Das Tagesgeld-Angebot von Scalable Capital ermöglicht Anlegern eine Verzinsung ihres nicht investierten Guthabens zu aktuell 2,0 Prozent per annum. Dabei handelt es sich jedoch nicht um ein klassisches Tagesgeldkonto, sondern um ein Zusatzangebot für Kunden des deutschen Neobrokers, das an die Eröffnung eines Wertpapierdepots gekoppelt ist. Die Besonderheit liegt darin, dass das Guthaben teilweise in Geldmarktfonds investiert wird, um die beworbene Verzinsung zu erreichen. Diese Konstruktion unterscheidet sich wesentlich von herkömmlichen Tagesgeldkonten traditioneller Banken und bringt sowohl Chancen als auch spezifische Risiken mit sich, die Anleger verstehen sollten.
Funktionsweise und Zinssätze bei Scalable Capital
Das Scalable Capital Tagesgeld funktioniert als Verzinsung des Guthabens auf dem Verrechnungskonto des Brokers. Aktuell erhalten Kunden 2,0 Prozent Zinsen per annum, wobei die Höhe des verzinsten Betrags vom gewählten Broker-Modell abhängt. Free Broker-Kunden profitieren von der Verzinsung bis zu einem Betrag von 50.000 Euro, während Prime+ Broker-Kunden bis zu 500.000 Euro verzinst bekommen.
Die Zinszahlung erfolgt quartalsweise, wodurch Anleger vom Zinseszinseffekt profitieren können. Diese häufigere Ausschüttung stellt einen Vorteil gegenüber vielen traditionellen Tagesgeldangeboten dar, die oft nur einmal jährlich ausschütten. Der Zinssatz ist variabel und kann jederzeit von Scalable Capital angepasst werden.
Das Prime+ Broker-Modell kostet 4,99 Euro monatlich und beinhaltet neben der höheren Verzinsung auch eine Trading-Flatrate für Orders ab 250 Euro. Für die alleinige Nutzung des Tagesgeld-Angebots rechnet sich das kostenpflichtige Modell erst ab einem Anlagebetrag von etwa 2.500 Euro, damit die erwirtschafteten Zinsen die monatlichen Gebühren übersteigen.
Geldmarktfonds als Hintergrundinvestment
Eine wesentliche Besonderheit des Scalable Capital Tagesgeldes ist die teilweise Anlage in Geldmarktfonds. Das Unternehmen behält sich das Recht vor, Kundengelder nicht nur bei Partnerbanken wie der Deutschen Bank zu verwahren, sondern auch in qualifizierte Geldmarktfonds von J.P. Morgan Asset Management, DWS und BlackRock zu investieren.
Diese Konstruktion ermöglicht es Scalable Capital, die beworbenen Zinssätze zu bieten, verändert jedoch die Risikostruktur im Vergleich zu klassischen Tagesgeldkonten. Während Bankguthaben bis 100.000 Euro durch die gesetzliche Einlagensicherung geschützt sind, gelten für Geldmarktfonds andere Sicherheitsmechanismen.
Die aktuelle Verteilung der Guthaben zwischen Bankkonten und Geldmarktfonds ist für Kunden über den Kontoauszug einsehbar und soll künftig auch direkt in der App angezeigt werden. Diese Transparenz ermöglicht es Anlegern, ihre Risikoexposition zu verstehen und entsprechende Entscheidungen zu treffen.
| Broker-Modell | Monatliche Kosten | Zinssatz p.a. | Maximaler verzinster Betrag | Zinszahlung |
|---|---|---|---|---|
| Free Broker | 0 Euro | 2,0% | 50.000 Euro | Quartalsweise |
| Prime+ Broker | 4,99 Euro | 2,0% | 500.000 Euro | Quartalsweise |
Sicherheitsaspekte und Risikobewertung
Die Sicherheit des Scalable Capital Tagesgeldes ist differenziert zu betrachten, da verschiedene Verwahrmechanismen zum Einsatz kommen. Für Gelder, die bei der Deutschen Bank als Partnerbank verwahrt werden, greift die gesetzliche Einlagensicherung bis 100.000 Euro pro Kunde. Zusätzlich besteht eine freiwillige Einlagensicherung über den Bundesverband deutscher Banken, die aktuell bis zu fünf Millionen Euro pro Einleger abdeckt.
Anders verhält es sich bei Geldmarktfonds, die als Sondervermögen gelten. Diese sind im Insolvenzfall der Fondsgesellschaft oder von Scalable Capital prinzipiell geschützt, unterliegen jedoch Marktrisiken. Geldmarktfonds investieren in kurzlaufende Anleihen und Geldmarktinstrumente, wodurch Kursschwankungen auftreten können.
Die Verbraucherzentrale Baden-Württemberg hat Scalable Capital wegen der Bewerbung der Zinssätze abgemahnt, da die Werbung als irreführend betrachtet wird. Kritisiert wird insbesondere, dass nicht eindeutig kommuniziert wird, welcher Teil des Guthabens tatsächlich als Einlage mit Einlagensicherung verwahrt wird und welcher Teil in Geldmarktfonds fließt.
Regulatorische Überwachung
Scalable Capital untersteht als Wertpapierinstitut der Aufsicht durch die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) und die Deutsche Bundesbank. Diese Regulierung bietet zusätzliche Sicherheit für Anleger, da strenge Compliance-Anforderungen erfüllt werden müssen.
Die verwendeten Geldmarktfonds werden von renommierten Asset Managern verwaltet und erfüllen die Anforderungen für qualifizierte Geldmarktfonds nach EU-Recht. Diese Fonds unterliegen eigenen Regulierungsvorschriften und Risikomanagementsystemen.
Dennoch bleibt das Asset-Manager-Risiko bestehen: Sollte ein Geldmarktfonds durch Fehlentscheidungen der Fondsmanager Verluste erleiden und Scalable Capital nicht für den entstandenen Schaden aufkommen, könnte dies Auswirkungen auf die Kundengelder haben.
Vergleich mit traditionellen Tagesgeldangeboten
Im direkten Vergleich mit klassischen Tagesgeldkonten bietet Scalable Capital durchaus attraktive Konditionen. Der Zinssatz von 2,0 Prozent liegt über vielen Angeboten traditioneller Banken, die oft zwischen 1,0 und 1,5 Prozent bieten. Besonders vorteilhaft ist die quartalsweise Zinszahlung, die einen besseren Zinseszinseffekt ermöglicht als jährliche Ausschüttungen.
Allerdings fehlen bei Scalable Capital typische Tagesgeld-Eigenschaften wie die uneingeschränkte Einlagensicherung für alle Beträge oder die Möglichkeit, das Konto unabhängig von anderen Produkten zu führen. Die Kopplung an ein Broker-Depot macht das Angebot primär für Anleger interessant, die ohnehin Wertpapiergeschäfte tätigen möchten.
Die Mindestanlage entfällt vollständig, was einen niedrigschwelligen Einstieg ermöglicht. Auch gibt es keine Kündigungsfristen oder Mindestvertragslaufzeiten, sodass die Flexibilität grundsätzlich gewährleistet ist. Allerdings sollten Anleger bedenken, dass bei einer Auflösung des Broker-Depots auch das Tagesgeld-Angebot entfällt.
Steuerliche Behandlung
Die Zinserträge unterliegen der deutschen Abgeltungssteuer von 25 Prozent plus Solidaritätszuschlag und gegebenenfalls Kirchensteuer. Scalable Capital führt diese automatisch ab, sofern kein ausreichender Freistellungsauftrag vorliegt. Der jährliche Sparerpauschbetrag beträgt für Ledige 1.000 Euro und für Verheiratete 2.000 Euro.
Anleger können über das Kundenkonto einen Freistellungsauftrag einrichten, der für alle Produkte bei Scalable Capital gilt. Dies schließt sowohl die Zinserträge des Tagesgeldes als auch eventuelle Dividenden und Kursgewinne aus Wertpapiergeschäften ein.
Fazit: Chancen und Grenzen der Renditemaximierung
Das Scalable Capital Tagesgeld bietet eine interessante Möglichkeit, nicht investiertes Kapital zu verzinsen, unterscheidet sich jedoch grundlegend von traditionellen Tagesgeldkonten. Die Kombination aus Bankguthaben und Geldmarktfonds ermöglicht attraktive Zinssätze, bringt aber auch zusätzliche Risiken mit sich.
Für Anleger, die bereits den Scalable Broker nutzen oder planen zu nutzen, stellt das Angebot eine sinnvolle Ergänzung dar. Besonders das kostenlose Free Broker-Modell mit Verzinsung bis 50.000 Euro kann für viele Sparer attraktiv sein. Das kostenpflichtige Prime+ Modell lohnt sich hauptsächlich für aktive Trader oder Anleger mit größeren Summen.
Kritisch zu bewerten ist die mangelnde Transparenz bezüglich der Guthaben-Aufteilung zwischen sicheren Bankeinlagen und Geldmarktfonds. Anleger sollten sich bewusst machen, dass ein Teil ihres Geldes Marktrisiken unterliegt, auch wenn diese bei qualifizierten Geldmarktfonds in der Regel gering sind.
Wer maximale Sicherheit für seinen Notgroschen oder Sicherheitsbaustein benötigt, sollte weiterhin klassische Tagesgeldkonten mit vollständiger Einlagensicherung bevorzugen. Für risikobewusste Anleger, die Flexibilität schätzen und gleichzeitig von attraktiven Zinsen profitieren möchten, kann das Scalable Capital Tagesgeld jedoch eine interessante Alternative darstellen.
Die regelmäßige Überwachung der Guthaben-Verteilung und ein Verständnis für die zugrundeliegenden Risiken sind dabei essentiell für eine fundierte Anlageentscheidung.



























