Der Indexanbieter MSCI schließt Unternehmen ohne nennenswertes operatives Geschäft künftig aus seinen globalen Aktienindizes aus. In einer Simulation hatte das Verfahren Strategy und Metaplanet getroffen; ob die beiden Bitcoin-Halter tatsächlich fallen, zeigt erst die Liste, die MSCI am 11. November veröffentlicht.
MSCI gab das Ergebnis seiner Konsultation am Donnerstag um 22:48 Uhr MESZ bekannt. Der Anbieter übernimmt seinen Vorschlag vom 3. August mit kleineren Änderungen und setzt ihn mit der Indexüberprüfung im November um, wirksam zum Handelsschluss am 30. November. Betroffen sind die Global Investable Market Indexes, nach deren Methode auch der MSCI World und der MSCI ACWI berechnet werden.
MSCI prüft zuerst die Bilanz und dann fünf Kennzahlen
Das Verfahren hat zwei Stufen. Zuerst fragt MSCI, ob ein Unternehmen über wesentliche operative Vermögenswerte verfügt; wer daran scheitert, wird an fünf branchenunabhängigen Finanzkennzahlen gemessen, und wer bei mindestens vier davon auffällt, gilt als nicht indexfähig.
Die Kennzahlen betreffen nach Angaben von CoinDesk unter anderem Betriebsausgaben, Cashflow, Wertänderungen des Vermögens und die Abhängigkeit von Kapital von außen.
Für Werte, die schon im Index stehen, baut MSCI einen Puffer ein. Sie werden nur gestrichen, wenn sie in beiden der letzten zwei Geschäftsjahre durchfallen; Neuzugänge bleiben dagegen schon draußen, wenn sie in einem der beiden Jahre scheitern. Zusätzlich darf MSCI den jüngsten Zwischenbericht heranziehen.
Zugleich endet die Sonderbehandlung, die MSCI im Oktober 2025 für Firmen eingeführt hatte, deren Kryptobestand mindestens die Hälfte der Bilanzsumme ausmacht. Bei ihnen waren höhere Indexgewichte eingefroren und Neuaufnahmen zurückgestellt; künftig gelten auch für sie nur noch die neuen Tests.
Strategy bestreitet, die Tests zu verfehlen
In der Simulation des Konsultationspapiers mit Daten vom Mai 2026 wären Strategy, Metaplanet und der britische Uran-Investor Yellow Cake aus dem MSCI ACWI IMI gestrichen worden. Drei weitere Unternehmen wären auf eine öffentliche Beobachtungsliste gekommen. Strategy allein stand nach eigener Rechnung für rund 87 Prozent des streubesitzbereinigten Börsenwerts aller sechs Unternehmen, die der Vorschlag betraf.
Executive Chairman Michael Saylor und Konzernchef Phong Le hatten der Methode in einem Brief vom 31. August widersprochen: “If adopted, the proposal would have no meaningful impact on Strategy’s business, but it would profoundly harm MSCI’s reputation as a reliable and neutral index provider.” Für das Geschäft ändere sich also nichts, wohl aber für den Ruf von MSCI als neutraler Anbieter. Zudem löse Strategy nach den eigenen Pflichtmitteilungen gar nicht vier der fünf Warnsignale aus, weil etwa Wertverluste auf Bitcoin als Betriebsausgaben verbucht würden.
Zur Entscheidung vom Donnerstag äußerte sich Strategy nach Angaben von Cointelegraph zunächst nicht.
Indexfonds müssten Aktien verkaufen, keine Bitcoin
Für Anleger zählt vor allem der Mechanismus. Fällt eine Aktie aus einem Index, verkaufen die Fonds, die ihn nachbilden, ihre Anteile; den Bitcoin-Bestand des Unternehmens berührt das nicht. Analysten von JPMorgan hatten für Strategy bei einem Ausschluss Verkäufe von rund 2,8 Milliarden Dollar geschätzt, allerdings noch zum früheren MSCI-Vorschlag, wie Cointelegraph anmerkt.
Die Strategy-Aktie schloss am Donnerstag nach Angaben von CoinDesk bei 151,29 Dollar, rund 72 Prozent unter ihrem Rekord vom November 2024. Wie das Unternehmen seine Käufe zuletzt finanziert hat, zeigt der Kauf von 1.665 Bitcoin Ende September.
Auch Metaplanet stand zuletzt unter Druck und hatte Anfang Oktober 10.000 Bitcoin verkauft und 11.000 zurückgekauft. Ihre Aktie schloss am Freitag nach Angaben von CoinDesk bei 277 Yen, im Juni 2025 waren es noch 1.930 Yen. Dass Unternehmen 2026 insgesamt deutlich weniger Bitcoin kaufen als im Vorjahr, hatte der Dienstleister River schon vor der Entscheidung ausgewertet.
Wer hierzulande einen ETF auf einen MSCI-Index bespart, hält Aktien wie Strategy oder Metaplanet nur so lange, wie sie im Index stehen, und ob das nach dem 30. November noch der Fall ist, entscheidet die Liste vom 11. November.
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