Vier Tage nach dem Angriff auf ihre Hot Wallets hat die Kryptobörse Bitget am Montag um 10:00 Uhr MESZ die Bitcoin-Auszahlungen wieder freigegeben. Den Schaden von rund 387,5 Millionen Dollar deckt nach Angaben der Börse ihr Schutzfonds; Chefin Gracy Chen kündigte laut Berichten über ihre Fragerunde an, ihn binnen einer Woche wieder auf mindestens 300 Millionen Dollar aufzufüllen.
Die Freigabe bestätigte Bitget gegen 10:30 Uhr in einem Beitrag auf X. Auszahlungen über das Bitcoin-Netz liefen seit 08:00 Uhr UTC “as scheduled”, also wie im Zeitplan vom Samstag angekündigt. Die Lücke sei geschlossen, weitere unerlaubte Überweisungen seien seit der Eindämmung nicht festgestellt worden, und die Kontostände der Kunden seien unverändert.
Wie es weitergeht, steht in dem Stufenplan, über den wir am Samstag berichtet haben, als Bitget die Reihenfolge der Freigaben festlegte: am Dienstag Ether, am Mittwoch Tether, am Freitag alle übrigen Token, Euro-Auszahlungen und der P2P-Handel.
Neu ist, was Gracy Chen am Vormittag in einer gut anderthalbstündigen Fragerunde auf X sagte. Nach den übereinstimmenden Berichten von PANews und ChainCatcher nutzte der Angreifer eine Schwachstelle im Sicherheitsprodukt eines Drittanbieters, um an interne Zugangsdaten zu kommen. Damit habe er Auszahlungsbefehle an das Wallet-System gefälscht und die Risikoprüfung umgangen; private Schlüssel seien nicht abgeflossen, die Cold Wallets unberührt.
Einen technischen Bericht will die Börse nachreichen.
Der Schaden zehrt den Fonds zu mehr als vier Fünfteln auf
Der Schutzfonds besteht nach dem jüngsten Monatsbericht der Börse zum August aus 5.500 Bitcoin. Zum Kurs von 82.768 Dollar am Montagmittag sind das rund 455 Millionen Dollar; die gemeldete Schadenssumme entspricht bei diesem Kurs rund 4.680 Bitcoin, also etwa 85 Prozent des Fonds. Übrig blieben gut 800 Bitcoin, knapp 68 Millionen Dollar. Quelle: CoinGecko
Um den Fonds wieder auf 300 Millionen Dollar zu bringen, müsste Bitget ihm zum selben Kurs gut 3.600 Bitcoin zuführen. Die 300 Millionen sind keine neue Zahl: Mit dieser Zusage hatte die Börse den Fonds 2022 eingerichtet, und der Monatsbericht nennt sie als Untergrenze, über der der Fonds im August durchgehend lag.
Woher die Mittel kommen, hatte Chen schon am 25. September auf X angedeutet: Über den Fonds hinaus halte Bitget “over $1 billion in its own assets”, also mehr als eine Milliarde Dollar an eigenen Mitteln.
Kunden hängen an der Zusage einer einzigen Börse
Wer bei Bitget Bitcoin hält, kann ihn seit Montag wieder auf eine eigene Wallet ziehen; für Ether, Tether und alle anderen Werte gilt der Stufenplan weiter. Für Kunden in Deutschland, Österreich und der Schweiz ändert sich an diesem Ablauf nichts, der Plan gilt nach Angaben der Börse für alle Nutzer gleich.
Offen bleibt, wie belastbar der Schutz in der Woche bis zur Auffüllung ist. Ein Fonds aus Bitcoin verliert mit dem Kurs an Wert, und ob die Auffüllung pünktlich kommt, lässt sich nur an den öffentlich einsehbaren Adressen des Fonds nachprüfen. Wie die Börse ihre Bestände insgesamt belegt, zeigt der Blick auf den auf 19 Kryptowährungen ausgeweiteten Reservenachweis.
Die nächste Stufe steht am Dienstag um 10:00 Uhr MESZ an, dann soll Ether folgen.
Wie Bitget abseits des Vorfalls bei Gebühren, Coin-Auswahl und Verwahrung abschneidet, steht in unserem Bitget-Test.


























