Der Wagniskapitalgeber Greenfield Capital hat bei der Eidgenössischen Stiftungsaufsicht eine Anzeige gegen den Stiftungsrat der Safe Ecosystem Foundation eingereicht. Er verlangt einen unabhängigen Rat; die Stiftung hat sich öffentlich noch nicht dazu geäußert.
Safe ist die Software hinter einem großen Teil der Multisig-Wallets, bei denen mehrere Schlüssel eine Zahlung gemeinsam freigeben müssen. Unternehmen, DAOs und Kryptofonds verwahren darüber nach Angaben von Greenfield rund 30 Milliarden Dollar. In einem am Sonntag im Safe-Forum veröffentlichten Brief schreibt Gründungspartner Jascha Samadi, man habe die Anzeige “this week” eingereicht und sei “not writing as a departing investor, but as one that is staying”.
Greenfield beschreibt einen Streit, der mit dem Bybit-Hack begann
Greenfield ist seit 2022 investiert, als sich Safe von Gnosis abspaltete und in einer Finanzierungsrunde rund 93,5 Millionen Dollar einsammelte. Die Sorgen begannen nach eigener Darstellung Anfang 2025. Im Februar 2025 folgte der Angriff auf Bybit, bei dem Angreifer über die kompromittierte Entwicklungsumgebung des damaligen Betreibers der Safe-Wallet rund 1,5 Milliarden Dollar erbeuteten.
Im zweiten Halbjahr 2025 sprach Greenfield nach eigenen Angaben mit früheren Mitarbeitern, großen Nutzern und Entwicklern und legte der Stiftungsspitze im Dezember 2025 ein Papier mit Forderungen vor. Im März 2026 lud die Stiftung Investoren ein, Kandidaten für drei Beteiligungsmodelle vorzuschlagen, vom Beirat bis zum vollen Sitz im Stiftungsrat. Im April besetzte sie den seit September 2025 vakanten dritten Sitz mit Safe-Mitgründer Richard Meissner, im Juni gründete sie eine Strategiekommission ohne Entscheidungsbefugnis.
Beides reicht Greenfield nicht. Der Investor hält Meissner wegen seiner früheren Rolle beim Betreiber der Wallet für befangen und verlangt, dass Gnosis-Mitgründer Stefan George den Rat verlässt, weil Gnosis mit eigenen Wallets in Konkurrenz zu Safe stand.
Der schwerste Vorwurf betrifft die Tage nach dem Bybit-Hack. Nach Darstellung von Greenfield, die sich auf Gespräche mit mehreren Beteiligten stützt, sollen Vertreter von Gnosis damals von Stiftungsräten und Mitgründern verlangt haben, einen erheblichen Teil ihrer SAFE-Token abzugeben, und andernfalls mit dem Verkauf des eigenen Bestands von rund zehn Prozent aller Token gedroht haben. Belegt ist das nicht; Gnosis und die Stiftung haben sich dazu bislang nicht öffentlich geäußert.
Die Stiftung verliert nach Greenfields Zahlen Marktanteile
Den Brief untermauert Greenfield mit Zahlen, die überwiegend aus den Berichten der Stiftung selbst stammen. Von der Finanzierung seien rund 60 Millionen Dollar ausgegeben, etwa 34 Millionen lägen noch in bar vor. Im zweiten Quartal 2026 nahm Safe demnach 1,98 Millionen Dollar ein, aufs Jahr gerechnet rund acht Millionen, weniger als die zehn Millionen, die für Ende 2025 genannt worden waren. Der Wert in Safe-Konten fiel von 66 Milliarden Dollar im Januar 2024 auf rund 30 Milliarden, während der Anteil an allen umlaufenden USDC von 12,8 auf 2,5 Prozent sank.
Der Token SAFE notierte am Montagmorgen bei 0,118 US-Dollar und damit 6,7 Prozent höher als vor 24 Stunden; alle Token zusammen sind 92,7 Millionen Dollar wert (Stand 05.10.2026, gegen 07:45 Uhr MESZ; Quelle: CoinGecko). Seit dem Start hat der Token nach Greenfield mehr als 95 Prozent verloren.
Eine Aufsichtsanzeige ist keine Klage. Die Eidgenössische Stiftungsaufsicht prüft, ob eine Stiftung nach Gesetz und Statuten geführt wird, und kann nach der Beschreibung im Brief nötigenfalls Korrekturen anordnen. Für Nutzer der Wallets ändert sich am Betrieb nichts, die Anzeige richtet sich gegen den Stiftungsrat, nicht gegen die Betreiberfirma Safe Labs, die Greenfield ausdrücklich lobt.
Wer Multisig-Lösungen mit anderen Formen der Verwahrung vergleichen will, findet sie in unserem Krypto-Wallet-Vergleich. Dass auch ein Safe nur so sicher ist wie die Freigaben seiner Schlüsselinhaber, zeigte am Wochenende ein Vault auf Base, der 1.783 wstETH verlor.
Ob der Stiftungsrat vor einer Entscheidung der Aufsicht selbst umbaut, hat er bisher nicht erkennen lassen.
Wer sich mit Kryptowerten befassen will, ohne selbst Schlüssel zu verwalten, kann börsengehandelte Krypto-ETPs etwa über das Depot von Scalable Capital kaufen. Weitere Handelsplätze und ihre Kosten stehen in unserem Krypto-Börsen Vergleich.


























