Der Aufsichtsausschuss des US-Repräsentantenhauses weitet seine Untersuchung zu Insiderhandel auf Prognosemärkten aus und verlangt von Hyperliquid, Crypto.com und dem PredictIt-Betreiber bis zum 13. Oktober Unterlagen zu Identitätsprüfung und verdächtigen Trades. Es ist eine Anfrage, noch kein Verfahren.
Der Vorsitzende James Comer hat die Briefe am Dienstag verschickt, an Hyperliquid-Mitgründer Jeff Yan, an Crypto.com-Chef Kris Marszalek und an Aristotle Exchange, das Unternehmen hinter PredictIt. Gefragt ist nach Unterlagen ab dem 1. Januar 2024: wie die Plattformen ihre Kunden identifizieren, woran sie auffällige Geschäfte erkennen und ob sie Verdachtsfälle an das Justizministerium oder die Derivateaufsicht CFTC melden.
Hyperliquid kommt in dem Schreiben am schlechtesten weg. Der Ausschuss verweist auf eine große Short-Position mit Hebel, die im Oktober 2025 kurz vor einer Ankündigung von US-Präsident Donald Trump zu Zöllen eröffnet worden sei. Nach einem im Brief zitierten Marktbericht ging es um Wetten auf fallende Kurse von Bitcoin und Ether im Umfang von 1,1 Milliarden Dollar, die mehr als 150 Millionen Dollar Gewinn brachten.
“This transaction, precisely timed to a nonpublic government decision, executed on a platform with apparently no identity verification or mechanism to refer the responsible party to U.S. law enforcement, mirrors a pattern of insider trading the Committee is investigating across the prediction market sector”, heißt es im Brief an Hyperliquid. Das Geschäft sei genau auf eine nicht öffentliche Regierungsentscheidung abgestimmt gewesen, abgewickelt auf einer Plattform ohne erkennbare Identitätsprüfung.
Comer baut auf einer Untersuchung zu Kalshi und Polymarket auf
Begonnen hatte der Ausschuss im Mai mit Briefen an Kalshi und Polymarket. Nach Angaben der Mitteilung des Ausschusses haben beide seitdem fast 1.000 Dokumente geliefert und fünf Briefings gegeben. Anlass war unter anderem die Anklage gegen einen Unteroffizier der US-Armee vom April, der mit geheimen Informationen über den Einsatz gegen Venezuelas Präsidenten Nicolás Maduro auf Polymarket mehr als 409.000 Dollar verdient haben soll.
“As online prediction platforms grow and become more mainstream, some bad actors have exploited the platforms to make thousands of dollars by placing bets based on nonpublic information”, sagte Comer. Die Briefe halten fest, dass ein Eingreifen des Kongresses nötig werden könnte.
Neu ist, dass der Ausschuss nun eine Kryptobörse ins Visier nimmt, deren Kerngeschäft keine Ereigniswetten sind. Hyperliquid ist vor allem ein Handelsplatz für Perpetual Futures, also Terminkontrakte ohne Laufzeitende, und läuft auf einer eigenen Blockchain, auf der jeder Trade öffentlich einsehbar ist. Von Hyperliquid will der Ausschuss zusätzlich wissen, wie die Plattform Zugangssperren für bestimmte Länder durchsetzt und ob Mitarbeiter eine Sicherheitsfreigabe der US-Regierung haben.
Für Nutzer außerhalb der USA ändert sich vorerst nichts
Ein Brief des Ausschusses ist keine Vorladung und keine Anklage. Er bittet um die Unterlagen “as soon as possible but no later than October 13, 2026”; eine Pflicht zur Herausgabe entstünde erst mit einer Vorladung.
Wer Hyperliquid aus Europa nutzt, handelt dort bislang ohne Identitätsprüfung mit einer eigenen Wallet. Ob die Plattform auf den Druck aus Washington mit Prüfungen oder strengeren Ländersperren reagiert, hat sie bislang nicht mitgeteilt. Wie stark der Handelsplatz gewachsen ist, zeigt der Weg des Tokens HYPE, der im September bei Binance ins Spot-Angebot kam; Insiderhandel mit Kryptowerten beschäftigt die US-Justiz auch außerhalb von Prognosemärkten, etwa bei zwei früheren Robinhood-Entwicklern.
Bis zum 13. Oktober haben die drei Unternehmen Zeit.
Bitcoin und Ether lassen sich über ein Konto mit Identitätsprüfung unter anderem bei Bitpanda kaufen. Welche Handelsplätze Terminkontrakte anbieten und was sie kosten, zeigt der Krypto-Börsen Vergleich.


























