Die US-Börse für Ereigniskontrakte Kalshi beendet ihr Volume Incentive Program frühestens am 13. Oktober, statt es bis Oktober 2027 laufen zu lassen. Einen Grund nennt die Einreichung bei der Terminmarktaufsicht CFTC nicht; sie fällt in eine Woche, in der Vorwürfe über aufgeblähte Umsätze bei Kalshis Ether-Perpetuals die Runde machen.
Das Schreiben ist auf Montag, den 28. September, datiert und liegt öffentlich in der Dokumentenablage der Börse. Kalshi meldet darin die Beendigung im Weg der Selbstzertifizierung, also ohne vorherige Genehmigung der Behörde. In der beigefügten Fassung mit Änderungsmarkierungen ist das alte Enddatum durchgestrichen: der 1. Oktober 2027.
Das Programm verteilte je Markt einen festen Prämientopf an die Händler, anteilig nach ihrem Handelsvolumen im Orderbuch. Bei Ereigniskontrakten war die Prämie auf einen halben Cent je Kontrakt gedeckelt, und nur Kurse zwischen 3 und 97 Cent zählten; für Perpetual Futures, also Terminkontrakte ohne Verfallstag, galt diese Preisspanne ausdrücklich nicht.
Als Begründung reicht der Börse ihre eigene Regel 3.13(f), nach der sie solche Programme nach alleinigem Ermessen ändern oder beenden kann.
Ein Analyst hält die Ether-Umsätze für aufgebläht
Den Anstoß zur Debatte gab ein Händler, der auf X unter dem Namen Beni schreibt. Er stellte für Kalshis Ether-Perpetual rund 539 Millionen Dollar Umsatz in 24 Stunden gegen nur 3,1 Millionen Dollar an offenen Positionen, das 174-Fache. An vier Tagen zwischen dem 16. und 20. September entfielen nach seiner Auswertung 48 bis 58 Prozent des Umsatzes auf Geschäfte von genau 5.500 Dollar.
Nach einem Bericht des Wall Street Journal sieht sich die CFTC diese Serien an; über rund einen Monat sollen so mehr als 5 Milliarden Dollar Umsatz zusammengekommen sein.
Kalshi erklärt die Serien mit festen Kursangeboten
Die Börse weist den Vorwurf zurück. Scheingeschäfte seien “explicitly banned in our rulebook”, schrieb Kalshi in einem Blogbeitrag, also nach dem Regelwerk ausdrücklich verboten, und es gebe “no evidence” für Absprachen. Die gleich großen Abschlüsse entstünden, weil Marktmacher Angebote in fester Größe stellten, die schnellere Händler immer wieder bedienten. Von der CFTC sei man in der Sache nicht angesprochen worden.
Nachprüfen lässt sich keine der beiden Darstellungen von außen. Die öffentliche Schnittstelle der Börse zeigt nicht, wer auf welcher Seite eines Geschäfts steht, und dass die CFTC die Serien prüft, ist bislang nur aus dem Zeitungsbericht bekannt.
Rekordumsätze verlieren ohne offene Positionen an Aussagekraft
Für Kalshi kommt die Diskussion zu einem heiklen Zeitpunkt. Nach Angaben von The Block lag der Umsatz im September bis zum 29. bei 52,98 Milliarden Dollar, ein Rekord und rund 37 Prozent mehr als im ganzen August. Zugleich verhandelt die Börse laut Reuters über rund eine Milliarde Dollar frisches Kapital bei einer Bewertung von etwa 40 Milliarden Dollar.
Direkt betroffen sind vor allem Händler auf Kalshi selbst, deren Prämien ab Mitte Oktober entfallen; für Anleger in Deutschland, Österreich und der Schweiz ist die Lehre allgemeiner: Ein hoher Tagesumsatz belegt noch keine tiefe Liquidität, aussagekräftiger ist er erst im Verhältnis zu den offenen Positionen. Wie der US-Kongress zugleich andere Plattformen für Ereigniswetten ins Visier nimmt, zeigt die Anfrage, mit der der Kongress Hyperliquid und Crypto.com nach Insiderhandel fragt.
Ob die Umsätze auf Kalshi ohne Prämien auf dem Niveau vom September bleiben, zeigen die Zahlen der zweiten Oktoberhälfte.
Ether selbst, um dessen Terminkontrakte es bei Kalshi geht, lässt sich unter anderem bei eToro handeln. Was hinter dem Netzwerk steckt, erklärt unser Ratgeber Was ist Ethereum?


























