Ein US-Bundesgericht hat EminiFX offiziell als Ponzi-Schema eingestuft und Gründer Eddy Alexandre zu einer Rückzahlung von über 228 Millionen Dollar verurteilt. Zusätzlich muss Alexandre 15 Millionen Dollar an betroffene Investoren zurückerstatten. Das Urteil der Bundesrichterin Valerie Caproni beendet ein Zivilverfahren rund um einen der spektakulärsten Finanzbetrugs-Fälle im Krypto-Bereich der vergangenen Jahre.
Der zwischen 2021 und 2022 aktive Krypto-Investmentservice sammelte innerhalb von nur acht Monaten etwa 262 Millionen Dollar von rund 25.000 Investoren ein. Alexandre nutzte dabei gezielt Verbindungen zu Kirchengemeinden und der haitianischen Community, um Vertrauen aufzubauen und neue Teilnehmer zu rekrutieren. Das System brach im Mai 2022 zusammen, als regulatorische Behörden ihre Ermittlungen intensivierten und die wahre Natur der Plattform aufdeckten.
EminiFX Ponzi-Schema: 262 Millionen Dollar in 8 Monaten
Eddy Alexandre startete EminiFX im Jahr 2021 als angeblich revolutionäre Krypto-Investment-Plattform, die automatisierten Handel mit konstanten Renditen versprach. Das System warb mit einem sogenannten Robo-Advisor Assisted Account, der wöchentliche Gewinne zwischen 5 und 9,99 Prozent durch algorithmischen Handel in Kryptowährungs- und Devisenmärkten generieren sollte. Diese Versprechen erwiesen sich später als komplett erfunden.
Alexandre nutzte strategisch seine Verbindungen zu religiösen Gemeinden und der haitianischen Community, um potenzielle Investoren anzuwerben. Gemeindemitglieder fungierten als Multiplikatoren und warben aktiv für das System unter ihren Bekannten. Diese vertrauensbasierte Rekrutierungsstrategie ermöglichte es EminiFX, binnen kürzester Zeit ein enormes Volumen zu mobilisieren. Gerichtsunterlagen belegen, dass die versprochene Trading-Technologie niemals existierte und das gesamte System als klassisches Ponzi-Schema konzipiert war, bei dem neue Investorengelder zur Finanzierung von Auszahlungen an bestehende Teilnehmer verwendet wurden.
Bundesrichterin Valerie Caproni verhängt 228 Millionen Dollar Rückzahlung
Das US-Bezirksgericht für den Southern District of New York hat Alexandre zu einer der höchsten Rückzahlungsanordnungen in der Geschichte von Krypto-Betrugsfällen verurteilt. Bundesrichterin Valerie Caproni ordnete eine Schadenersatzzahlung von 228 Millionen Dollar sowie zusätzliche Rückerstattungen in Höhe von 15 Millionen Dollar an. Diese zivilrechtliche Entscheidung ergänzt die bereits im Strafverfahren verhängte Rückerstattungsorder von 213 Millionen Dollar.
Alexandre verbüßt bereits eine neunjährige Haftstrafe, die im Rahmen des parallelen Strafverfahrens verhängt wurde. Die Commodity Futures Trading Commission (CFTC) hatte ebenfalls Klage eingereicht und den Betrug dokumentiert. Ein vom Gericht bestellter Treuhänder arbeitet seit 2022 daran, EminiFX-Vermögenswerte aufzuspüren und für die Rückerstattung an geschädigte Investoren zu sichern. Die Behörden schätzen, dass Alexandre insgesamt etwa 250 Millionen Dollar von Anlegern gestohlen hat, wobei mindestens 15 Millionen Dollar für persönliche Ausgaben abgezweigt wurden.
So funktionierte das EminiFX-System: Neue Gelder für alte Versprechen
Gerichtsdokumente enthüllen die klassische Struktur eines Ponzi-Schemas hinter der technologischen Fassade von EminiFX. Alexandre betrieb keinerlei echten Handel mit den eingezahlten Geldern, sondern recycelte kontinuierlich neue Investorengelder zur Bezahlung bestehender Teilnehmer. Die versprochenen konstanten Renditen waren mathematisch unmöglich zu erreichen, wie nachträgliche Analysen der tatsächlichen Marktbedingungen beweisen.
Das System generierte laut Gerichtsunterlagen tatsächliche Handelsverluste von 49 Millionen Dollar, während gleichzeitig konstante Gewinne an Investoren ausgeschüttet wurden. Diese Diskrepanz wurde durch kontinuierliche Neuakquise finanziert. Alexandre verwendete die eingezahlten Gelder nicht nur zur Aufrechterhaltung des Schemas, sondern auch für persönliche Bereicherung in Millionenhöhe. Die behauptete automatisierte Trading-Technologie existierte zu keinem Zeitpunkt, was durch forensische Untersuchungen der IT-Infrastruktur eindeutig belegt wurde. Das System funktionierte ausschließlich über die manuelle Umschichtung von Geldern zwischen verschiedenen Konten.
Was EminiFX über moderne Crypto-Scams und Community-Manipulation verrät
Der EminiFX-Fall illustriert eine neue Generation von Finanzbetrug, die traditionelle Ponzi-Mechanismen mit dem Hype um Blockchain-Technologie kombiniert. Alexandre nutzte gezielt die Vertrauensstrukturen religiöser und ethnischer Gemeinschaften aus, um sein System zu skalieren. Diese Strategie erwies sich als hocheffektiv, da Empfehlungen aus dem sozialen Umfeld die Skepsis potenzieller Investoren reduzierten und die Due-Diligence-Prozesse verkürzten.
Die Geschwindigkeit, mit der EminiFX Gelder mobilisieren konnte, zeigt die Anfälligkeit von Community-basierten Investmentansätzen für systematischen Missbrauch. Der Fall reiht sich in eine Serie ähnlicher Crypto-Scams ein, die ethnische oder religiöse Netzwerke als Rekrutierungskanäle nutzen. Die anhaltenden Bemühungen zur Vermögensrückgewinnung durch den gerichtlich bestellten Treuhänder verdeutlichen sowohl die Komplexität der Aufarbeitung als auch die Entschlossenheit der Behörden, geschädigte Investoren zu entschädigen. EminiFX bleibt damit einer der prominentesten Krypto-Betrügereien der vergangenen drei Jahre und dient als Warnsignal für ähnlich strukturierte Systeme, die Technologie-Versprechen mit Community-Vertrauen kombinieren.


























