Die griechische Kapitalmarktaufsicht HCMC weist einen Bericht zurück, nach dem EZB-Präsidentin Christine Lagarde die MiCA-Zulassung von Binance in Griechenland verhindert haben soll. Bestätigt ist nur, dass Binance seinen Antrag im Juni zurückzog und bis heute in keinem EU-Register als zugelassener Anbieter steht.
In einer schriftlichen Antwort an Cointelegraph erklärte die Behörde: “HCMC categorically rejects the assertions attributed to it. No HCMC official has had any communication with any ECB official on this matter, and none of the reported statements were made by HCMC or its officials.” Auch aus dem Büro von Ministerpräsident Kyriakos Mitsotakis, dem Finanzministerium oder anderen Regierungsstellen habe es zu dem Antrag keine Mitteilung gegeben. Das ist ein klares Nein.
Das Wall Street Journal beschreibt einen Eingriff von oben
Das Wall Street Journal hatte am 18. September berichtet, Lagarde habe Mitsotakis gebeten, den Antrag nicht zu genehmigen, und ein Vizepräsident der HCMC habe Binance das so übermittelt. Nach Angaben von CoinDesk, das den Bericht zusammenfasste, wollte Lagarde die Entscheidung aufschieben, bis die Wertpapieraufsicht ESMA die Zulassung großer Anbieter übernimmt.
Als Motiv nennt der Bericht die Sorge, dass Binance mit seiner Größe die Verbreitung von Stablecoins in US-Dollar in Europa fördern und damit den digitalen Euro schwächen könnte.
Die EZB selbst hat keine Zuständigkeit für die Zulassung von Kryptodienstleistern und wollte sich zu dem Bericht nicht näher äußern. Binance ließ ausrichten: “We will not comment on speculation.” Das Unternehmen bleibe entschlossen, in Europa dauerhaft unter MiCA zu arbeiten.
Vier griechische Anbieter stehen inzwischen im Register
Was sich prüfen lässt, steht im MiCA-Register der ESMA. Die Liste der zugelassenen Kryptodienstleister in der Fassung vom 24. September führt 362 Einträge, davon vier aus Griechenland: BCash, Xenios Blockchain Group und Capital Wallet Greece unter Aufsicht der HCMC sowie die Piraeus Bank unter Aufsicht der griechischen Notenbank. Ihre Zulassungen datieren vom 30. Juni bis zum 7. August.
Binance taucht in dem Register nicht auf, weder in Griechenland noch in einem anderen Mitgliedstaat.
Kunden in Deutschland betrifft die Frage nach dem Pass
Mit einer MiCA-Zulassung in einem Mitgliedstaat dürfen Anbieter ihre Dienste in der gesamten EU anbieten. Genau diesen Pass hat Binance nach dem Rückzug in Griechenland nicht. Nach Darstellung von Cointelegraph hat die Börse ihre Bemühungen auf ein anderes EU-Land verlagert, welches, ist nicht bekannt.
Deutschland stellt mit 98 Einträgen die meisten zugelassenen Anbieter im Register.
Wie die EU ihre Kryptoregeln künftig durchsetzen will, zeigt das Arbeitsprogramm der ESMA für 2027. Es verschiebt den Schwerpunkt von der Regelsetzung auf die Aufsicht. Wie weit die Vorstellungen der europäischen Aufseher inzwischen reichen, zeigen die Vorschläge der EU-Bankenaufsicht zum Krypto-Verleih. Die Grundlagen der Verordnung stehen in unserem Bericht darüber, wie das Europäische Parlament dem MiCA-Gesetz zustimmte.
Offen bleibt, wer die Äußerungen gemacht haben soll, die das Wall Street Journal einem griechischen Aufseher zuschreibt.
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