US-Finanzminister Scott Bessent hat angekündigt, die USA würden “wahrscheinlich” noch in dieser Woche Kryptowerte des Iran im Wert von einer Milliarde Dollar beschlagnahmen. Welche Wallets, welche Coins und auf welchem Weg, sagte er nicht. Eine Mitteilung des Finanzministeriums dazu gibt es bislang nicht.
Bessent äußerte sich am Donnerstag in einem Gespräch mit der Moderatorin Greta Van Susteren auf dem NPolicy Summit des Senders Newsmax in Washington. Nach der Wiedergabe von Newsmax sagte er: “We’re probably gonna seize a billion dollars of crypto this week”, und fügte hinzu: “we know where it is and we are isolating them.” Man werde also wohl diese Woche Krypto für eine Milliarde Dollar beschlagnahmen, man wisse, wo es liege.
Die Ankündigung steht in einem größeren Rahmen. Aus der “maximum pressure campaign” sei eine “absolute isolation campaign” geworden, sagte Bessent: Seeblockaden gegen Ölexporte, Beschränkungen im Flugverkehr und die Schließung von Landwegen gemeinsam mit Pakistan und der Türkei. Die Kryptowerte sind darin ein Baustein von mehreren.
Offen bleibt, ob die Milliarde zusätzlich zu früheren Zugriffen kommt.
Washington greift seit Juni gezielt Irans Kryptobörsen an
Neu ist das Vorgehen nicht, wohl aber die Größenordnung in einer einzelnen Woche. Am 2. Juni setzte das Office of Foreign Assets Control (OFAC), die Sanktionsbehörde des Finanzministeriums, die größte iranische Kryptobörse Nobitex sowie Wallex, Bitpin und Ramzinex auf die Sanktionsliste. In der Mitteilung dazu hieß es, Maßnahmen des Ministeriums hätten zum Einfrieren von “nearly half a billion dollars” an Kryptowerten des Regimes geführt.
Im Sommer folgten weitere Schritte: Nach einer Aufstellung von The Block wurden im Juli rund 130 Millionen Dollar über sanktionierte Wallets eingefroren; Tether sperrte damals vier Tron-Adressen mit zusammen rund 131 Millionen USDT. Im August kamen die Börsen Shelbit und Aban Tether hinzu, im September BitBank, der Washington Bitcoin-Überweisungen an die Revolutionsgarden vorwirft.
Wie eine Beschlagnahme technisch abläuft, hängt am Coin. Stablecoins wie USDT kann der Emittent auf einer Adresse einfrieren, Bitcoin dagegen lassen sich nur einziehen, wenn die Behörden Zugriff auf die Schlüssel oder auf eine Börse haben, die sie verwahrt. Wie stark Irans Netzwerke auf USDT setzen, hatte ein Minderheitsbericht im US-Senat beschrieben: 84 Prozent der untersuchten Wallets bewegten nur oder fast nur USDT.
Für Anleger in Europa ändert sich nichts unmittelbar
Wer in Deutschland, Österreich oder der Schweiz Bitcoin oder Stablecoins hält, ist von der Ankündigung nicht betroffen. Sie zeigt aber, wie weit die Zugriffsmöglichkeiten bei zentral ausgegebenen Stablecoins reichen: Ein Emittent, der US-Sanktionen folgt, kann Guthaben auf einer Adresse sperren, ohne dass deren Inhaber mitwirkt.
Ob Bessent Wort hält, lässt sich an der Kette ablesen, sobald Tether oder die Behörden Adressen nennen; bis Freitagabend meldete das Finanzministerium keine Beschlagnahme von Kryptowerten; seine jüngste Iran-Mitteilung vom Donnerstag galt der Schattenflotte für Öltransporte.
Bitcoin, der anders als USDT von keinem Emittenten gesperrt werden kann, lässt sich unter anderem bei Bitpanda kaufen. Wie viel Kontrolle man behält, entscheidet danach die Wahl der Verwahrung.


























