Die US-Börsenaufsicht SEC hat am Dienstag zwei Betrugsnetze verklagt, die Anleger über WhatsApp mit angeblichen KI-Handelssignalen und einem vorgetäuschten SEC-Nachweis gelockt haben sollen. Nach Darstellung der Behörde verloren rund 2.000 Privatanleger mindestens 15 Millionen Dollar.
Beide Klagen liegen beim Bundesbezirksgericht für den Southern District of New York. Sie richten sich gegen vier Firmen: Cryptoaiml Ltd. und die Cryptoaiml Capital Foundation sowie TSAI Pro Ltd. und die TSAI Capital Foundation. Einzelne Personen sind nicht beklagt, denn wer die Firmen steuert, weiß auch die SEC nicht.
“Although the methods used to bilk innocent investors in these fraudulent investment scams varied, the goal was the same – promise potential investors outsized returns, claim that they were legitimate entities regulated by the SEC, and then steal their money”, sagte David Woodcock, Direktor der Durchsetzungsabteilung, in der Mitteilung der SEC. Die Wege seien verschieden gewesen, das Ziel dasselbe: hohe Renditen versprechen, sich als von der SEC beaufsichtigt ausgeben und dann das Geld stehlen.
Cryptoaiml baute sich in 14 Tagen eine amtliche Fassade
Die Klageschrift gegen Cryptoaiml lässt sich fast Tag für Tag nachlesen. Am 20. August 2024 wurde die Cryptoaiml Capital Foundation bei der Finanzermittlungsbehörde FinCEN des US-Finanzministeriums als Geldtransferdienst registriert. Am 28. August folgte die Gründung der Cryptoaiml Ltd. in New York, am 3. September deren Meldung auf dem Formular D bei der SEC, unterschrieben von einem Direktor namens “James Peat”, den es nach Erkenntnissen der Behörde nicht gibt.
Ein Formular D zeigt ein Wertpapierangebot an, das von der Registrierung befreit sein soll, und ist keine Erlaubnis; Cryptoaiml verlinkte die Meldung auf der eigenen Website unter einem Reiter “SEC”. In einem WhatsApp-Chat hieß es am 31. Dezember 2024 gegenüber einem Anleger: “The cryptoaiml you are currently using is a legitimate platform certified by the SEC as well as the MSB.”
Ab Herbst 2024 liefen die Opfer in WhatsApp-Gruppen ein. Dort traten die Täter unter den Namen echter Fachleute auf, darunter ein Berater von Raymond James und der Präsident von Citadel Securities, dessen Lebenslauf sie von der Firmenwebsite kopierten. Sie verbreiteten angeblich von KI erzeugte Handelssignale mit 98 Prozent Trefferquote; in einer Gruppe war von bis zu 1.600 Prozent Gewinn in 60 Tagen die Rede. Erfundene Mitglieder schwärmten von ihren Erträgen und kündigten an, ihre Aktiendepots aufzulösen.
Einige echte Anleger taten genau das und verkauften Aktien oder Guthaben aus ihrer Altersvorsorge. Ihre Kryptowerte schickten sie an Adressen der Plattform cryptoaiml.vip, die steigende Kontostände anzeigte, obwohl dort nach Darstellung der SEC nie gehandelt wurde.
Wer abheben wollte, fand sein Konto “gesperrt” und sollte erst Gebühren überweisen.
Insgesamt soll Cryptoaiml von August 2024 bis März 2025 rund 12,5 Millionen Dollar von mindestens 300 Anlegern in den USA eingesammelt haben. Knapp 12 Millionen davon gingen als Kryptowerte auf vier Sammel-Wallets ein, 513.577 Dollar überwiesen vier Anleger als angebliche Freischaltgebühr; das Geld floss weiter an Firmen in den Vereinigten Arabischen Emiraten und in China.
TSAI vermietete Handelsroboter, die es nicht gab
Das zweite Netz kam ohne falsche Prominente aus, dafür mit festen Renditen. Über die Website techstarvoip.com, Facebook und WhatsApp bot TSAI von September 2024 bis März 2025 KI-Handelsroboter zur Miete an. Für 100 Dollar sollte ein Einstiegsmodell zwei Tage lang 10 Dollar täglich abwerfen, das teuerste für 500.000 Dollar an 360 Tagen je 17.500 Dollar, zusammen 6,3 Millionen.
Eingezahlt wurde in Bitcoin, Ether, USDT oder USDC, und auf der Website hing ein angebliches Zertifikat der SEC, das auf das eigene Formular D verwies und das die Behörde nie ausgestellt hat. Wer weitere Anleger warb, sollte Provisionen bekommen, bis nach Zählung der SEC rund 1.715 Privatanleger mindestens 2,8 Millionen Dollar verloren hatten.
Die SEC verlangt in beiden Verfahren Unterlassungsanordnungen, die Herausgabe der Gewinne samt Zinsen sowie Geldstrafen, im Fall Cryptoaiml zusätzlich ein Berufsverbot als Anlageberater.
Die BaFin warnt vor derselben Masche in Deutschland
Deutsche Anleger begegnen dem Muster unter anderen Namen. Erst am Dienstag hat die BaFin erneut vor einer Reihe angeblicher KI-Handelsplattformen gewarnt, 28 Websites unter 18 Namen, die Kontaktdaten an unerlaubte Handelsplattformen weiterreichen sollen. Wie Täter künstliche Intelligenz für solche Maschen einsetzen, hatte bereits eine Studie zu KI als Werkzeug von Kriminellen beschrieben.
Die beiden Klagen zeigen, woran der Trick hängt: an einem Behördennamen, der Vertrauen leiht, denn ein Eintrag in der SEC-Datenbank oder eine Registrierung bei FinCEN sagt nichts darüber, ob ein Anbieter Kundengeld verwalten darf. In der EU brauchen Krypto-Dienstleister eine Zulassung nach der MiCA-Verordnung, die sich im öffentlichen Register der ESMA nachsehen lässt; wie die Behörde die MiCA-Aufsicht ausbaut, hat sie gerade in ihrem Arbeitsprogramm beschrieben.
Die Klageschrift gegen Cryptoaiml listet neun Wallet-Adressen auf, über die das Geld lief, sagt aber nicht, ob dort noch etwas liegt.
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