Seit dem 21. September können Kunden bei Bybit Gold und Währungspaare mit einem Hebel von bis zu 1:2000 handeln. Bisher lag die Grenze bei 1:500. Bei dieser Einstellung genügt ein Kursrückgang von 0,05 Prozent, um den Einsatz aufzuzehren.
Der Hebel gilt gestaffelt nach Positionsgröße. Die höchste Stufe greift für Positionen bis 100.000 Dollar; darüber sinkt sie auf 1:1000, dann auf 1:500 und bei zehn Millionen Dollar auf 1:100. Betroffen sind die Goldpaare gegen Dollar, Yen, Euro und australischen Dollar.
Was das in Zahlen heißt, zeigt die Sicherheitsleistung: Bei 1:2000 muss der Händler 0,05 Prozent des Positionswerts hinterlegen. Für eine Position über 100.000 Dollar sind das 50 Dollar.
Die Börse betont in der Mitteilung, dass die bisherigen Stufen unverändert bleiben und nur oben neue hinzukommen: “every existing tier remains exactly as it is today”, jede bestehende Stufe bleibe exakt so wie heute. Der Satz danach lautet: “Nothing gets more expensive.” Das stimmt für die Kosten. Für das Risiko gilt es nicht, denn die höhere Stufe wählt der Kunde selbst.
Warum diese Zahl in der EU nicht zulässig wäre
Europäische Aufseher haben solche Hebel für Privatanleger abgeschafft. Seit 2018 gilt in der EU eine Obergrenze, die bei Gold 1:20 beträgt und bei großen Währungspaaren 1:30. Grundlage ist eine Produktinterventionsmaßnahme, die inzwischen in nationales Recht überführt wurde.
Der Grund für die Grenze war keine Bevormundung, sondern eine Auswertung: Nach Analysen der nationalen Aufsichtsbehörden verzeichneten 74 bis 89 Prozent der Kleinanlegerkonten Verluste mit Differenzgeschäften.
Zwischen 1:20 und 1:2000 liegt der Faktor hundert. Wer die höhere Einstellung wählt, wird bei einer Bewegung liquidiert, die im Goldhandel an einem ruhigen Nachmittag vorkommt.
Für wen das Angebot überhaupt gilt
Bybit nennt in der Mitteilung keine Länderliste. Differenzkontrakte auf Gold und Devisen sind in der EU an die genannten Obergrenzen gebunden, und Anbieter ohne europäische Zulassung dürfen sie hier nicht bewerben.
Wer sich für solche Produkte interessiert, sollte deshalb zuerst klären, unter welcher Aufsicht sein Konto geführt wird. Das steht in den Vertragsunterlagen, nicht in der Produktankündigung.
Unabhängig davon gilt: Ein Hebel verändert nicht die Trefferwahrscheinlichkeit, sondern nur die Geschwindigkeit, mit der ein Fehler das Konto leert.
Ob Bybit die Stufen wieder senkt, ist nicht mitgeteilt.
Wer Gold oder Kryptowährungen ohne Hebel halten will, braucht keinen Differenzkontrakt, sondern einen Handelsplatz mit dem gewünschten Basiswert. Welche das in Deutschland sind, steht im Krypto-Börsen Vergleich.


























