Die europäische Finanzregulierung hat die Kryptowährungsbranche durch stringente Anti-Geldwäsche-Vorschriften grundlegend transformiert. Bitpanda, als eine der führenden europäischen Kryptowährungsplattformen mit vollständiger Regulierung durch die österreichische Finanzmarktaufsicht und MiCAR-Lizenzierung, implementiert umfassende Compliance-Maßnahmen zum Schutz des Finanzsystems. Der Mittelherkunftsnachweis, auch als Proof of Funds bezeichnet, stellt dabei ein zentrales Instrument zur Verhinderung von Geldwäsche und Terrorismusfinanzierung dar. Deutsche und österreichische Anleger müssen sich auf detaillierte Dokumentationspflichten einstellen, die weit über traditionelle Identitätsprüfungen hinausgehen und eine lückenlose Nachverfolgung aller Vermögenswerte erfordern. Diese regulatorischen Entwicklungen schaffen zwar Rechtssicherheit, stellen jedoch gleichzeitig hohe Anforderungen an die Nutzer bezüglich Datenschutz und Transparenz ihrer finanziellen Verhältnisse.
Rechtliche Grundlagen und regulatorische Verpflichtungen
Die Anforderung eines Mittelherkunftsnachweises durch Bitpanda basiert auf strengen europäischen und österreichischen Gesetzen. Für regulierte Unternehmen in der Europäischen Union gilt die EU-Geldwäscherichtlinie. Diese Richtlinie wird dann in den einzelnen EU-Mitgliedsstaaten in der lokalen Gesetzgebung umgesetzt.
Das österreichische Finanzmarkt-Geldwäschegesetz (FM-GwG) bildet die rechtliche Grundlage für Bitpandas Compliance-Maßnahmen. Mit Bescheid vom 09.04.2025 wurde der Bitpanda GmbH die Zulassung als Anbieter von Kryptowerte-Dienstleistungen gemäß Artikel 63 Verordnung (EU) 2023/1114 (MiCAR) erteilt.
Die 5. EU-Geldwäscherichtlinie (AML5) hat die Kryptowährungsbranche vollständig in das regulatorische Framework einbezogen: Neu ist, dass neben Kredit- und Finanzinstituten nunmehr als dritte Gruppe auch „Dienstleister in Bezug auf virtuelle Währungen” als Verpflichtete im Gesetz ausdrücklich genannt sind.
§ 6 Abs. 1 Nr. 4 FM-GwG verpflichtet Bitpanda zur „Einholung und Überprüfung von Informationen über die Herkunft der eingesetzten Mittel”. Diese Sorgfaltspflichten umfassen sowohl Fiat-Währungen als auch Kryptowährungen und können jederzeit aktiviert werden.
Die Schwellenwerte orientieren sich am europäischen Standard: So beträgt das Limit zu Einzahlungen, Transaktionen, Verschiebungen etc. laut § 5 FM-GwG (Österreich) 15.000 EUR. Dabei ist es egal ob es sich nur um eine Transaktion in Höhe von 15.000 EUR handelt oder mehrere Transaktionen deren Wert gemeinsam 15.000 EUR übersteigt.
Auslösende Faktoren und Risikokriterien
Bitpanda kann grundsätzlich jederzeit einen Nachweis über die Herkunft der eingesetzten Mittel verlangen. Diese umfassende Berechtigung ergibt sich aus den regulatorischen Anforderungen, die darauf abzielen, potenzielle Risiken im Zusammenhang mit Geldwäsche und Terrorismusfinanzierung frühzeitig zu erkennen.
AML5-Limits basieren im Allgemeinen auf zahlreichen kundenspezifischen Faktoren. Der Mittelherkunfts-Prozess wird ausgelöst, sobald deine Ein- oder Auszahlungen einen bestimmten Schwellenwert erreichen. Er kann aber auch intern ausgelöst werden, wenn dies aufgrund von Risiko- und/oder Sicherheitsaspekten notwendig erscheint.
Moderne Blockchain-Analyse-Software ermöglicht präzise Risikobewertungen: Kryptohandelsbörsen verwenden Blockchainanalyseprogramme, um betrügerische oder andere kriminelle Aktivitäten zu identifizieren. Wurden Ihre Kryptos in der Vergangenheit durch ein Mixing-Service oder Tumbler durchgeschickt, sollten Sie den Mittelherkunftsnachweis am besten bereits fertig in der Schublade haben.
Typische Auslösefaktoren für Mittelherkunftsanfragen
| Kategorie | Auslösefaktor | Risikobewertung | Dokumentationsanforderung |
|---|---|---|---|
| Transaktionsvolumen | Einzahlungen über 10.000€ | Hoch | Vollständiger Herkunftsnachweis |
| Verhaltensauffälligkeiten | Strukturierte Transaktionen | Sehr hoch | Detaillierte Aufklärung |
| Blockchain-Analyse | Mixing-Service-Kontakt | Sehr hoch | Lückenlose Nachverfolgung |
| Geografische Faktoren | Hochrisiko-Jurisdiktionen | Erhöht | Zusätzliche Nachweise |
| Asset-spezifisch | Privacy Coins | Erhöht | Erweiterte Dokumentation |
Akzeptierte Dokumentationsarten und Nachweisführung
Ein Dokument, das für einen Mittelherkunfts- bzw. Vermögensnachweis (POF) infrage kommt, gibt Auskunft über die Herkunft der finanziellen Mittel bzw. deines Vermögens, die/das du für Fiat- oder Krypto-Transaktionen verwendest. Die Dokumentationsanforderungen unterscheiden sich je nach Herkunftsart der Mittel.
Für Fiat-Währungen werden traditionelle Finanznachweise akzeptiert: Bankauszüge, Gehaltsabrechnungen, Investitionsnachweise, Kontoauszüge, Steuerbescheide und andere offizielle Unterlagen, die die legale Herkunft der Mittel bestätigen.
Kryptowährungsnachweise erfordern spezifische Blockchain-Dokumentation: Falls du die oben erwähnten Mittelherkunftsnachweise nicht erbringen kannst, weil zum Beispiel eine Exchange, auf der die Transaktionen stattfanden, den Betrieb eingestellt hat, kannst du uns unter anderem folgende Informationen zukommen lassen.
Dokumentationsmatrix nach Vermögensherkunft
| Herkunftsquelle | Primärdokumentation | Ergänzende Nachweise | Besondere Anforderungen |
|---|---|---|---|
| Arbeitsgehalt | Gehaltsabrechnungen (3-6 Monate) | Arbeitsvertrag, Steuerbescheinigungen | Kontinuierlicher Nachweis |
| Unternehmensgewinne | Steuererklärung, Bilanzen | Handelsregisterauszug | Wirtschaftsprüfer-Testat |
| Krypto-Trading | Exchange-Auszüge, Transaction-IDs | Blockchain-Explorer-Screenshots | Lückenlose Chain-of-Custody |
| Immobilienverkauf | Kaufvertrag, Grundbuchauszug | Maklerbestätigung, Bankbelege | Notarielle Beglaubigung |
| Erbschaft/Schenkung | Erbschein, Schenkungsvertrag | Sterbeurkunde, Testament | Rechtliche Validierung |
Alternative Nachweismöglichkeiten stehen für komplexe Fälle zur Verfügung: E-Mails (z.B. Bestätigungs-E-Mails von Käufen, Verkäufen und Trades), Transaktionsverläufe (als Screenshots oder Exports), Nachweise über Fiat-Einzahlungen (z.B. Kontoauszug).
Komplexe Nachweissituationen und Problemlösungsansätze
Besonders problematische Konstellationen entstehen bei der Dokumentation von Kryptowährungsinvestments mit komplexen Transaktionshistorien. Da es sehr komplex sein kann Investitionen in Kryptowährungen und Wertentwicklungen nachzuweisen, haben spezialisierte Dienstleister umfassende Checklisten entwickelt.
Erbschaften und Schenkungen stellen reguläre Herausforderungen dar: Zu besonders problematischen Konstellationen führt der Nachweis der Mittelherkunft der verschiedenen Vermögensklassen immer wieder im Bereich der Erbschaft und der Schenkung. Gerade Bitpanda tut sich oftmals schwer damit, eingereichte Erbscheine, Sterbeurkunden und Schenkungsverträge als Nachweise zu akzeptieren.
Die Blockchain-Forensik ermöglicht detaillierte Transaktionsverfolgung: Diese Tools werden von Krypto-Anbietern wie Bitpanda, aber auch von den Strafverfolgungsbehörden, vom Finanzamt, oder von Unternehmen wie uns, die Krypto-Daten für Mittelherkunftsnachweise, Steuerberechnungen und ähnliches aufbereiten, genutzt.
Häufige Problemszenarien und Lösungsstrategien
| Problemszenario | Herausforderung | Lösungsansatz | Erfolgswahrscheinlichkeit |
|---|---|---|---|
| Stillgelegte Exchange | Keine offiziellen Belege verfügbar | E-Mail-Korrespondenz, Screenshots | Mittel |
| Early-Mining-Aktivitäten | Keine systematische Dokumentation | Wallet-Adressen, Mining-Pool-Belege | Niedrig |
| DeFi-Protokoll-Erträge | Komplexe Smart-Contract-Interaktionen | Transaction-Hashes, Protocol-Dokumentation | Hoch |
| Private Krypto-Käufe | Keine offiziellen Handelsbelege | Vertragsunterlagen, Zahlungsbelege | Mittel |
| Airdrops/Forks | Unentgeltlicher Erwerb | Blockchain-Snapshots, Projekt-Dokumentation | Hoch |
Rechtliche Grenzen und Datenschutzimplikationen
Die extensive Datensammlung durch Kryptobörsen wirft fundamentale rechtsverfassungsrechtliche Fragen auf. Eine pauschale Überprüfung aller Kundinnen und Kunden widerspricht meiner Ansicht nach dem Sinn und Zweck der Geldwäschegesetzgebung. Denn eines der rechtsstaatlichen Prinzipien ist es, auf den Einzelfall zu schauen und keine pauschalisierte Rasterfahndung vorzunehmen.
Die österreichische Bundesverfassung gewährleistet in Art. 5 des Staatsgrundgesetzes das Eigentum. Alle Eingriffe in das Eigentum stehen unter dem Vorbehalt des Allgemeininteresses, der Gesetzmäßigkeit und der Verhältnismäßigkeit. Nach alledem ist bei Einzahlungen von EU-Bankkonten die Anforderung von Einkommenssteuererklärungen bzw. der Umfang der Überprüfung durch Bitpanda nicht mehr verhältnismäßig.
Vereinfachte Sorgfaltspflichten können unter bestimmten Umständen angewendet werden: § 8 FM-GwG führt aus, dass vereinfachte Sorgfaltspflichten gegenüber Kunden anwendet werden können, wenn ein Verpflichteter (Bitpanda) aufgrund seiner Risikoanalyse (§ 4) feststellt, dass in bestimmten Bereichen nur ein geringes Risiko der Geldwäscherei oder Terrorismusfinanzierung besteht.
Datenschutzrechtliche Löschungsansprüche sollten nach erfolgreicher Verifikation geltend gemacht werden: Es sollte daher angedacht werden, nach erfolgreicher Erbringung des Mittelherkunftsnachweises auch einen datenschutzrechtlichen Löschungsanspruch gegenüber Bitpanda durchzusetzen. Oder möchten Sie, dass Ihre Steuererklärung dort für ungewisse Zeit gespeichert wird?
Professionelle Unterstützung und Compliance-Services
Die Komplexität moderner Mittelherkunftsnachweise erfordert oft professionelle Unterstützung. Unser Team besteht aus spezialisierten Rechtsanwält:innen, Blockchainforensiker:innen und zertifizierten Geldwäschebeauftragten. Wir beschäftigen uns seit fast einem Jahrzehnt mit Kryptowährungen, kennen alle Investmentmethoden und haben Erfahrung in der Aufarbeitung von Krypto-Daten.
Steuerberatungstools können als Mittelherkunftsnachweis fungieren: Der Steuerbericht zeigt alle Bestände, realisierte Gewinne und Verluste und kann auch als Mittelherkunftsnachweis bei Banken oder Steuerberatern dienen. Er umfasst alle relevanten Transaktionen des Steuerjahres, einschließlich Zeitstempel, Asset, Betrag, Kosten und Gebühren.
Rechtsbeistand wird bei problematischen Fällen empfohlen: Falls Sie von Bitpanda aufgefordert worden sind, einen Mittelherkunftsnachweis (auch Herkunftsnachweis genannt) einzureichen, sollten Sie einen Rechtsanwalt einschalten. Aufgrund der Geldwäschegesetzgebung sind Börsen, auf denen Kryptowährungen wie Bitcoin getraded werden können, zwar durchaus angehalten, Mittelherkunftsnachweise einzufordern.
Professionelle Dienstleistungsoptionen
| Dienstleistungsart | Anwendungsbereich | Typische Kosten | Bearbeitungsdauer |
|---|---|---|---|
| Blockchain-Forensik | Komplexe Transaktionshistorien | 1.000€ – 5.000€ | 1-2 Wochen |
| Rechtsberatung | Kontosperrungen, Ablehnungen | 150€ – 400€/Stunde | Fallabhängig |
| Steuer-Compliance | Automated Reporting | 50€ – 200€/Jahr | Automatisiert |
| Dokumentations-Service | Vollständige Aufbereitung | 500€ – 2.000€ | 3-5 Tage |
Zukunftsperspektiven und regulatorische Entwicklungen
Die europäische Kryptoregulierung entwickelt sich kontinuierlich weiter. Mit der ab dem 30. Dezember 2024 für Krypto-Asset-Dienstleister geltenden „EU-Verordnung über die Übermittlung von Angaben und Transfers bestimmter Kryptowerte” werden die Anforderungen an den Mittelherkunftsnachweis noch weiter verschärft.
Die MiCAR-Verordnung etabliert einheitliche europäische Standards: Die Gesellschaft ist zur Erbringung nachstehender Kryptowerte-Dienstleistungen berechtigt: Verwahrung und Verwaltung von Kryptowerten für Kunden, Tausch von Kryptowerten gegen einen Geldbetrag, Tausch von Kryptowären gegen andere Kryptowerte.
Automatisierte Compliance-Systeme werden zunehmend implementiert: Bitpanda analysiert Transaktionsmuster und hebt verdächtige Aktivitäten hervor, die möglicherweise auf Geldwäsche oder andere illegale Tätigkeiten hindeuten. Auffällige Transaktionen werden an die Geldwäschemeldestelle (Geldwäschemeldestelle – BKA) weitergeleitet.
Die Travel Rule für Kryptowährungen tritt schrittweise in Kraft und erfordert umfassende Transaktionsdokumentation für alle grenzüberschreitenden Transfers ab bestimmten Schwellenwerten.
Strategische Handlungsempfehlungen für Bitpanda-Nutzer
Der Mittelherkunftsnachweis bei Bitpanda stellt eine unvermeidliche Realität des regulierten Kryptowährungshandels dar. Proaktive Vorbereitung durch systematische Dokumentation aller Transaktionen minimiert Verzögerungen und rechtliche Komplikationen erheblich.
Die Implementierung einer lückenlosen Dokumentationsstrategie sollte von Beginn der Kryptowährungsaktivitäten erfolgen. Alle Kaufbelege, Transaktions-IDs, Wallet-Adressen und Handelsaufzeichnungen müssen systematisch archiviert werden. Cloud-basierte Lösungen bieten dabei optimale Verfügbarkeit und Rechtssicherheit.
Bei komplexeren Vermögensstrukturen oder problematischen Nachweissituationen empfiehlt sich frühzeitige professionelle Beratung. Spezialisierte Kanzleien und Blockchain-Forensik-Unternehmen können kosteneffiziente Lösungen entwickeln und rechtliche Risiken minimieren.
Die Balance zwischen Compliance-Anforderungen und Datenschutzrechten erfordert informierte Entscheidungen. Nutzer sollten ihre Rechte kennen und gegebenenfalls Löschungsansprüche nach erfolgreicher Verifikation geltend machen.
Zukünftige regulatorische Entwicklungen werden weitere Verschärfungen bringen. Adaptionsfähige Dokumentationsstrategien und professionelle Compliance-Unterstützung werden zunehmend erfolgskritisch für institutionelle und private Kryptowährungsinvestoren in Europa.


























