Die Börse prüft ihre Kundenbestände künftig für 19 statt für vier Kryptowährungen öffentlich nach. Angekündigt hatte Bitget den Schritt am 17. September, eine Woche vor dem Angriff auf die eigenen Hot Wallets. Seitdem steht die Frage, wie viel bei der Börse tatsächlich liegt, in einem anderen Licht.
Der Reservenachweis, im Englischen Proof of Reserves, ist der Versuch einer Börse zu belegen, dass sie die Guthaben ihrer Kunden wirklich hält. Bitget deckte damit bislang Bitcoin, Ether, Tether und USD Coin ab. Neu hinzu kommen unter anderem Litecoin, Chainlink, XRP, Dogecoin, BNB, Solana, Cardano, NEAR, Sui, Ondo und Hyperliquid.
Für Kunden ändert sich damit, welchen Teil ihres Depots sie selbst überprüfen können. Wer bisher einen Altcoin hielt, musste der Börse glauben.
Jeder Kunde kann seinen eigenen Bestand nachschlagen
Der Nachweis besteht aus zwei Teilen. Die Börse veröffentlicht je Kryptowährung, wie viel sie für Kunden verwahrt und welche Deckung sie dafür vorweist. Zusätzlich kann jeder Nutzer prüfen, ob sein eigener Bestand in der Momentaufnahme enthalten ist.
Technisch läuft das über einen Merkle-Baum: Jeder Kontostand wird verschlüsselt zu einem Gesamtwert verrechnet, und der Kunde kann seinen Anteil daran nachvollziehen, ohne dass andere Kunden sichtbar werden.
Was der Nachweis nicht zeigt, ist die andere Seite der Bilanz. Er belegt Bestände, keine Verbindlichkeiten außerhalb der Kundenguthaben.
Der Zeitpunkt macht die Ankündigung wichtiger, als sie gedacht war
Am 24. September flossen nach Angaben der Börse 351,6 Millionen Dollar unbefugt aus ihren Hot Wallets ab, die Auszahlungen wurden ausgesetzt. Unser Bericht dazu steht unter Bitget stoppt Auszahlungen.
Ein breiterer Reservenachweis ist in dieser Lage mehr wert als vorher: Er erlaubt Kunden, die Deckung nicht nur für Bitcoin zu prüfen, sondern auch für die kleineren Positionen, die bei einem Zwischenfall erfahrungsgemäß zuletzt bedient werden.
Er ersetzt aber keine Prüfung durch Dritte. Die Angaben stammen von der Börse selbst, der Nachweis ist eine Momentaufnahme, und was zwischen zwei Stichtagen geschieht, zeigt er nicht.
Wie viele Kunden die Prüfung tatsächlich nutzen, veröffentlicht Bitget nicht.
Wer mehr über den Anbieter wissen will, findet die Einzelheiten in unserem Bitget-Test: Gebühren, Coin-Auswahl, Verwahrung und Regulierung im Überblick.


























