Die demokratische Minderheit im Untersuchungsausschuss des US-Senats wirft Tether vor, Iran und seinen Verbündeten einen Zahlungsweg an den Sanktionen vorbei offenzuhalten. Tether verweist am selben Tag auf rund 550 Millionen Dollar, die es in diesem Jahr auf iranischen Adressen eingefroren habe.
Der Bericht trägt den Titel “Tethered to Terrorism” und stammt von Senator Richard Blumenthal, dem ranghöchsten Demokraten im Permanent Subcommittee on Investigations, und seinen Mitarbeitern. Es ist also kein Beschluss des Ausschusses, sondern die Auswertung der Minderheit. Sie hat nach eigenen Angaben 846 Wallets untersucht, die das US-Finanzministerium oder die israelische Behörde gegen Terrorfinanzierung zwischen Juni 2021 und August 2026 mit Iran und seinen Verbündeten in Verbindung gebracht hat.
84 Prozent dieser Adressen haben laut dem Bericht ausschließlich oder fast ausschließlich USDT bewegt.
Blumenthals Mitarbeiter werfen Tether zu langsames Sperren vor
Die Vorwürfe reichen über die bloße Nutzung hinaus. Zwei sanktionierte Ölschmuggler sollen zwischen 2021 und 2025 mehr als 603 Millionen Dollar in USDT durch ein Netz geschleust haben, das bis zur Hisbollah und zu den Huthi reichte. In einem Fall flossen nach der Auswertung noch 34,6 Millionen Dollar über Adressen, nachdem die Behörden sie bereits benannt hatten.
Tether habe “repeatedly failed to block wallets associated with Iranian exchanges, suspicious brokers, and terrorist organizations”, heißt es im Bericht, habe also wiederholt versäumt, die Wallets iranischer Börsen, verdächtiger Vermittler und Terrororganisationen zu sperren. Eine Adresse der iranischen Zentralbank, die ein Geldwäscher Ende 2025 selbst auf X veröffentlicht hatte, sei bis heute nicht gesperrt. Tether habe den Eingang eines Fragebriefs vom Juni bestätigt, aber bis zur Veröffentlichung nicht geantwortet.
Daraus leiten die Verfasser Forderungen ab: Wer einen an den Dollar gebundenen Stablecoin mit engem Bezug zu den USA ausgibt, soll dem US-Sanktionsrecht unterliegen, und Justizministerium, SEC und die Sanktionsbehörde OFAC sollen Emittenten für wiederholte Versäumnisse zur Rechenschaft ziehen.
Tether rechnet mit 550 Millionen Dollar eingefrorener Guthaben dagegen
Tether nennt den Bericht in seiner Mitteilung vom Montag nicht beim Namen, hält aber Zahl gegen Zahl. Im April habe das Unternehmen auf Hinweis der OFAC mehr als 344 Millionen Dollar auf zwei Adressen eingefroren, einen Tag bevor die Behörde sie der iranischen Zentralbank zuordnete. Im Juli kamen mehr als 130 Millionen Dollar auf vier weiteren Adressen hinzu.
Konzernchef Paolo Ardoino sagte, USDT sei “not a haven for sanctioned actors, terrorist organizations or criminal networks”, also kein Zufluchtsort für Sanktionierte, Terrororganisationen oder kriminelle Netze. Öffentliche Blockchains machten Geldflüsse sichtbarer als Bargeld, fügte er hinzu.
Beide Seiten widersprechen sich weniger in den Zahlen als in der Deutung. Die 344 Millionen Dollar vom April tauchen auch im Bericht auf, dort als Beleg dafür, wie viel USDT die Zentralbank bis zur Sperre halten konnte. Unbeantwortet bleibt bei Tether die Frage nach den Adressen, die nach Darstellung der Verfasser trotz öffentlicher Hinweise bis heute nicht gesperrt sind.
USDT-Inhaber sehen, wie weit die Sperrbefugnis des Emittenten reicht
USDT ist mit einer Marktkapitalisierung von rund 183,8 Milliarden Dollar (Stand 28.09.2026, 17:21 Uhr MESZ) der mit Abstand größte Stablecoin; der Bericht beziffert seinen Anteil am Markt auf etwa 60 Prozent. Quelle: CoinGecko
Unmittelbare Folgen hat der Bericht nicht: Er ist weder Gesetz noch Anklage, und die Mehrheit im Ausschuss hat ihn nicht mitgetragen. Für Anleger im deutschsprachigen Raum bestätigt er aber, was beide Seiten übereinstimmend beschreiben: Tether kann Guthaben auf einzelnen Adressen sperren und tut das auf Hinweis von Behörden. Wer USDT als Parkplatz zwischen zwei Trades nutzt, hält damit eine Forderung gegen ein Unternehmen, das im Konfliktfall eingreifen kann, und keine neutrale Münze. Welche Rolle Tether, USDC und andere Stablecoins auf den Börsen spielen, hängt deshalb auch davon ab, wie ihre Emittenten mit solchen Anfragen umgehen.
Ob Justizministerium oder OFAC die Forderungen aufgreifen, ist offen; Blumenthal hat am Montag zusätzlich an Justizminister Blanche und Finanzminister Bessent geschrieben.
Wer einen Dollar-Stablecoin eines anderen Emittenten halten möchte, findet USDC unter anderem bei Bitpanda. Welche Börse welche Stablecoins führt, zeigt der Krypto-Börsen Vergleich.


























