDC, USDT0, XAUt, BNB, AVAX und TRX.
Berichtet hatten wir am Freitag, als Bitget die Auszahlungen stoppte. Chefin Gracy Chen hatte am selben Tag auf X erklärt, die Angreifer hätten ein internes System der Wallet-Verwaltung übernommen und die Börse die Abflüsse selbst freigeben lassen.
Einen Teil der Beute haben Partner der Börse eingefroren. Wie viel, sagt Bitget nicht. Wer mit eigenem Zutun dazu beiträgt, dass Mittel eingefroren oder zurückgeholt werden, soll fünf Prozent davon als Belohnung erhalten.
Kunden müssen vor der Freigabe nichts unternehmen
Handel und Einzahlungen liefen die ganze Zeit weiter, und die Kontostände seien unverändert, schreibt die Börse; den Schaden will sie aus ihrem User Protection Fund decken, den sie am Donnerstag mit mehr als 464 Millionen US-Dollar angab. Die korrigierte Summe entspricht damit gut 83 Prozent des Fonds; die Deckung selbst lässt sich von außen nicht prüfen, sie beruht auf den Angaben der Börse.
Für Kunden in Deutschland, Österreich und der Schweiz heißt das vor allem Geduld. Wer Bitcoin abziehen will, kann das nach dem Plan am Montag, wer Euro oder einen kleineren Token auszahlen möchte, erst am Freitag. Wie Bitget die Guthaben seiner Kunden belegt, zeigt der Blick auf den auf 19 Kryptowährungen ausgeweiteten Reservenachweis.
Am Montag um 09:30 Uhr MESZ, eine halbe Stunde vor der ersten Freigabe, will Gracy Chen in einer öffentlichen Fragerunde über den Vorfall sprechen.
Wer mehr über den Anbieter wissen will, findet die Einzelheiten in unserem Bitget-Test: Gebühren, Coin-Auswahl, Verwahrung und Regulierung im Überblick.


























