Wer bei Bybit die Positionen anderer Händler automatisch nachbildet, kann das seit dem 23. September auch für dauerlaufende Aktienkontrakte tun. Damit wandert ein Werkzeug aus dem Kryptohandel in ein Feld, in dem Anleger die Risiken schlechter einschätzen können.
Beim Nachahmerhandel, meist Copy Trading genannt, wählt ein Nutzer einen anderen Händler aus und lässt dessen Geschäfte in seinem eigenen Konto nachvollziehen. Die Auswahl erfolgt in der Regel über eine Bestenliste mit Rendite, Laufzeit und Verlusthöhe.
Neu ist nicht das Verfahren, sondern der Gegenstand: Es geht jetzt auch um Kontrakte auf Aktien, genannt werden Tesla, Apple und Nvidia. Abgerechnet wird in USDT, ein Wertpapierdepot ist nicht nötig.
Wie Bybit das Angebot versteht, zeigt der Werbesatz am Ende der Mitteilung: Copy Trading auf diesen Kontrakten bringe “Wall Street to your wallet”, die Wall Street also in die Wallet. Der Weg dorthin führt allerdings nicht über eine Aktie, sondern über einen Kontrakt auf ihren Kurs.
Warum die Bestenliste ein schlechter Ratgeber ist
Eine Rangliste zeigt, wer in der Vergangenheit gewonnen hat. Bei genügend vielen Teilnehmern steht dort zuverlässig jemand mit sehr hoher Rendite, ohne dass daraus eine Fähigkeit spricht. Wer mit hohem Hebel arbeitet und Glück hat, erscheint oben; wer dasselbe tut und Pech hat, verschwindet aus der Liste.
Dazu kommt ein Anreizproblem. Wer Nachahmer gewinnt, verdient an deren Gebühren mit. Das belohnt auffällige Renditen, nicht ruhige.
Für den Nachahmer kommt ein praktischer Punkt hinzu: Er sieht die Position erst, wenn sie eröffnet ist, und trägt das Risiko vollständig selbst. Wer die Strategie nicht versteht, kann auch nicht beurteilen, wann er aussteigen sollte.
Was das mit der Aufsicht zu tun hat
In der EU gilt automatisches Nachbilden fremder Geschäfte als Portfolioverwaltung, sobald die Order ohne Zutun des Kunden weitergeleitet wird. Dann greifen Pflichten: Eignungsprüfung, Kostenausweis, Dokumentation. Die europäische Aufsichtsbehörde ESMA hat das im März 2023 in einer Aufsichtsmitteilung ausgeführt.
Bei einem Anbieter ohne Zulassung in der EU entfällt dieser Rahmen, und der Nutzer trägt das Risiko ohne die Schutzmechanismen, die er von einem hiesigen Broker gewohnt wäre.
Wie viele Nutzer den Nachahmerhandel verwenden, teilt Bybit nicht mit.
Wer lieber selbst entscheidet, welche Position er eingeht, braucht vor allem eine Börse mit verständlicher Oberfläche und nachvollziehbaren Kosten. Beides steht im Krypto-Börsen Vergleich.


























