Südkoreas zweitgrößte Bank hat eine Fremdwährungsanleihe über 100 Millionen US-Dollar direkt auf der Blockchain-Infrastruktur des europäischen Abwicklers Euroclear begeben. Die Abwicklung erfolgte am Tag der Emission statt nach drei bis fünf Werktagen. Es ist das erste Mal, dass ein südkoreanisches Institut diesen Weg nimmt. Begleitet wurde die Emission von Standard Chartered als Lead Manager. Abgewickelt wurde sie über die Digital Financial Market Infrastructure von Euroclear, kurz D-FMI, eine Plattform auf Basis verteilter Register. Neu an dem Geschäft ist der Zeitpunkt der Erfüllung. Üblich ist T+3 bis T+5: Zwischen Abschluss und tatsächlicher Lieferung der Papiere gegen Geld vergehen drei bis fünf Werktage, in denen beide Seiten ein Gegenparteirisiko tragen. Hier wurde am selben Tag abgewickelt. “Die Emission einer digitalen Anleihe über 100 Millionen Dollar und die Umsetzung von T+0 sind mehr als nur eine Verbreiterung unserer Finanzierungskanäle”, erklärte ein Vertreter der Hana Bank zu dem Geschäft. Sie zeige, wie Blockchain die Kapitalmärkte effizienter mache.
Euroclear bindet die Plattform an bestehende Depotkonten an
Für die Verbreitung solcher Emissionen ist ein technisches Detail wichtiger als die Rekordmeldung: Euroclear verbindet die D-FMI mit dem bestehenden Netz. Investoren können die Papiere über ihre vorhandenen Konten zeichnen, ohne eigene Blockchain-Infrastruktur aufzubauen oder eine Wallet zu betreiben. Damit fällt die größte praktische Hürde weg, an der frühere Versuche mit tokenisierten Anleihen scheiterten. Wer ein neues System verlangt, bekommt wenige Teilnehmer. Südkorea bereitet parallel einen eigenen Rechtsrahmen für tokenisierte Wertpapiere vor, der im Februar 2027 in Kraft treten soll. Die Emission fällt also in eine Phase, in der Institute die Technik erproben, bevor die Regeln stehen. Auffällig ist die Richtung: Eine asiatische Bank nutzt europäische Marktinfrastruktur. Euroclear mit Sitz in Brüssel wickelt traditionell einen großen Teil der internationalen Anleihegeschäfte ab und verteidigt diese Stellung nun auch im digitalen Bereich. Wie das Eurosystem an derselben Stelle ansetzt, zeigt unser Bericht zur Inbetriebnahme von Pontes.
Was Privatanleger davon haben und was nicht
Die Emission richtet sich an institutionelle Zeichner, und eine Anleihe über 100 Millionen Dollar wird nicht in Kleinstückelung vertrieben. Der unmittelbare Nutzen für ein privates Depot ist null. Mittelbar ist der Vorgang trotzdem aufschlussreich. Tokenisierung wird im Kryptomarkt oft als Anwendungsfall für öffentliche Blockchains und deren Token beworben. Was hier tatsächlich passiert, sieht anders aus: Eine Bank nutzt die verteilte Registertechnik einer etablierten Abwicklungsstelle, in bestehenden Konten, ohne Kryptowährung im Prozess. Der Effizienzgewinn liegt in der Abwicklungsfrist, nicht in einem Token. Für die Bewertung von Projekten, die mit Tokenisierung werben, ist das ein nützlicher Maßstab: Die Frage ist nicht, ob ein Papier auf einer Blockchain liegt, sondern wer es abwickelt und ob dafür ein Token gebraucht wird. Grundlagen dazu stehen in unserem Ratgeber, was ein Token ist. Die Einzelheiten der Emission hat CoinDesk berichtet. Ob weitere koreanische Institute folgen, dürfte sich vor dem Start des neuen Rahmens im Februar zeigen.
Wer breit in den Kapitalmarkt investieren will, findet unter anderem bei Scalable Capital ein Angebot. Weitere Anbieter stehen im Krypto-Börsen Vergleich.


























