Die Autoren von EIP-8363 haben ihren Vorschlag am 1. Oktober aus den Beratungen für das Ethereum-Upgrade Hegotá zurückgezogen. Er hätte einen wachsenden Teil der Staking-Belohnungen verbrannt; erledigt ist das Thema damit nicht, es soll ein eigenes Verfahren bekommen.
Co-Autor Jérôme de Tychey begründete den Rückzug im Forum Ethereum Magicians mit dem Widerstand aus Branche und Entwicklerschaft. Mehrere Beteiligte hätten deutlich gemacht, “that a fork scoping exercise was not the right venue to settle an issuance policy change”. Die Abstimmung darüber, was in ein Upgrade kommt, sei also nicht der Ort, um die Geldpolitik von Ethereum zu ändern. “We agree”, schrieb de Tychey.
EIP-8363 hätte Belohnungen ab einer Staking-Quote von 50 Prozent ganz verbrannt
Validatoren, die das Netz von Ethereum absichern, bekommen heute für jede Aufgabe, die sie erfüllen, neu geschaffene Ether: für Bestätigungen, vorgeschlagene Blöcke und die Arbeit im Sync-Komitee. Je mehr Ether insgesamt gestakt ist, desto geringer fällt die Rendite des Einzelnen aus, sie sinkt aber nie auf null.
Hier setzte der Entwurf mit dem Titel “Tapered Issuance Burn” an. Nach der Berechnung der Belohnungen wäre jedem Validator ein Teil davon abgezogen und vernichtet worden, und dieser Teil wäre mit der Staking-Quote gewachsen. Bei 50 Prozent des gesamten Angebots hätte der Abzug die Ausgabe neuer Ether für Validatoren vollständig aufgehoben.
Die Folgen rechnet das Dokument selbst vor: Bei der heutigen Quote von rund 33 Prozent, also etwa 40 Millionen gestakten Ether, hätte die volle Kürzung die Nettorendite aus der Ausgabe neuer Ether von etwa 2,6 auf 1,2 Prozent gedrückt. Die Autoren wollten den Übergang deshalb über 18 Monate strecken, damit nicht zum Start massenhaft Kapital aus dem Staking abfließt.
Zu den sechs Autoren zählt auch der Ethereum-Forscher Justin Drake.
Lido und andere Forumsteilnehmer wehrten sich gegen den Vorschlag
Der Faden zu EIP-8363 wuchs seit Anfang August auf über 200 Beiträge an, nach den Worten von de Tychey einer der meistkommentierten Vorschläge in der Geschichte des Forums. Mitarbeiter des Staking-Anbieters Lido schrieben, der Entwurf solle für Hegotá nicht ernsthaft erwogen werden. Andere warfen den Autoren vor, die Rendite engagierter Halter zugunsten passiver zu kürzen und die Spielregeln nachträglich zu ändern.
Die Befürworter halten eine sehr hohe Staking-Quote für ein Risiko für die Neutralität des Netzes und für die Rolle von Ether als Geld, und daran halten sie fest. Für die nächsten Monate skizzieren sie Foren auf der Devcon im November und im Januar sowie Arbeitsgruppen mit externer Prüfung durch Wissenschaftler; erst zur EthCC im April soll ein Entwurf wieder vor die Kernentwickler.
Staker behalten vorerst die bisherige Rendite
Für Anleger, die Ether selbst oder über eine Börse staken, ändert sich mit dem Rückzug nichts: Die Belohnungskurve bleibt, wie sie ist. Hegotá ist das Upgrade nach Glamsterdam, dessen Test am 6. Oktober beginnt. Vitalik Buterin hatte Hegotá zuletzt als möglicherweise letzten Fork der gewohnten Art beschrieben.
Ob die Kürzung in einem eigenen Verfahren mehr Rückhalt findet, zeigt sich frühestens im Frühjahr.
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