Die Angreifer, die Bitget um 387,5 Millionen US-Dollar gebracht haben, versuchen ihre Beute über dezentrale Tauschdienste in Bitcoin umzuwandeln. NEAR Intents hat dabei nach eigenen Angaben Übertragungen über mehr als 50 Millionen US-Dollar abgewiesen, THORChain lehnte eine Sperre der Täteradressen ab.
Beide Dienste leben davon, dass Nutzer Coins zwischen verschiedenen Blockchains tauschen können, ohne ein Konto bei einer Börse zu eröffnen, und seit dem Wochenende zeigt sich, wie unterschiedlich sie mit gestohlenem Geld umgehen.
NEAR Intents hält verdächtige Aufträge an
In seinem Bericht vom Montag schildert Alex Shevchenko, Geschäftsführer von NEAR Intents, wie das hauseigene Prüfsystem SHIELD versuchte Übertragungen über mehr als 50 Millionen US-Dollar erkannte und abwies; 503.000 US-Dollar wurden mitten in der Ausführung eingefroren, rund 166.000 US-Dollar gingen durch. Die Zahlen stammen aus seiner eigenen Auswertung und sind nach seiner Angabe gerundet — einzelne Überweisungen könnten falsch zugeordnet sein, die Abweichung schätzt er auf höchstens zehn Prozent. Die eingefrorenen Mittel sollen über ein rechtliches Verfahren an Bitget zurückgehen, auf die von Bitget ausgelobten Prämien von zweimal fünf Prozent verzichtet der Dienst.
Shevchenko begründete das grundsätzlich: “Property rights are fundamental to functioning markets. A financial system where stealing an asset gives you an unrestricted right to monetize it isn’t a freer system. It is simply a system that protects the thief.” Ein System, das dem Dieb freie Verwertung erlaube, schütze am Ende nur den Dieb.
Parallel sperrten Circle und Tether nach Angaben von Cointelegraph eine Adresse der Täter mit USDC und USDT im Wert von 318.013 US-Dollar.
THORChain beruft sich auf seine Neutralität
Bitget-Chefin Gracy Chen hatte THORChain am Wochenende auf X aufgefordert, die veröffentlichten Adressen der Angreifer nicht mehr zu bedienen: “Decentralization is a design principle, not a shield for facilitating known stolen funds.” Das Projekt lehnte am Montag ab. Es könne im Notfall den Handel auf allen oder einzelnen angebundenen Blockchains anhalten, schrieb das Team, aber: “A halt is not a selective freeze of specific funds or an individual swap.”
Nach der Auswertung von CoinDesk tauschten die Täter am Montag zwischen 5:55 und 8:23 Uhr MESZ in 27 Aufträgen rund 2.390 Ether im Wert von etwa 6,3 Millionen US-Dollar über THORChain in 75,2 Bitcoin.
Der Streit dreht sich um ein einziges Wort.
Der Tech-Autor Vini Barbosa hielt NEAR Intents auf X entgegen: “unpopular opinion: permissionless does mean neutral.” NEAR-Mitgründer Illia Polosukhin widersprach nach Angaben von CoinDesk, erlaubnisfrei bedeute, dass niemand um Erlaubnis fragen müsse, um Vermögen zu halten oder Verträge zu starten; es verpflichte aber nicht jede Anwendung, jede Transaktion auszuführen.
Tauschdienste können Aufträge verzögern oder stoppen
Für Nutzer solcher Dienste zeigt der Fall, dass ein Tausch über eine vermeintlich neutrale Brücke nicht in jedem Fall durchläuft. Die Dokumentation von NEAR Intents beschreibt SHIELD als Prüfung, die Aufträge beim Eingang zulassen oder verzögern kann; im Bitget-Fall wurden Mittel sogar während der Ausführung festgehalten. Wie solche Plattformen grundsätzlich funktionieren, erklärt unser Überblick zu dezentralen Krypto-Börsen.
Bitget-Kunden betrifft der Streit nur mittelbar. Die Börse hatte angekündigt, nach den wieder freigegebenen Bitcoin-Auszahlungen am Dienstag Ether und am Mittwoch USDT folgen zu lassen und ihren Schutzfonds aufzufüllen.
Bitcoin und Ether lassen sich auch über einen Anbieter mit eigener Verwahrung kaufen, etwa bei Bitpanda. Einen Überblick über Gebühren und Sicherheitsmerkmale weiterer Handelsplätze gibt der Krypto-Börsen Vergleich.


























