Standard Chartered lässt vermögende Kunden Bitcoin und Ether direkt über ihr bestehendes Bankkonto kaufen und verkaufen, die Coins verwahrt die Bank selbst. Zum Start gilt das Angebot nur für Kunden in den Vereinigten Arabischen Emiraten, die als professionelle Anleger eingestuft sind; weitere Märkte sollen ohne Zeitplan folgen.
Die britische Großbank gab den Start am Mittwoch in einer Mitteilung aus Singapur bekannt. Eine eigene Wallet oder eine fremde Handelsplattform brauchen die Kunden nicht: Kauf, Verkauf, Verwahrung und Abwicklung laufen in einem geschlossenen Kreislauf innerhalb der Bank. Die Lizenz dafür hat die Dubaier Aufsicht für virtuelle Vermögenswerte VARA erteilt.
Rola Abu Manneh, die das Geschäft der Bank in den Emiraten, im Nahen Osten und in Pakistan leitet, sagte dazu: “We are proud to be the first international bank in the UAE to launch a cryptocurrency trading offering.” Man sei stolz, als erste internationale Bank in den Emiraten ein Angebot für den Kryptohandel zu starten.
Für Standard Chartered selbst ist es nach eigener Darstellung weltweit das erste Angebot dieser Art für vermögende Privatkunden.
Standard Chartered holt Krypto vom Institutsgeschäft ins Kundenkonto
Direkt mit Bitcoin und Ether handeln konnten bei der Bank bisher nur institutionelle Kunden. Nach Angaben von CoinDesk startete dieser Spot-Handel im Juli 2025 in Großbritannien und kam am 3. September 2026 in die Emirate. Vermögende Kunden erreichten Kryptowerte laut Mitteilung bislang nur über ETFs auf der Aktienplattform, über strukturierte Produkte oder über außerbörsliche Derivate.
Technisch stützt sich das neue Angebot auf Zodia Markets, eine von der Innovationseinheit SC Ventures unterstützte Handelsplattform, sowie auf die Vermögensverwaltung und das Investmentbanking der Bank. Samir Subberwal, der die Vermögensprodukte von Standard Chartered verantwortet, spricht davon, digitale Vermögenswerte “into our core wealth offering” zu holen, also in das Kernangebot der Vermögensverwaltung.
Die Emirate zählt die Bank zu ihren vier weltweiten Zentren für das Vermögensgeschäft, und auch Kryptobörsen bauen dort aus. Die Kraken-Mutter Payward hat am 6. Oktober ihre volle Lizenz in Dubai erhalten. Standard Chartered selbst hatte Anfang der Woche angekündigt, Ripples Stablecoin RLUSD zu verwahren.
Deutsche Banken lassen Krypto bisher über Partner laufen
In Deutschland, Österreich und der Schweiz gibt es das Angebot nicht, und Standard Chartered nennt keine weiteren Länder. Hierzulande gehen Banken bislang meist einen anderen Weg: Bei der BW-Bank etwa kaufen Kunden seit dem 9. September Kryptowerte im Wertpapierdepot, Handel und Verwahrung übernimmt dort ein spezialisierter Partner im Hintergrund.
Der Unterschied liegt bei der Verwahrung. Standard Chartered hält die Coins selbst und wirbt genau damit, dass Kunden so weniger Risiko durch fremde Wallets tragen. Ob sich Bitcoin und Ether aus dem Bankkonto auf eine eigene Wallet übertragen lassen, lässt die Mitteilung ebenso offen wie Gebühren und Mindestbeträge.
Welcher der 55 Märkte, in denen die Bank vertreten ist, als nächster an der Reihe ist, sagt Standard Chartered nicht.
Wer Bitcoin und Ether wie bei einer Bank im Wertpapierdepot halten möchte, kann bei Scalable Capital börsengehandelte Krypto-ETPs kaufen, ganz ohne eigene Wallet. Welche Plattformen die Coins selbst verkaufen und auf Wunsch auszahlen, zeigt der Krypto-Börsen Vergleich.


























