Die britische Regierung hat am Donnerstag den Krypto-Zahlungsdienst Cryptomus samt dessen Nachfolgemarke Heleket und die kirgisische Börse TokenSpot auf ihre Russland-Sanktionsliste gesetzt. Vermögen im britischen Zugriff wird eingefroren, und App-Stores sowie Internetanbieter müssen Nutzer in Großbritannien von den Diensten fernhalten. London stützt das auf einen Verdacht, nicht auf ein Urteil.
Die drei Krypto-Namen gehören zu einem Paket von 38 neuen Einträgen in der UK Sanctions List. Außenminister Ed Miliband stellte es bei seinem ersten Besuch in der Ukraine als Paket mit “around 40 targets across Russia’s financial, oil and technology sectors” vor, also rund 40 Zielen im Finanz-, Öl- und Technologiesektor Russlands.
Cryptomus steht nicht unter eigenem Namen auf der Liste, sondern als Namensvariante der Betreibergesellschaft Xeltox Enterprises Ltd. mit Sitz in Vancouver. Der Eintrag RUS3755 begründet das so: Es gebe “reasonable grounds to suspect”, dass Xeltox die russische Regierung über den Finanzsektor unterstütze, “through its ownership of CRYPTOMUS and activities linked to and continued via HELEKET”. Heleket gilt damit nicht als unabhängiger Neuanfang, sondern als Fortsetzung desselben Geschäfts.
Die Sanktion reicht bis in den App-Store
Wie weit so ein Eintrag geht, zeigt die Liste der Maßnahmen. Neben dem Einfrieren von Vermögen und dem Verbot, für die Firmen Treuhanddienste zu leisten, greifen bei allen drei Krypto-Einträgen zwei Werkzeuge, die über eine Kontosperre hinausgehen.
Das erste trifft den Zahlungsverkehr: Britische Banken dürfen keine Korrespondenzbeziehung zu den Firmen unterhalten und keine Zahlungen an sie, von ihnen oder über sie abwickeln. Das zweite zielt auf die Sichtbarkeit im Netz. Soziale Netzwerke, Internetzugangsanbieter und App-Stores müssen “reasonable steps” unternehmen, damit Nutzer in Großbritannien die Inhalte, Seiten oder Apps nicht mehr erreichen.
Für einen Dienst, über den Händler Kryptozahlungen annehmen, ist das der empfindlichere Teil.
TokenSpot CJSC mit Sitz in Bischkek steht als RUS3758 auf der Liste, mit derselben Begründung über den russischen Finanzsektor. Laut dem Analysehaus TRM Labs, das Crypto Briefing zitiert, soll die Börse Überweisungen von mehr als 950 Millionen US-Dollar an Grinex, Garantex und das A7-Netzwerk ermöglicht haben; Cryptomus soll mehr als 204 Millionen Dollar von Garantex erhalten haben, bevor die russische Börse selbst unter Sanktionen fiel. Dasselbe Geflecht stand schon im Mittelpunkt, als die USA das A7-Netzwerk als kriminelle Organisation einstuften.
Mit Behörden hatte Cryptomus schon zuvor zu tun. Die kanadische Finanzaufsicht FINTRAC verhängte im Oktober 2025 gegen Xeltox eine Strafe von rund 177 Millionen kanadischen Dollar, unter anderem weil das Unternehmen in 1.068 Fällen keine Verdachtsmeldungen zu Zahlungen aus Darknet-Märkten und kriminellen Wallets abgegeben hatte.
Für Anleger und Händler in Deutschland, Österreich und der Schweiz gelten die britischen Maßnahmen nicht unmittelbar, sie binden britische Personen und Unternehmen. Wer Cryptomus als Zahlungsdienst im eigenen Onlineshop eingebunden hat, sollte trotzdem prüfen, ob seine Bank oder sein Zahlungspartner Verbindungen nach Großbritannien hat.
Während London die Zahlungswege schließt, baut Moskau eigene auf: Russland hat gerade die ersten Krypto-Wechselstellen und Verwahrer zugelassen.
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