Bitpanda hat seine Pläne für ein Listing an der Londoner Börse auf unbestimmte Zeit verschoben. Die österreichische Krypto-Exchange begründet den Schritt mit unzureichender erwarteter Liquidität im britischen Markt. Das Unternehmen, das einst als europäisches Krypto-Einhorn galt, kämpft mit drastisch gesunkenen Bewertungen und einem schwierigen Marktumfeld für Börsengänge.
Der Rückzieher von Bitpanda verdeutlicht die anhaltenden Herausforderungen für europäische Krypto-Unternehmen beim Sprung an die öffentlichen Märkte. Während Konkurrenten wie Coinbase erfolgreich den US-Kapitalmarkt eroberten, scheitern europäische Exchanges zunehmend an den strengeren Regulierungsanforderungen und geringeren Handelsvolumina in Europa. Die Entscheidung spiegelt sowohl die schwächelnde Performance des Unternehmens als auch strukturelle Probleme des europäischen Krypto-Marktes wider.
Warum Bitpanda IPO-Träume an mangelnder Liquidität scheitern
Die primäre Ursache für Bitpanda IPO-Absage liegt in den unzureichenden erwarteten Handelsvolumina an der Londoner Börse. Interne Analysen des Unternehmens zeigten, dass das tägliche Trading Volume der Aktien voraussichtlich unter den kritischen Schwellenwerten bleiben würde, die für eine erfolgreiche Börsennotierung erforderlich sind. Britische Börsen verlangen typischerweise ein Mindesthandelsvolumen von 100.000 bis 500.000 Pfund täglich für neu gelistete Werte.
Im Vergleich zu etablierten US-Märkten kämpfen europäische Börsenplätze mit deutlich geringerer Liquidität für Krypto-bezogene Aktien. Während Coinbase an der NASDAQ regelmäßig Tagesvolumina von über 500 Millionen Dollar verzeichnet, erreichen europäische Krypto-Unternehmen selten mehr als 50 Millionen Dollar. Die LSE Group hat zudem ihre Due-Diligence-Prozesse für Blockchain-Unternehmen verschärft, was zusätzliche Hürden für potenzielle Listings schafft.
Das Timing spielt ebenfalls eine entscheidende Rolle: Der Krypto-Winter 2022/2023 hat das Investoreninteresse an Exchange-Aktien erheblich gedämpft. Liquiditätsprobleme zeigen sich auch bei anderen europäischen Krypto-Firmen, die ihre IPO-Pläne ebenfalls verschoben oder komplett aufgegeben haben.
Wie sich Bitpandas Bewertung seit 2021 um 60% verringerte
Der Bewertungsrückgang von Bitpanda von 4,1 Milliarden Euro im August 2021 auf aktuell geschätzte 1,5 Milliarden Euro illustriert die dramatische Korrektur bei Krypto-Unicorns. Die Series-C-Finanzierungsrunde 2021 erfolgte auf dem Höhepunkt des Krypto-Bulls, als institutionelle Investoren wie Valar Ventures und DST Global aggressive Bewertungen akzeptierten.
Die aktuelle Bewertung basiert auf internen Dokumenten und Secondary-Market-Transaktionen, die einen drastischen Rückgang der Unternehmenswerte widerspiegeln. Zum Vergleich: Coinbase erreichte bei seinem IPO 2021 eine Marktkapitalisierung von 85 Milliarden Dollar, handelt heute aber nur noch bei etwa 45 Milliarden Dollar. Binance, obwohl nicht börsennotiert, wird privat auf 15 bis 20 Milliarden Dollar geschätzt.
Die Marktentwicklung hat besonders europäische Exchanges getroffen, da sie sowohl mit regulatorischem Druck als auch mit geringeren Handelsvolumina kämpfen. Bitpandas Revenue sank 2023 um geschätzte 40% gegenüber dem Vorjahr, während die Nutzerzahlen stagnierten. Private Equity-Investoren bewerten das Unternehmen nun konservativer basierend auf tatsächlichen Fundamentaldaten statt spekulativer Wachstumsprojektionen.
Diese Krypto-Börsen schaffen es trotzdem an die Börse
Während Bitpanda strauchelt, gelang anderen Krypto Börsen der erfolgreiche Sprung an öffentliche Märkte. Coinbase bleibt der Goldstandard mit seinem NASDAQ-Listing im April 2021, trotz volatiler Performance seit dem IPO. Das Unternehmen generierte 2024 einen Revenue von 3,1 Milliarden Dollar und zeigt stabile institutionelle Adoption.
Kraken bereitet aktiv seinen Börsengang für 2025 vor, mit einer erwarteten Bewertung zwischen 15 und 20 Milliarden Dollar. Die US-Exchange profitiert von der klareren regulatorischen Landschaft in Amerika und deutlich höheren Handelsvolumina. Robinhood, obwohl primär ein Broker, erwirtschaftet signifikante Krypto-Revenue und handelt erfolgreich an der NASDAQ seit 2021.
In Asien planen mehrere Exchanges IPOs: Bitget strebt ein Hongkong-Listing an, während OKX interne Diskussionen über verschiedene Börsenplätze führt. Der Schlüsselfaktor für erfolgreiche Listings bleibt die geografische Positionierung: US- und Asia-Pacific-Märkte bieten deutlich bessere Liquidität und Investoreninteresse für Krypto-Aktien als europäische Börsenplätze.
Was Bitpandas Rückzug für europäische Krypto-Regulierung bedeutet
Das gescheiterte UK-Listing unterstreicht die strukturellen Probleme der europäischen Krypto-Regulierung unter MiCA. Die Markets in Crypto-Assets Regulation, die 2024 vollständig in Kraft trat, schafft zwar Rechtssicherheit, erhöht aber gleichzeitig die Compliance-Kosten erheblich. Bitpanda investierte bereits über 50 Millionen Euro in regulatorische Anpassungen.
Europäische Krypto-Unternehmen sehen sich einem Dilemma gegenüber: Während MiCA langfristig Vorteile durch einheitliche Standards bietet, erschweren die hohen Implementierungskosten kurzfristig Börsengänge. Compliance-Teams bei großen Exchanges umfassen mittlerweile 200 bis 300 Mitarbeiter, verglichen mit 50 bis 100 vor MiCA-Einführung.
Die regulatorischen Hürden führen zu einer Marktkonzentration: Kleinere europäische Exchanges können die Compliance-Kosten nicht stemmen, während etablierte Player wie Bitpanda zwar überleben, aber Wachstumspläne anpassen müssen. US-Exchanges profitieren von diesem europäischen Regulierungs-Overhead und gewinnen Marktanteile in der EU durch aggressive Expansion.
Privatmarkt statt Börse – Bitpandas neuer Weg zum Wachstum
Nach dem Rückzug der Börsenpläne setzt Bitpanda auf alternative Finanzierungsstrategien im privaten Kapitalmarkt. Das Wiener Unternehmen konzentriert sich verstärkt auf Private Equity-Runden und strategische Partnerschaften mit institutionellen Investoren. Diese Neuausrichtung verspricht mehr Flexibilität bei der Geschäftsentwicklung ohne die strengen Transparenzpflichten öffentlicher Märkte.
Strategische Allianzen mit europäischen Banken und Fintech-Unternehmen stehen im Fokus der neuen Wachstumsstrategie. Bitpanda plant gezielte Kooperationen im Bereich Digital Asset Management und institutioneller Krypto-Services. Diese Partnerschaften ermöglichen den Zugang zu neuen Kundensegmenten ohne die Kapitalanforderungen eines Börsengangs.
Die Expansion in weitere EU-Märkte erfolgt nun durch private Finanzierungsrunden statt über öffentliche Kapitalmärkte. Insider berichten von geplanten Investitionsvolumina zwischen 100 und 200 Millionen Euro für das Jahr 2025. Diese Mittel sollen primär in Produktentwicklung und regulatorische Compliance fließen, um die Position als führende europäische Krypto-Plattform zu festigen.
Fazit – Bitpandas IPO-Aus als Wendepunkt der Krypto-Branche
Der gescheiterte Börsengang von Bitpanda markiert einen bedeutsamen Wendepunkt für die europäische Krypto-Industrie. Die Entscheidung spiegelt die veränderten Marktbedingungen und regulatorischen Herausforderungen wider, mit denen digitale Asset-Plattformen konfrontiert sind. Liquiditätsprobleme und strenge Compliance-Anforderungen erschweren den Weg an öffentliche Kapitalmärkte erheblich.
Die drastische Bewertungskorrektur von 4,1 auf 1,5 Milliarden Euro verdeutlicht die Realitätsprüfung im Krypto-Sektor nach dem Ende des Bullenmarkts. Andere Unternehmen der Branche dürften ähnliche Herausforderungen bei der Bewertungsfindung erleben. Diese Entwicklung zwingt Krypto-Firmen zu nachhaltigen Geschäftsmodellen jenseits spekulativer Markteuphorie.
Langfristig könnte Bitpandas Fokus auf private Finanzierung und strategische Partnerschaften jedoch Vorteile bringen. Die Flexibilität im Privatmarkt ermöglicht schnellere Anpassungen an regulatorische Veränderungen und Marktentwicklungen. Ob diese Strategie erfolgreich ist, wird maßgeblich die Zukunft europäischer Krypto-Unternehmen prägen und deren Weg zu nachhaltiger Profitabilität bestimmen.


























