Wer am 1. Januar 2027 noch 1.000 Tether in der Cobo-Wallet hat, verliert an diesem Tag 100 davon. Cobo stellt die Wallet-App für Privatkunden am 1. Dezember ein und verlangt ab dann für jedes nicht abgehobene Guthaben eine monatliche Gebühr von 2 Prozent, mindestens aber 100 Dollar.
Angekündigt hat das Unternehmen die Schließung am Freitag in einer Mitteilung an die Nutzer. Abheben lässt sich alles bis zum 30. November um 23:59 Uhr Pekinger Zeit, in Mitteleuropa ist das 16:59 Uhr. Eine Minute später ist die App außer Betrieb.
Den Grund nennt Cobo in einem Satz: “Due to our strategic business adjustment, Cobo Wallet App will cease service on December 1, 2026.” Die App werde also wegen einer strategischen Neuausrichtung des Geschäfts eingestellt. Wie viele Menschen sie noch nutzen, sagt das Unternehmen nicht.
Cobo zieht die Gebühr direkt von den Coins ab
Wer sein Guthaben über den Stichtag hinaus liegen lässt, stimmt nach den Bedingungen der Mitteilung der Gebühr zu. Fällig wird sie jeweils am Monatsersten um Mitternacht Pekinger Zeit für den Vormonat, das erste Mal am 1. Januar 2027 für den Dezember. Abgezogen wird in den Coins selbst, ohne Umtausch: Von einem Bitcoin und zehn Ether behält Cobo 0,02 BTC und 0,2 ETH ein.
Die Mindestgebühr trifft die kleinen Konten. Liegen 2 Prozent unter 100 Dollar, zieht Cobo den Gegenwert von 100 Dollar ab, verteilt über alle Token und umgerechnet zu den Kursen von CoinMarketCap. Wer weniger als 100 Dollar übrig hat, verliert alles auf einmal.
Rechenbeispiel: Ein Guthaben von 1.000 Tether schrumpft um 100 Tether im Monat. Nach der zehnten Abbuchung am 1. Oktober 2027 ist es aufgebraucht. Ein Guthaben im Wert von 10.000 Dollar verliert bei unveränderten Kursen im ersten Jahr rund 2.150 Dollar, weil die 2 Prozent jeden Monat auf den Rest berechnet werden (10.000 × 0,9812 = rund 7.850 Dollar). Bis 5.000 Dollar greift die Mindestgebühr.
Zum Abheben kommt ein zweiter Schritt. Cobo bittet darum, die Wallet-Adresse überall zu ändern, wo sie als Empfänger hinterlegt ist, bei Börsen, bei Mining-Pools und auf anderen Plattformen. Gerade Auszahlungen aus Pools laufen oft automatisch und über Monate an dieselbe Adresse; wie bei der Schließung des Binance-Pools lohnt der Blick in die eigenen Einstellungen.
Firmenkunden behalten ihre Verwahrung
Das restliche Geschäft läuft weiter. “Cobo’s other businesses are not affected and will continue to operate as normal”, heißt es in der Mitteilung, die übrigen Geschäftsbereiche seien also nicht betroffen. Nach Angaben von Crypto Briefing betrifft das vor allem die Verwahrung für institutionelle Kunden und Wallet-as-a-Service, also Wallet-Technik, die andere Unternehmen in ihre Produkte einbauen. Cobo hatte erst am 14. Oktober sein neunjähriges Bestehen gefeiert.
Die Mitteilung endet mit einer Warnung vor falschen Helfern. Cobo stellt klar, dass es weder eine bezahlte Eilauszahlung noch eine Übertragung im Auftrag des Kunden anbietet und nie nach Passwort, Seed-Phrase oder privatem Schlüssel fragt.
Ein ähnlicher Fall war im September die Abwicklung von CoinEx, auch dort lief eine feste Auszahlungsfrist.
Wer für seine Coins eine neue Bleibe sucht, findet im Wallet-Vergleich Alternativen zur Selbstverwahrung. Bis zum Stichtag am 30. November bleiben dafür gut sechs Wochen.
Wer Bitcoin und Ether lieber über eine Handelsplattform hält, kann sie unter anderem bei Bitpanda kaufen und verwahren. Wie Gebühren und Auszahlungen dort geregelt sind, steht in unserem Bitpanda-Test.


























