Ein Nutzer auf X will ein Ledger-Gerät mit eingebautem Spionage-Implantat bei Mediamarkt gekauft haben, abgeflossen ist nach seinen Angaben nichts. Bestätigt hat Ledger den Fall nicht: Im jüngsten Update schreibt das Unternehmen, alle bestätigten Fälle beträfen Geräte des südostasiatischen Händlers CryptoBilis.
Der Beitrag erschien am Sonntag um 13:11 Uhr MESZ auf dem Konto @0xJohannes_. “PSA the ledger incident isn’t limited to Asia”, schrieb der Nutzer, der sich Johannes nennt: Der Vorfall sei nicht auf Asien beschränkt. Das Gerät habe er vor wenigen Wochen in einem Geschäft bei einem offiziellen Händler in Europa gekauft. Seine Fotos zeigen eine zusätzliche Platine mit Kabeln, die ein echtes Gerät nach seinen Worten nicht hat.
Auf die Frage nach dem Händler antwortete er um 16:12 Uhr mit einem Wort, “Mediamarkt”, ohne das Land zu nennen.
Die Elektronikkette steht auf der Händlerliste von Ledger für Deutschland, als offizieller Shop neben Saturn, Otto, Conrad und Amazon. Auch CryptoBilis war nach Angaben von Bitcoin.com ein autorisierter Ledger-Händler.
Karpelès hält die Platine für eine frühere Bauform
Geld hat der Nutzer nach eigener Darstellung nicht verloren. Der kompromittierte Ledger habe “never transfered funds to an exploiter”, schrieb er, also nie Guthaben an einen Angreifer überwiesen. Entweder habe das Implantat nicht funktioniert, oder die Täter hätten auf eine breitere Nutzung der präparierten Geräte gewartet.
Der frühere Mt.-Gox-Chef Mark Karpelès, der vor drei Tagen ein Implantat in einem Gerät aus Malaysia zerlegt hatte, ordnete die Bilder unter dem Beitrag ein. Die Aufschrift “v1.0” auf dem Antennenteil spreche für eine ältere Version. Auf der Antenne stehe außerdem “欧亚版”, was “Eurasian version” bedeute, also eurasische Ausführung: “so there could be more out there”. Er vermutet, die Täter hätten je nach Region verschiedene Fassungen für die örtlichen Mobilfunkfrequenzen gebaut.
Unabhängig geprüft hat das Gerät bislang niemand.
Ledger spricht weiter nur von CryptoBilis
Rund sechs Stunden nach dem ersten Beitrag veröffentlichte Ledger um 19:13 Uhr ein Update nach 72 Stunden. Darin heißt es: “To date, all confirmed cases related to the disclosed draining incident of Oct 9th, 2026, involve devices sold through the Southeast Asia reseller CryptoBilis.” Bis heute stammen also alle bestätigten Fälle aus dem Diebstahl vom 9. Oktober von Geräten dieses Händlers. Die eigenen Systeme und Direktvertriebswege seien nicht betroffen, die Zahl der betroffenen Geräte begrenzt.
Auf den Beitrag aus Europa geht Ledger darin nicht ein, und bis Montagmorgen gab es dazu auf den Konten @Ledger und @Ledger_Support keine weitere Mitteilung. Einen Satz richtet Ledger allerdings an alle Händler: Sie sollten Ware nur über autorisierte Kanäle beziehen und zurückgegebene Geräte nie wieder in den Verkauf geben; ob das mit dem gemeldeten Fall zu tun hat, lässt sich daraus nicht ablesen.
Am Samstag hatte Ledger bestätigt, dass im Gerät eines Opfers ein Implantat steckte.
Die Echtheitsprüfung per Software genügt nach Ansicht des Nutzers nicht
Für Käufer im DACH-Raum ist der Fall heikel, weil Elektronikmärkte hier zu den üblichen Bezugswegen gehören. Ledger rät in seinem Update nur den Kunden von CryptoBilis zu einem konkreten Schritt: unbenutzte Geräte nicht einzurichten und eingerichtete Wallets auf eine neue Wiederherstellungsphrase auf einem Gerät direkt von Ledger umzuziehen; für andere Händler gibt es eine solche Empfehlung bislang nicht.
Der Nutzer selbst warnt, man solle sich bei Geräten, die nicht direkt aus dem Ledger-Shop stammen, nicht allein auf die eingebaute Echtheitsprüfung der Software verlassen. Er rät, das Gehäuse zu öffnen und nachzusehen, und verweist auf Anleitungen von Karpelès. Welche Hardware-Wallets es gibt und wie sie sich unterscheiden, zeigt unser Krypto-Wallet-Vergleich.
Ob Ledger dem Fall aus Europa nachgeht, hat das Unternehmen bislang nicht gesagt.
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