Die meisten Mitglieder der US-Notenbank halten eine weitere Zinserhöhung bis zum Jahresende für wahrscheinlich. Das geht aus dem Protokoll der Sitzung vom 15. und 16. September hervor, das die Fed am Mittwochabend veröffentlicht hat. Beschlossen ist damit nichts: Die Teilnehmer betonten, jede Sitzung offen anzugehen, und den schwachen Arbeitsmarktbericht vom 2. Oktober kannten sie noch nicht.
Im September hatte der Offenmarktausschuss FOMC den Leitzins einstimmig um 0,25 Prozentpunkte auf eine Spanne von 3,75 bis 4 Prozent angehoben. Das Protokoll der Sitzung zeigt nun, wie es aus Sicht der Notenbanker weitergehen soll. Dort heißt es: “most participants assessed that another increase in the target range for the federal funds rate would likely be appropriate by year end”. Die meisten hielten also einen weiteren Schritt bis zum Jahresende für wahrscheinlich angemessen.
Die Fed will sich gegen hartnäckige Inflation absichern
Die Begründung liest sich wie eine Versicherungspolice. Viele Teilnehmer hielten einen höheren Zinspfad aus Gründen des Risikomanagements für umsichtig, als Schutz gegen eine Inflation, die wegen starker Nachfrage oder neuer Angebotsschocks dauerhaft über dem Ziel bleibt. Eine Reihe von ihnen sah höhere Zinsen schon im eigenen Basisszenario als nötig an.
Mehrere Teilnehmer hielten den Leitzins selbst nach der Erhöhung für nicht oder nur leicht bremsend.
Den Hintergrund liefern die Zahlen der Fed-Volkswirte. Die PCE-Inflation, das bevorzugte Preismaß der Notenbank, schätzten sie für August auf 3,8 Prozent, die Kernrate ohne Energie und viele Lebensmittel auf 3,4 Prozent. Als Treiber nennt das Protokoll frühere Zollerhöhungen, die Energiepreise nach den Spannungen im Nahen Osten und teurere Technikgüter durch den Ausbau der KI-Rechenzentren. Die Marke von 2 Prozent erreicht die Inflation nach der Prognose der Volkswirte erst 2029.
Ein paar Teilnehmer haben zudem ihre Schätzung des neutralen Zinses angehoben, also jenes Niveaus, das die Wirtschaft weder bremst noch antreibt. Im Beschluss selbst stand der knappe Satz “The Committee will deliver price stability”, der Ausschuss werde für stabile Preise sorgen.
Der Prognosemarkt setzt auf Dezember statt Oktober
Mit den Projektionen vom September passt das zusammen. In der Punktwolke der Fed sahen 16 der 18 Teilnehmer den Leitzins Ende 2026 höher als heute, vier davon um zwei Schritte; der Median liegt bei 4,1 Prozent.
Seit der Sitzung hat sich die Lage allerdings verschoben. Am 2. Oktober meldete das US-Arbeitsministerium nur 29.000 neue Stellen, und die Wetten auf eine Zinserhöhung schon im Oktober brachen ein. Am Prognosemarkt Kalshi kostete der Kontrakt auf eine Erhöhung bei der Sitzung am 28. Oktober am Mittwochabend 17 Cent, was rund 17 Prozent Wahrscheinlichkeit entspricht, für die Sitzung am 9. Dezember dagegen 72 Cent.
Bitcoin reagiert kaum auf das Protokoll
Zur Veröffentlichung um 20:00 Uhr MESZ kostete ein Bitcoin 83.134 Dollar, eine halbe Stunde später 83.300 Dollar oder 74.409 Euro. Das Minus von 2,7 Prozent auf 24 Stunden war schon vorher entstanden, als Bitcoin in der Nacht unter 84.000 Dollar rutschte. Quelle: CoinGecko
Zu Kryptowährungen und Stablecoins enthält das Protokoll kein Wort. Für Anleger im Euroraum hält es dafür eine Randnotiz bereit: Seit der Juli-Sitzung der Fed hatte auch die Europäische Zentralbank ihren Leitzins angehoben, und der Dollar gab gegenüber den Währungen großer Volkswirtschaften nach.
Die nächste Zinsentscheidung verkündet die Fed am 28. Oktober um 19:00 Uhr deutscher Zeit.
Wer Bitcoin lieber im Wertpapierdepot hält als in einer eigenen Wallet, findet börsengehandelte Bitcoin-ETPs unter anderem bei Scalable Capital. Welche Plattformen den Coin direkt anbieten und was sie dafür verlangen, steht in unserem Krypto-Börsen Vergleich.


























