Ein 23-Jähriger aus Brooklyn hat sich bei rund 100 Kunden von Coinbase als Mitarbeiter der Börse ausgegeben und sie dazu gebracht, Kryptowährungen im Wert von knapp 16 Millionen Dollar auf seine Wallets zu überweisen. Ein New Yorker Gericht verurteilte ihn am Mittwoch zu vier bis zwölf Jahren Haft.
Die Masche begann jedes Mal mit einer Warnung. Der angebliche Coinbase-Mitarbeiter erklärte seinen Opfern, ein Hacker habe es auf ihr Guthaben abgesehen, und überzeugte sie, es in eine neue Wallet zu bringen. Die Wallet gehörte ihm.
So beschreibt die Bezirksstaatsanwaltschaft Brooklyn den Fall von Ronald Spektor aus dem Stadtteil Sheepshead Bay. Nach ihren Angaben erbeutete er 15.944.000 Dollar von rund 100 Kunden in den USA. Richter Danny Chun am Brooklyn Supreme Court, in New York ein Gericht der ersten Instanz, verhängte am 23. September eine Haftstrafe von vier bis zwölf Jahren; die Anklage hatte sieben bis 21 Jahre gefordert. Spektor hatte sich am 2. September in allen 31 Anklagepunkten schuldig bekannt, darunter Geldwäsche und schwerer Diebstahl.
Im Schnitt verlor jedes Opfer rund 160.000 Dollar.
Ermittler verfolgten die Coins über Börsen und Glücksspielseiten
Nach Angaben der Staatsanwaltschaft tauschte Spektor die Beute mehrfach über verschiedene Kryptobörsen und Mixing-Dienste, bis sie an sogenannten Auszahlungsstellen zusammenlief. Von dort floss das Geld auf Glücksspielseiten, wurde in Bargeld getauscht oder für Gutscheinkarten und digitale Käufe ausgegeben.
Die Einheit für virtuelle Währungen der Behörde ermittelte ein Jahr lang, mit Blockchain-Analysen, digitaler Forensik und mehreren Durchsuchungen. Auf Spektor aufmerksam gemacht hatte nach Angaben des Magazins Decrypt bereits im November 2024 der Blockchain-Ermittler ZachXBT. Auf Telegram trat Spektor laut Staatsanwaltschaft unter dem Namen “@lolimfeelingevil” auf.
Bezirksstaatsanwalt Eric Gonzalez sagte zum Urteil: “This case should put crypto scammers on notice: we will follow the digital trail wherever it leads and aggressively pursue those responsible.” Betrüger sollten sich gewarnt fühlen, die Ermittler folgten der digitalen Spur, wohin sie auch führe.
Die Opfer erhalten einen Anspruch, gedeckt ist davon bisher wenig
Das Gericht ordnete eine Wiedergutmachung von knapp 16 Millionen Dollar an. Beschlagnahmt sind Bargeld, Kryptowährungen und persönliche Gegenstände im geschätzten Wert von gut einer halben Million Dollar, das sind rund drei Prozent der Beute. Wie viel die Geschädigten tatsächlich zurückbekommen, hängt davon ab, was sich noch findet.
Die Mitteilung der Staatsanwaltschaft enthält einen Hinweis an Kunden: “Coinbase and most other companies will never call customers or ask to transfer crypto to a ‘safe wallet'”. Coinbase und die meisten anderen Unternehmen rufen Kunden demnach nie an und verlangen auch nicht, Kryptowährungen in eine “sichere Wallet” zu überweisen.
Das Muster aus angeblichem Notfall und rettender Überweisung beschreibt auch unser Ratgeber zur Coinbase-Betrugsmasche. Eine Wallet-Adresse, die ein Anrufer durchgibt, verrät nicht, wer über den Schlüssel verfügt. Wie Coinbase Konten absichert, beschreibt unser Beitrag Ist Coinbase sicher?
Wie viele der Geschädigten ihren Anspruch bereits angemeldet haben, teilte die Staatsanwaltschaft nicht mit.
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