Eine Bundesrichterin in Chicago hat Illinois vorläufig untersagt, Kalshi und Coinbase mit seinem Sportwettengesetz zu verfolgen. Die Sportkontrakte der Plattform seien wahrscheinlich Swaps und damit Sache der US-Aufsicht CFTC. Ob Illinois Gebühren auf die Kontrakte erheben darf, hat das Gericht noch offen gelassen.
Richterin Martha M. Pacold vom Bundesbezirksgericht für den Norden von Illinois gab am Freitag drei Anträgen auf einstweilige Verfügung teilweise statt: dem von Coinbase, dem der Prognosemarkt-Plattform Kalshi und dem der Vereinigten Staaten, die zusammen mit der Aufsicht CFTC gegen den Bundesstaat geklagt hatten. Die drei Verfahren entschied sie in einer gemeinsamen, 28 Seiten langen Begründung. Endgültig ist damit nichts, es geht um den Zustand bis zum Urteil.
Kalshi lässt Nutzer Kontrakte auf den Ausgang von Ereignissen handeln, etwa darauf, wer ein Endspiel gewinnt. Ein Kontrakt zahlt einen Dollar, wenn das Ereignis eintritt, und nichts, wenn nicht. Coinbase hat im Dezember 2025 eine Partnerschaft mit Kalshi angekündigt, über die seine Kunden die Kontrakte mit Guthaben aus dem Coinbase-Konto handeln können.
Illinois sieht Glücksspiel, die Richterin ein Finanzinstrument
Illinois hatte Kalshi per Unterlassungsschreiben vorgeworfen, ohne Lizenz Sportwetten anzubieten, und auch Unternehmen gedroht, die mit Kalshi zusammenarbeiten. Nach dem Gesetz des Staates bräuchte Kalshi eine Wettlizenz, dürfte niemanden unter 21 Jahren handeln lassen und nur Kunden annehmen, die sich in Illinois aufhalten. Wer ohne Lizenz eine Wettseite betreibt, macht sich dort strafbar.
Pacold folgte dem nicht. Die Titelkontrakte seien wahrscheinlich Swaps im Sinne des Commodity Exchange Act, und die gehören an einen von der CFTC zugelassenen Handelsplatz, nicht unter das Recht einzelner Bundesstaaten. “Swaps are swaps whether they are used to gamble”, schreibt sie, ein Swap bleibe also ein Swap, auch wenn jemand damit wettet.
Würde Kalshi die Auflagen erfüllen, müsste die Plattform nach der Begründung einen eigenen Markt nur für Einwohner von Illinois bauen, unter Androhung von Strafen. Das widerspreche dem Ziel des Gesetzes, die Terminmärkte einheitlichen Regeln zu unterwerfen.
Ihr Schlusssatz fasst den Ton der Entscheidung zusammen: Die Instrumente seien wahrscheinlich Swaps, “they just happen to be swaps that people find entertaining and fun”.
Andere Bundesgerichte haben gegen Kalshi entschieden
Einheitlich ist die Rechtsprechung nicht. Pacold zitiert selbst ein Urteil des Berufungsgerichts für den neunten Bezirk vom 28. August 2026, das die weite Auslegung ausdrücklich ablehnt. “Kalshi has a gambling problem”, heißt es dort, deshalb wollten die Richter den Swap-Begriff nicht so weit lesen. Das Berufungsgericht für den sechsten Bezirk stützte dagegen am 25. September Kalshis Lesart, dass auch der Ausgang eines Spiels ein Ereignis im Sinne des Gesetzes ist.
Die CFTC treibt die Frage parallel selbst voran: Sie hat zwei Regelentwürfe auf den Weg gebracht, mit denen Ereigniskontrakte als Swaps eingeordnet werden sollen. Dass die Behörde Kalshis Kontrakte nie als verbotenes Glücksspiel eingestuft hat, wertete Pacold als Argument gegen Illinois.
Offen ist die Frage, die für die Wirtschaftlichkeit am meisten zählt. Seit dem Haushalt für das Fiskaljahr 2027 verlangt Illinois auf jede Sportwette an einem Prognosemarkt 1,75 Prozent Transaktionsgebühr für die ersten fünf Millionen Kontrakte im Jahr und 3,5 Prozent für alle weiteren. Dazu kommen 15 Prozent auf die Bruttoeinnahmen aus Sportwetten und 25 oder 50 Cent je Wette.
Gebühren allein seien nicht zwingend ein Eingriff in den Markt, schreibt die Richterin vorläufig. Wäre eine Gebühr aber so hoch, dass sie wie ein Verbot wirkt, sähe es anders aus: “What defendants cannot do overtly, they cannot do covertly.” Dazu verlangt sie weitere Schriftsätze.
Coinbase darf die Kontrakte in Illinois weiter anbieten
Für Kunden in Illinois heißt das zunächst, dass Kalshi und Coinbase ihre Sportkontrakte dort weiter anbieten können, ohne Strafverfolgung fürchten zu müssen. Ob am Ende Gebühren auf jeden Kontrakt fällig werden, die sich auf die Preise auswirken, entscheidet das Gericht später. Kalshi hatte zuletzt bereits seine Volumenprämien vorzeitig gestrichen.
Anleger in Deutschland, Österreich und der Schweiz betrifft die Entscheidung nicht unmittelbar: Es geht um US-Bundesstaaten, US-Wettgesetze und die Zuständigkeit der US-Aufsicht.
Mittelbar schon, denn Coinbase hat die Prognosemärkte über Kalshi neben den Kryptohandel gestellt, und jedes Urteil in diesem Streit verschiebt, wie viel davon in den USA erlaubt bleibt. Welche Dienste die Börse hierzulande anbietet, steht in unserem Überblick zu Coinbase in Deutschland.
Einen Termin für die Anhörung zu den Gebühren nennt die Entscheidung nicht.
Wer sich für Bitcoin und Ether im Wertpapierdepot statt auf einer Prognoseplattform interessiert, findet Krypto-ETPs unter anderem bei Scalable Capital. Welche Handelsplätze Coins direkt anbieten, zeigt der Krypto-Börsen Vergleich.


























