Die Firma hinter dem Restaking-Protokoll KelpDAO hat in Kanada Klage gegen LayerZero und dessen Mitgründer Bryan Pellegrino eingereicht. Sie wirft dem Bridge-Anbieter vor, ihr die unsichere Konfiguration empfohlen zu haben, über die im April 116.500 rsETH abflossen; bewiesen ist davon nichts, Pellegrino weist die Vorwürfe zurück.
Eingereicht hat die Klage Evercrest Technologies, das Unternehmen, das KelpDAO betreibt, nach Angaben von The Block am Freitag beim Supreme Court of British Columbia. Beklagt sind LayerZero Labs, eine kanadische Tochter und Pellegrino persönlich. Evercrest verlangt Schadensersatz wegen fahrlässiger Falschauskunft, Fahrlässigkeit und Verleumdung; eine Summe nennt die Klageschrift nicht, die erlittenen Schäden beziffert sie nur allgemein auf einen zweistelligen Millionenbetrag in US-Dollar.
Die 292 Millionen US-Dollar aus den Schlagzeilen sind also nicht die Klagesumme, sondern der Schaden des Angriffs selbst. Am 18. April 2026 gegen 17:35 Uhr UTC gab die Brücke zwischen Unichain und Ethereum 116.500 rsETH frei, für die keine Einlage existierte, damals rund 292 Millionen US-Dollar wert. rsETH ist der Token, den KelpDAO-Nutzer für eingezahlte und gestakte Ether erhalten.
KelpDAO sagt, LayerZero habe den einzelnen Prüfer selbst empfohlen
Der Streit dreht sich um einen Prüfer. Bevor eine Brücke von LayerZero auf einer Kette Token freigibt, bestätigen sogenannte DVNs, dass auf der anderen Kette tatsächlich etwas eingezahlt wurde. Die Unichain-Brücke von KelpDAO verließ sich auf ein einziges DVN, das von LayerZero selbst, im Fachjargon eine 1-of-1-Konfiguration.
So schildert die Klageschrift den Angriff: Am 6. März habe ein Angreifer per Social Engineering, also durch gezielte Täuschung, Schadsoftware auf den Rechner eines LayerZero-Entwicklers gebracht. Ab dem 30. März habe er darüber die Knoten manipuliert, von denen das LayerZero-DVN seine Daten bezog. Am 18. April habe er die Knoten fremder Anbieter mit einem Überlastungsangriff lahmgelegt, sodass das DVN nur noch den gefälschten Daten folgte und die Freigabe erteilte.
Die Konfiguration habe LayerZero empfohlen, schreibt Evercrest. Am 2. Februar 2024 habe LayerZero schriftlich bestätigt, es gebe “no problem” mit den Standardeinstellungen, am 21. März 2024 habe es die 1-of-1-Konfiguration nahegelegt. Einen anderen Entwickler, USDT0, habe LayerZero dagegen vor dem Risiko gewarnt.
KelpDAO erklärte laut Cointelegraph: “We also need to correct the record, and hold LayerZero and Mr. Pellegrino accountable for the harm they have caused us and the broader DeFi ecosystem.” Auf Deutsch: Man müsse die Darstellung richtigstellen und LayerZero sowie Pellegrino für den Schaden zur Rechenschaft ziehen.
LayerZero hält die Klage für unbegründet
LayerZero sieht es umgekehrt. Am Tag nach dem Angriff schrieb das Unternehmen, die 1-of-1-Konfiguration widerspreche dem Modell mit mehreren Prüfern, das LayerZero allen Partnern “consistently recommended” habe, also stets empfohlen. Diese Aussage zitiert die Klageschrift selbst und nennt sie falsch.
Pellegrino sagte CoinDesk zur Klage: “The claim continues to be meritless. I will meet them in Vancouver and defend myself accordingly.” Er halte sie also weiterhin für haltlos und werde sich in Vancouver verteidigen.
Ganz ohne Eingeständnis blieb LayerZero allerdings nicht. Nach der Klageschrift räumte das Unternehmen später ein, es sei ein Fehler gewesen, sein DVN bei hohen Beträgen als einzigen Prüfer arbeiten zu lassen, und schreibt inzwischen standardmäßig drei Prüfer vor.
Was davon stimmt, entscheidet jetzt ein Gericht.
KelpDAO hat rsETH nach eigenen Angaben wieder gedeckt, Nutzer ziehen trotzdem Geld ab
Unmittelbar ändert die Klage für Anleger wenig. Die Deckung von rsETH hat Evercrest nach eigenen Angaben schon nach dem Angriff wiederhergestellt, unter anderem mit 2.000 Ether aus eigener Tasche. Seitdem haben Nutzer laut Klageschrift mehr als 650 Millionen US-Dollar aus KelpDAO abgezogen. rsETH kommt nach CoinGecko noch auf eine Marktkapitalisierung von rund 1,15 Milliarden US-Dollar, der LayerZero-Token ZRO kostete am Freitagmittag 1,51 US-Dollar, 2,1 Prozent mehr als am Vortag (Quelle: CoinGecko, Stand 25.09.2026, 12:38 Uhr MESZ). Eine Reaktion auf die Klage ist daran nicht abzulesen.
Wer Restaking-Token wie rsETH auf anderen Ketten hält, trägt das Risiko der Brücke mit, die sie dorthin bringt.
Der Fall zeigt, wie viel davon an einer Einstellung hängt, die Nutzer von außen kaum sehen: wie viele unabhängige Prüfer eine Überweisung bestätigen müssen. KelpDAO will seine Brücken laut Cointelegraph auf das Protokoll CCIP von Chainlink umstellen. Wie schnell eine einzige Schwachstelle eine Brücke leeren kann, zeigte auch der Angriff auf die Symbiosis-Bridge; die Grundlagen zu Ether und Staking erklärt unser Ratgeber Was ist Ethereum.
Einen Verhandlungstermin nennen weder die Klageschrift noch die Berichte vom Freitag.
Ether lässt sich unter anderem bei Bitpanda handeln. Weitere Handelsplätze stehen im Krypto-Börsen Vergleich.


























