Die US-Terminmarktaufsicht CFTC hat am Montag umrissen, wie sie Kryptokäufe von Privatkunden auf Kredit, mit Margin oder mit Hebel künftig regeln will. Verbindlich ist davon noch nichts: Es ist eine Vorankündigung mit Fragen an die Branche, die 60 Tage lang kommentiert werden kann, bevor ein eigentlicher Regelentwurf folgt.
Das 108 Seiten lange Papier trägt den Titel “Regulation Crypto Asset Transactions and Regulation Crypto Asset Markets”, kurz CTX und CAM. Die Behörde nennt es eine Advanced Notice of Proposed Rulemaking, also eine Stufe vor dem formellen Entwurf. Die Kommentarfrist beginnt erst, wenn der Text im Federal Register erscheint; ein Datum dafür nennt die Mitteilung der CFTC nicht.
Beschlossen hat das Papier faktisch ein einziger Mann.
Nach Angaben von CoinDesk ist Michael Selig seit fast einem Jahr der einzige Kommissar der eigentlich fünfköpfigen Behörde. In der Mitteilung sagt er: “Today’s action is a critical step in the CFTC’s ongoing efforts to ensure America remains the crypto capital of the world.” Sinngemäß: Der Schritt soll sichern, dass die USA die Krypto-Hauptstadt der Welt bleiben. Nach seinen Worten sollen die Regeln Betrug wie bei FTX verhindern, statt ihn erst hinterher zu verfolgen.
Ein Gesetz von 2010 liefert den Hebel für die Aufsicht
Die Grundlage ist ein Abschnitt des Commodity Exchange Act, den der Dodd-Frank Act 2010 eingefügt hat. Bietet ein Händler Privatkunden ein Geschäft in einem Rohstoff auf Kredit, mit Margin oder mit Hebel an, muss es an einer zugelassenen Terminbörse laufen, als wäre es ein Future. Ausgenommen ist nur, was binnen 28 Tagen tatsächlich geliefert wird.
Wie weit das reicht, hängt an zwei Begriffen, die die CFTC jetzt auslegen will.
Erstens das Angebot: Nach ihrer vorläufigen Sicht genügt es, wenn Kredit oder Margin in den Kontounterlagen oder den Nutzungsbedingungen einer Börse vorkommt. Dann fallen alle Geschäfte auf dieser Plattform unter die Regel, auch voll bezahlte Käufe, solange die Coins nur als Buchung in den internen Büchern der Börse stehen.
Zweitens die Lieferung. Dafür kann es laut dem Papier nötig sein, dass der Kunde die privaten Schlüssel zu der Wallet erhält, auf der seine Coins liegen. Bei Coins mit Staking oder Stimmrechten soll er diese Rechte zudem ohne Gebühren eines Zwischenhändlers nutzen können.
Kryptobörsen sollen eine eigene Zulassung bekommen
Regulation CAM beschreibt den Weg, wie Börsen solche Geschäfte legal anbieten könnten. Vorgesehen ist eine Unterform der Terminbörsen-Zulassung für Plattformen, die nur Kryptowerte listen, mit eigens zugeschnittenen Grundsätzen. Jedes Kundengeschäft soll über einen registrierten Terminhändler laufen, einen Futures Commission Merchant mit Pflichten zur Trennung von Kundengeldern. Kredit dürften nur solche Händler oder von ihnen eingebundene Banken geben.
Anders als im klassischen Terminmarkt dürften Börse, Händler und Abwicklungsstelle unter einem Dach bleiben, so wie es bei Kryptobörsen üblich ist. Zu Reservenachweisen, sogenannten Proof of Reserves, stellt die Behörde nur Fragen, und eine Obergrenze für den Hebel nennt sie nicht.
Offen bleibt der reine Kauf ohne Kredit, den die CFTC weiterhin nicht regeln kann; dort gelten in den USA die Lizenzen der Bundesstaaten. Diese Lücke sollte der CLARITY Act schließen, der im September im US-Senat mit 49 zu 50 Stimmen scheiterte. Die Börsenaufsicht SEC hatte vergangene Woche einen eigenen Entwurf vorgelegt, nach dem Fonds und Berater Kryptowerte selbst verwahren dürfen.
Für Privatkunden in Europa setzt die Aufsicht engere Grenzen
Unmittelbar betrifft die Vorankündigung nur Plattformen, die Kunden in den USA bedienen. Dort gibt es solche Angebote bereits: Kraken etwa verleiht Geld für den Kryptokauf bis zum Dreifachen der beleihbaren Bestände, über eine Struktur unter CFTC-Aufsicht.
In Deutschland begrenzt die BaFin den Hebel bei Differenzkontrakten auf Kryptowährungen für Privatkunden seit August 2019 auf 2:1. Die Allgemeinverfügung verlangt eine Sicherheitsleistung von 50 Prozent des Nominalwerts. Selbst bei 2:1 ist die eingesetzte Sicherheit verloren, wenn der Kurs um die Hälfte fällt; wie man Positionen begrenzt, steht in unserem Ratgeber zum Risikomanagement beim Krypto-Trading.
Ob die Schlüssel-Regel in einem Entwurf auftaucht, entscheiden die Antworten der Branche, die frühestens in gut zwei Monaten vollständig vorliegen.
Ganz ohne Kredit und ohne Hebel lassen sich Krypto-ETPs auf Bitcoin und Ether über ein Wertpapierdepot bei Scalable Capital kaufen. Wie sich die Handelsplätze bei Gebühren und Produkten unterscheiden, zeigt der Krypto-Börsen Vergleich.


























