Vermögenswirksame Leistungen bieten Arbeitnehmern eine attraktive Möglichkeit, mit dem Zuschuss des Arbeitgebers langfristig Vermögen aufzubauen. Bis zu 40 Euro monatlich können Beschäftigte zusätzlich zum Gehalt erhalten und in verschiedene Anlageformen investieren. Die Hoffnung vieler Scalable Capital Kunden, ihre VL direkt über den beliebten Neobroker anlegen zu können, erfüllt sich jedoch nicht: Scalable Capital bietet aktuell keine vermögenswirksamen Leistungen an. Dennoch müssen Anleger nicht auf das zusätzliche Geld vom Arbeitgeber verzichten. Alternative Anbieter ermöglichen es, VL-Sparen mit ETFs zu kombinieren und dabei von attraktiven Renditen und staatlicher Förderung zu profitieren.
Warum bietet Scalable Capital keine vermögenswirksamen Leistungen an?
Scalable Capital hat sich bewusst gegen das Angebot von vermögenswirksamen Leistungen entschieden. Diese Entscheidung ist in mehreren Faktoren begründet, die mit dem Geschäftsmodell des Neobrokers in Konflikt stehen.
Der administrative Aufwand für VL-Sparen ist erheblich. Anbieter müssen spezielle Kooperationen mit VL-Verwaltungsunternehmen eingehen und komplexe regulatorische Anforderungen erfüllen. Die Zahlungsabwicklung erfordert besondere Abstimmungen mit Finanzämtern, und die Verträge unterliegen einer mehrjährigen Sperrfrist, die zusätzliche Verwaltung bedeutet.
Diese Komplexität passt nicht zum kosteneffizienten Geschäftsmodell von Scalable Capital. Der Neobroker konzentriert sich darauf, ETF-Sparpläne und Wertpapierhandel zu besonders günstigen Konditionen anzubieten. Die Integration von VL-Produkten würde die Kostenstruktur erheblich belasten und möglicherweise die attraktiven Gebühren für alle anderen Produkte gefährden.
Selbst etablierte Großbanken wie die ING oder DKB bieten trotz ihrer umfangreichen Produktpalette kein VL-Sparen mit ETFs an. Dies verdeutlicht die Herausforderungen, die mit diesem Segment verbunden sind.
Was sind vermögenswirksame Leistungen?
Vermögenswirksame Leistungen sind freiwillige Zusatzleistungen des Arbeitgebers, die dem langfristigen Vermögensaufbau dienen. Arbeitnehmer können bis zu 40 Euro monatlich erhalten, die direkt in spezielle Sparverträge fließen.
Die Höhe der VL-Zahlungen variiert je nach Branche und Arbeitgeber zwischen 6,65 Euro und 40 Euro monatlich. Die genauen Beträge sind meist in Tarifverträgen, Arbeitsverträgen oder Betriebsvereinbarungen festgelegt. Zahlt der Arbeitgeber weniger als 40 Euro, können Arbeitnehmer die Differenz aus eigener Tasche aufstocken.
VL-Verträge haben eine besondere Struktur: Sechs Jahre lang werden Beiträge eingezahlt, gefolgt von einem Ruhejahr. Erst nach insgesamt sieben Jahren können Sparer über ihr Geld verfügen. Diese Sperrfrist ist Voraussetzung für staatliche Förderungen.
Berechtigte Personengruppen
Anspruch auf vermögenswirksame Leistungen haben verschiedene Gruppen:
– Angestellte und Arbeiter
– Auszubildende ab 16 Jahren
– Beamte und Angestellte im öffentlichen Dienst
– Richter und Soldaten
– Beschäftigte in Teilzeit (anteilig)
Alternative VL-Anbieter für ETF-Sparpläne
Obwohl Scalable Capital keine VL-Produkte anbietet, existieren spezialisierte Anbieter, die ETF-Sparpläne mit vermögenswirksamen Leistungen ermöglichen. Diese Alternativen bieten ähnliche Vorteile wie Scalable Capital, sind jedoch für VL-Sparen optimiert.
Finvesto: Der Marktführer
Finvesto gilt als führender Anbieter für VL-ETF-Sparpläne und bietet die größte Auswahl mit über 750 VL-fähigen ETFs. Das Unternehmen arbeitet als White-Label-Partner auch mit anderen Banken zusammen.
Bei Finvesto fallen jährlich 12 Euro VL-Entgelt sowie 0,2 Prozent Transaktionskosten an. Für einen 25-Euro-Sparplan über zehn Jahre entstehen Gesamtkosten von etwa 126 Euro. Das erste VL-Depot ist gebührenfrei, nach Vertragsende fallen 20 Euro jährliche Depotgebühren an.
OSKAR: Robo-Advisor für VL-Sparen
OSKAR bietet VL-Sparen als digitale Vermögensverwaltung an. Statt in einen einzelnen ETF wird automatisch in ein diversifiziertes Portfolio aus sechs ETFs investiert. Die Mindest-Sparrate beträgt 25 Euro monatlich.
Die Gebühren bei OSKAR liegen bei einem Prozent des Depotwerts jährlich, dafür entfallen Transaktionskosten. Ein besonderer Vorteil: Bei OSKAR entfällt die siebenjährige Sperrfrist, allerdings auch die staatliche Förderung.
Comdirect: VL für Bestandskunden
Die Comdirect bietet VL-ETF-Sparpläne ausschließlich für bestehende Kunden an. Das VL-Depot wird technisch über die FNZ Bank abgewickelt. Mit 697 verfügbaren ETFs ist die Auswahl groß, die Kostenstruktur ähnelt der von Finvesto.
| Anbieter | ETF-Auswahl | Jahresgebühr | Transaktionskosten | Besonderheit |
|---|---|---|---|---|
| Finvesto | 750+ | 12 € | 0,2% | Marktführer |
| OSKAR | 6 ETFs (automatisch) | 1% vom Depotwert | Entfällt | Keine Sperrfrist |
| Comdirect | 697 | 12 € | 0,2% | Nur für Bestandskunden |
Staatliche Förderung: Arbeitnehmersparzulage
Der Staat fördert VL-Sparen durch die Arbeitnehmersparzulage. Diese beträgt 20 Prozent der eingezahlten Beiträge, maximal 80 Euro jährlich bei der maximalen Sparrate von 40 Euro monatlich.
Die Förderung ist einkommensabhängig. Ledige erhalten die Zulage bei einem zu versteuernden Einkommen bis 40.000 Euro, Verheiratete bis 80.000 Euro. Diese Grenzwerte gelten für das gesamte zu versteuernde Einkommen, nicht nur für das VL-fähige Einkommen.
Wichtig: Nicht alle ETFs sind zulagenberechtigt. Nur ETFs mit mindestens 60 Prozent Aktienanteil qualifizieren sich für die staatliche Förderung. Diese sind in den Fondslisten entsprechend gekennzeichnet.
Die Arbeitnehmersparzulage wird nicht automatisch ausgezahlt, sondern muss über die Steuererklärung beantragt werden. Im Mantelbogen der Steuererklärung ist das entsprechende Feld anzukreuzen.
VL-Sparen mit ETFs: Vorteile und Risiken
ETF-Sparpläne bieten für vermögenswirksame Leistungen erhebliche Vorteile gegenüber traditionellen Sparformen wie Bausparverträgen oder Banksparplänen.
Vorteile von VL-ETF-Sparplänen
Die Renditeaussichten sind deutlich höher als bei konservativen Sparformen. Während Banksparpläne derzeit kaum Zinsen bieten, können ETFs langfristig mit durchschnittlichen Jahresrenditen von sechs bis acht Prozent rechnen.
Die Kosten sind im Vergleich zu aktiv verwalteten Fonds sehr niedrig. ETFs haben typischerweise Gesamtkostenquoten zwischen 0,1 und 0,5 Prozent jährlich. Diese niedrigen Kosten führen zu höheren Nettorenditen für Anleger.
VL-ETF-Sparpläne ermöglichen eine breite Diversifikation. Mit einem MSCI World ETF investieren Anleger automatisch in über 1.500 Unternehmen aus entwickelten Märkten weltweit.
Risiken und Nachteile
ETFs unterliegen Kursschwankungen. Im Gegensatz zu Banksparplänen ist das Endergebnis nicht planbar. Besonders kurz vor Vertragsende können Verluste auftreten, wenn die Märkte fallen.
Die siebenjährige Bindung schränkt die Flexibilität ein. Wer vorzeitig kündigt, verliert nicht nur die staatliche Förderung, sondern oft auch Teile des eingezahlten Kapitals durch ungünstige Verkaufszeitpunkte.
Nicht alle Lebenssituationen eignen sich für VL-ETF-Sparpläne. Wer konkrete Sparziele wie den Hausbau verfolgt, ist mit einem Bausparvertrag möglicherweise besser beraten.
Schritt-für-Schritt-Anleitung: VL-ETF-Sparplan einrichten
Die Einrichtung eines VL-ETF-Sparplans ist unkompliziert und dauert nur wenige Minuten online.
Schritt 1: Anspruch prüfen
Prüfen Sie zunächst Ihren Arbeitsvertrag, Tarifvertrag oder fragen Sie bei der Personalabteilung nach, ob und in welcher Höhe Ihnen vermögenswirksame Leistungen zustehen.
Schritt 2: Anbieter auswählen
Vergleichen Sie die verfügbaren Anbieter anhand der Kriterien ETF-Auswahl, Kosten und Service. Für die meisten Anleger ist Finvesto aufgrund der großen Auswahl und günstigen Kosten die beste Wahl.
Schritt 3: Depot eröffnen
Öffnen Sie die Website des gewählten Anbieters und beantragen Sie ein VL-Depot. Der Prozess erfolgt komplett online und umfasst eine Legitimationsprüfung per VideoIdent oder PostIdent.
Schritt 4: ETF auswählen
Wählen Sie einen geeigneten ETF aus der Liste der VL-fähigen Fonds. Für Einsteiger empfiehlt sich ein breit diversifizierter Welt-ETF wie der MSCI World oder FTSE All-World.
Schritt 5: Arbeitgeberbescheinigung einreichen
Nach der Depot-Eröffnung erhalten Sie automatisch eine Arbeitgeberbescheinigung mit allen notwendigen Überweisungsdaten. Geben Sie diese bei Ihrer Personalabteilung ab.
Alternative Strategien für Scalable Capital Kunden
Obwohl Scalable Capital selbst keine VL-Produkte anbietet, können Kunden verschiedene Strategien nutzen, um trotzdem von vermögenswirksamen Leistungen zu profitieren.
Die einfachste Lösung ist die Eröffnung eines separaten VL-Depots bei einem spezialisierten Anbieter. Dies erfordert zwar ein zusätzliches Depot, bietet aber Zugang zur staatlichen Förderung und den Arbeitgeberzuschüssen.
Alternativ können Anleger die VL-Zahlungen in traditionelle Sparformen wie Bausparverträge oder Banksparpläne fließen lassen und gleichzeitig bei Scalable Capital einen zusätzlichen ETF-Sparplan einrichten. Diese Strategie trennt die geförderten VL-Zahlungen von der flexiblen ETF-Anlage.
Für maximale Flexibilität können Anleger auch auf die VL-Förderung verzichten und den Arbeitgeber bitten, die VL-Zahlungen als regulären Gehaltsbestandteil auszuzahlen. Diese Lösung funktioniert allerdings nur, wenn der Arbeitgeber zustimmt und ist oft nicht umsetzbar.
Die beste Empfehlung für Scalable Capital Kunden bleibt die Kombination: VL-ETF-Sparplan bei einem spezialisierten Anbieter für die geförderten Leistungen und reguläre ETF-Sparpläne bei Scalable Capital für zusätzliche Sparraten. So profitieren Anleger von beiden Welten – der VL-Förderung und den günstigen Konditionen von Scalable Capital.
Das zusätzliche Geld vom Arbeitgeber sollte in keinem Fall ungenutzt bleiben. Auch wenn die Verwaltung über zwei Anbieter zunächst kompliziert erscheint, ist der Aufwand minimal und die finanziellen Vorteile erheblich. Bei maximaler Förderung und Arbeitgeberzuschuss können über die siebenjährige Laufzeit mehrere tausend Euro zusätzliches Vermögen entstehen.



























